Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.05.2019


Osttirol

Expertentreffen in Osttirol: Flussbauer schätzen Drau und Isel

Wasserbau-Experten aus ganz Österreich trafen sich in Osttirol zur Aus- und Weiterbildung. Die vor Jahrzehnten an Isel und Drau durchgeführten Maßnahmen lieferten reiches Anschauungsmaterial.

Wasserbau-Experten aus allen Bundesländern begutachteten an der Isel Aufweitungen, die vor Jahrzehnten umgesetzt worden sind.

© Revital/SenfterWasserbau-Experten aus allen Bundesländern begutachteten an der Isel Aufweitungen, die vor Jahrzehnten umgesetzt worden sind.



Von Christoph Blassnig

Nußdorf – Der Name Alfred Thenius muss genannt werden, wenn es um Wasserbau an den beiden Osttiroler Hauptflüssen Obere Drau und Isel geht. Der im Jahr 2010 88-jährig verstorbene Techniker und jahrzehntelange Leiter des Baubezirksamtes Lienz war nicht nur für zahllose Infrastrukturprojekte in seiner Wahlheimat verantwortlich. Thenius tüftelte an naturgemäßen Lösungen beim Schutzwasserbau in Osttirol und setzte diese auch um. Dazu verfasste der Autor mehrerer Bücher ein unveröffentlichtes Manuskript mit den Erfahrungen der verheerenden Hochwasserereignisse in den Jahren 1965 und 1966.

„Alfred Thenius war ein Visionär, dem wir reiches Anschauungsmaterial vor unserer Haustüre verdanken“, sagt Stephan Senfter, Ingenieur beim Büro Revital für integrative Naturraumplanung von Klaus Michor. Michor unterhält in den Räumlichkeiten in Nußdorf auch eine Revital-Akademie, die zur Aus- und Weiterbildung genutzt wird.

Der österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband ÖWAV hat im letzten Jahr eine Idee der Osttiroler aufgenommen und österreichweit zu einem Kurs im Bezirk Lienz geladen, der kürzlich stattfand: „Integrativer Wasserbau – Umgang mit Dynamik in der Praxis“. Die Anzahl der Teilnehmer war auf 30 begrenzt, der Kurs schon vor Monaten ausgebucht. Klaus Michor organisierte die Veranstaltung an beiden Tagen. Auch Helmut Habersack, Leiter des Institutes für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur in Wien, hielt für die Teilnehmer ein Referat in Nußdorf.

„Nach Grundlagen und Theorie berichtete Professor Habersack auch von den neuesten Forschungen im Labor in Wien“, erläutert Senfter. Das Besondere an der Oberen Drau und der Isel sei die Tatsache, dass Thenius schon vor Jahrzehnten umgesetzt hat, was ebenso lange zu den grundlegenden Bautypen im integrativen Wasserbau zählt: die Schaffung von Flussaufweitungen, Nebenarmen und dazu gezielte Ufererosion. „An den beiden Flüssen sehen wir heute, wie sich diese Maßnahmen nach zwanzig, dreißig und fünfzig Jahren bewähren“, erklärt Senfter. „Dabei geht es vor allem um das Zusammenspiel mit der eigendynamischen Kraft des Flusses.“ An den Ufern von Drau und Isel könne man die Planung, Instandhaltung und Pflege solcher Baumaßnahmen in der Praxis zeigen. „Die Isel ist so bekannt, dass Fachleute sie gerne selbst erleben wollen.“ Im Verlauf der Oberen Drau gibt es Probleme, weil das Wasser zu wenig Geschiebe transportiert. Das hat zur Folge, dass sich der Fluss eingräbt und aufwändige Ufersicherungen notwendig werden. „Es geht im Flussbau nicht um die nächsten ein, zwei Jahre, sondern um Jahrzehnte“, verdeutlicht Senfter die Anforderungen in der Praxis. Aus allen Bundesländern waren Vertreter der Wasserwirtschaftsverwaltungen nach Nußdorf gekommen.