Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Bezirk Kitzbühel

Milch ist für die Bauern im Bezirk Kitzbühel wichtiges Standbein

Die Sennerei Westendorf gilt als positives Beispiel für gelungene Vermarktung heimischer Produkte aus bäuerlicher Produktion.

Johann Krall, Sebastian Ehrensberger, LA Josef Edenhauser, LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid, Johann Bachler und Max Salcher (v. l.) in der Sennerei Westendorf.

© AngererJohann Krall, Sebastian Ehrensberger, LA Josef Edenhauser, LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid, Johann Bachler und Max Salcher (v. l.) in der Sennerei Westendorf.



Von Harald Angerer

Westendorf – Der Bezirk Kitzbühel ist besonders von der Milchwirtschaft geprägt. Insgesamt gibt es hier nicht weniger als 621 Milchbauern, die jährlich 63,5 Millionen Liter Milch produzieren. Diese Zahlen präsentierten LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid und LA Josef Edenhauser gestern bei einer Pressekonferenz. Als Ort hat man sich nicht zufällig die Sennerei Westendorf ausgesucht. „Sie ist ein Beispiel, wie es funktionieren kann“, betont Edenhauser.

Seit fast 100 Jahren wird an dem Standort Milch verarbeitet, die Sennerei gehört einer Genossenschaft mit 101 Mitgliedern, betrieben wird sie von Pächter Sebastian Ehrensberger. 56 Bauern versorgen sie mit Milch. Wobei diese nicht mehr direkt von den Landwirten zugekauft wird, sondern seit 2009 über die Tirol Milch. „Für uns war es damals nicht mehr möglich, die zugelieferte Menge an Milch zu verarbeiten“, schildert der der Sennereipächter.

Dank der Lösung mit der Tirol Milch konnte er den Betrieb aber erhalten und hat ihn gemeinsam mit seiner Frau Gabi zu einem Feinkostladen für bäuerliche Produkte ausgebaut. Das Angebot reicht vom eigenen Käse über Eier und Käse von verschiedenen Sennereien aus der Region bis zu Nudeln und Wurst. „Wir verkaufen im Jahr 150.000 Eier von Westendorfer Bauern“, erzählt Ehrensberger. Auch beliefert er Tourismusbetriebe, die vor allem auf regionale Qualität Wert legen. Der Verkaufsschlager der Sennerei sei aber der für das Brixental typische „Proda-Kas“, ein spezieller Käse, den es so nur in der Region gibt. Davon produziert und verkauft die Sennerei gut zwölf Tonnen jährlich.

„Hier kann man die Problematik für kleine Sennereien sehen, die Zusammenarbeit mit der Tirol Milch ermöglicht aber den Erhalt“, sagt LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid. Es gelte deshalb, die Bauern zukunftsfit zu machen, wie sie sagt. Denn es würde sehr hohe Qualität produziert, „aber wir gehen zu wenig an die Öffentlichkeit damit“, sagt Brunschmid.

Die Produktion der Lebensmittel habe aber eine große Bedeutung, nicht nur für die Bauern selbst, sondern für die ganze Region. So sei es wichtig, dass die Almwirtschaft erhalten bleibe. Das ist auch für den Tourismus bedeutend, wie TVB-Brixental-Geschäftsführer Max Salcher betont: „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Region und das ist für beide Seiten enorm wichtig.“ Und auch LA Edenhauser unterstreicht diese Zusammenarbeit. Es sei zudem notwendig, dass der Tourismus auf die Probleme der Bauern reagiere. Wie zum Beispiel das „Almurteil“ zeige. Hier ist es wichtig, dass die Touristiker die Gäste informieren. „Wenn man die Landschaft verkauft, muss man auch den Umgang damit erklären“, sagt Edenhauser.

Auch wenn die Sennerei als Vorbild hervorgehoben wurde, die Zukunft des Betriebes ist dennoch unklar. Denn Ehrensberger wird in absehbarer Zeit in Pension gehen. „Nicht vor Ende 2021“, wie er selbst betont. Doch wie es danach weitergeht, wird bereits in der Genossenschaft besprochen. „Die Zeit läuft und wir sind hier sicher gefordert, eine Lösung zu finden“, sagt Ortsbauernobmann Johann Krall. Wie die Zukunftslösung allerdings aussehen könnte, kann er noch nicht sagen.