Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.07.2019


Standort Tirol

Kultur-Tourismus in Tirol Ergänzung statt Zugpferd

Nur vier Prozent der Tirol-Urlauber kommen für Kultur und Brauchtum. Sehenswürdigkeiten und Museen spielen dennoch eine wichtige Rolle.

Kultur und Brauchtum sind für viele Touristen in Tirol zwar Teil des Urlaubs, aber nicht der Grund für den Besuch.

© www.muehlanger.atKultur und Brauchtum sind für viele Touristen in Tirol zwar Teil des Urlaubs, aber nicht der Grund für den Besuch.



Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Österreich ist international als Kulturland bekannt und deshalb verwundert es auch nicht, dass viele der Gäste den Österreich-Urlaub als Kultururlaub betrachten. Laut einer Erhebung der Österreich Werbung kommen elf Prozent der Österreich-Urlauber als Kultururlauber. Die Statistik wird vor allem von Besuchern der Bundeshauptstadt Wien nach oben getrieben. Tirol, mit rund einem Drittel (knapp 50 Mio.) aller Österreich-Nächtigungen wichtigste heimische Tourismusregion, hinkt dem Österreichschnitt beim Kulturtourismus etwas hinterher.

„Tirol ist als Sportland Nummer eins der Alpen positioniert. Daher stehen Angebote rund um Aktivitäten wie Skifahren und Wandern im Fokus unserer Kommunikation und dominieren auch in der Gunst unserer Gäste“, sagt Tirol-Werbung-Chef Florian Phleps. Andere Bundesländer würden einen stärkeren Fokus auf das Thema Kultur richten. Das zeigen auch die Zahlen der Tirol Werbung: Während im Sommer rund vier Prozent der Tirol-Urlauber ihren Urlaub als Kultururlaub bezeichnen, sind es österreichweit ohne Wien rund sechs Prozent. Am höchsten ist der Anteil der Tiroler Kultur-Urlauber bei Franzosen (22 %), Briten (12 %) und Italienern (11 %). Nur zwei Prozent der Deutschen bezeichnen sich als Kultur-Urlauber. Der Kultur-Urlauber in Tirol gibt mit 176 Euro pro Tag deutlich mehr Geld aus als der durchschnittliche Tirol-Urlauber, der täglich rund 137 Euro verbaucht.

„Das Thema Kultur spielt in den meisten Fällen zwar keine urlaubsentscheidende, aber eine wichtige ergänzende Rolle für den heimischen Tourismus“, ergänzt Phleps. So würden Kultur-Erlebnisse laut Befragungen zu einem Tirol-Urlaub dazugehören. Demnach besucht die Hälfte der Tirol-Urlauber Sehenswürdigkeiten, 39 Prozent genießen typische Speisen und Getränke, 19 Prozent besuchen Brauchtumsveranstaltungen, immerhin 14 bzw. 11 Prozent besuchen Musikveranstaltungen und Museen.

 Dennoch haben sich viele Kulturveranstaltungen vor allem im Sommer auch bei internationalen Gästen profiliert.
Dennoch haben sich viele Kulturveranstaltungen vor allem im Sommer auch bei internationalen Gästen profiliert.
- Hammerle

Laut Phleps punkten vor allem die Tiroler Städte mit ihrer Dichte an historischen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten. Laut einem Besucherzahlenvergleich von 2015 sind die Swarovski Kristallwelten, der Innsbrucker Alpenzoo und die Festung Kufstein die drei meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tirols.

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- Andreas Rottensteiner / TT

Zusätzlich hätten sich international bekannte Veranstaltungen etabliert. „Dazu zählen beispielsweise die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Musik im Riesen, die Klangspuren Schwaz, die Tiroler Festspiele Erl oder Klassik in den Alpen in Kitzbühel“, sagt der Tirol-Werbung-Chef.

Brauchtum wie Almabtriebe finden vor allem französische Gäste (31 %), Briten (25 %) und deutsche Urlauber (21 %) interessant.

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- Thomas Boehm / TT

Im Winter bleibt Kultur hingegen eine Nische. Der Kultur-Urlauber-Anteil liegt in der kalten Jahreszeit nur bei einem Prozent. In den vergangen Jahren hat es aber laut Phleps Initiativen gegeben, das Angebot auch im Winter zu stärken: „Das beginnt bei neuer Infrastruktur wie der Kunsthalle arlberg1800 und geht über Veranstaltungen wie die Winterfestspiele Erl bis zu ,Artists in Residence‘ in unseren Hotels.




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