Letztes Update am So, 09.06.2019 10:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Millionen Touristen rollen an und bleiben 3,6 Tage in Tirol

Mit dem Pfingstwochenende kommt auf Tirol eine erste große Anreisewelle von Gästen zu. 6,1 Millionen waren es letzten Sommer, die pro Tag 137 Euro ausgaben. Die Saison lässt sich gut an.

Innerhalb von zehn Jahren gab es bei den chinesischen Gästen ein Plus von 470 Prozent. Sie machen dennoch nur ein Prozent der Nächtigungen aus.

© Thomas Böhm / TTInnerhalb von zehn Jahren gab es bei den chinesischen Gästen ein Plus von 470 Prozent. Sie machen dennoch nur ein Prozent der Nächtigungen aus.



Von Anita Heubacher

Innsbruck — Die beliebtesten Flecken Tirols bei den Sommergästen sind Innsbruck, Eben am Achensee und Mayrhofen. Während der Sommergast in Innsbruck 1,7 Tage verbringt, sind es in den klassischen Ferienregionen mehr. Im Schnitt bleibt der Sommergast 3,6 Tage in Tirol. „Es gibt einen internationalen Trend, dass Gäste häufiger, aber kürzer Urlaub machen", erklärt der Direktor der Tirol Werbung, Florian Phleps. „Etwas abgefedert wird die rückläufige Aufenthaltsdauer durch die überproportionale Wertschöpfung bei Kurzurlauben." Im Schnitt gibt der Sommergast pro Tag 137 Euro aus.

„Overtourism" noch kein Thema

Noch immer sorgen unsere deutschen Nachbarn für fast jede zweite Nächtigung in Tirol. Es gibt zwar bei den Chinesen enorme Zuwachsraten von 470 Prozent in zehn Jahren. Die chinesischen Gäste haben aber nur einen Anteil von einem Prozent an den insgesamt 21,8 Millionen Nächtigungen im Sommer. Im Winter kommen 6,2 Millionen Gäste, die 4,5 Tage im Schnitt bleiben.

Die Top-5—Sommerdestinationen

Das waren die bei Touristen beliebtesten Flecken Tirols im letzten Sommer:

  • Innsbruck: 580.000 Ankünfte, 985.000 Übernachtungen
  • Eben am Achensee: 171.000 Ankünfte, 687.000 Übernachtungen
  • Mayrhofen: 141.000 Ankünfte, 640.000 Übernachtungen
  • Seefeld: 178.000 Ankünfte, 597.000 Übernachtungen
  • Neustift im Stubaital: 122.000 Ankünfte, 518.000 Übernachtungen

„Wir versuchen, die Aufenthaltsdauer der Gäste zu verlängern", erzählt die Geschäftsführerin des Innsbruck Tourismus, Karin Seiler-Lall. „Jene, die nur auf der Durchfahrt sind, werden beispielsweise durch die Innsbruck Card auf andere Attraktionen im Land aufmerksam gemacht."

Innsbruck Tourismus hat Pakete für die Urlauber zurechtgezimmert. Innsbruck in 24 Stunden, 48 und 72 Stunden. Die Gefahr, zu viele Touristen vor das Goldene Dachl zu locken, sieht Seiler-Lall nicht. „Overtourism ist bei uns noch kein Thema, nicht einmal in Wien, wo es deutlich mehr Nächtigungen gibt, sorgt man sich, überlaufen zu werden." 94 Prozent der Einheimischen hätten in Wien erklärt, mit dem Tourismus in der Bundeshauptstadt zufrieden zu sein. In der Innsbrucker Altstadt würde es sich wohl am ehesten am 8. Dezember und am 15. August spießen. Beide Tage haben magische Anziehungskräfte für Italiener.

Buchungslage

Sommer: Mehr als die Hälfte der Tiroler Touristiker blickt optimistisch in die heurige Sommersaison. Die Buchungslage sei gleich gut wie im letzten Jahr, befinden 53 Prozent der 350 befragten Unternehmer.
18 Prozent rechnen sogar mit einem noch besseren Ergebnis, 17 Prozent mit einem schlechteren.

Kein Ballermann-Tourismus am Achensee

Für die heurige Sommersaison erwarten Tirols Beherbergungsbetriebe zu 52 Prozent ein gleich gutes Ergebnis wie im vergangenen Sommer. 18 Prozent rechnen mit einem besseren, 17 Prozent mit einem schlechteren Ergebnis. Das Hauptgeschäft machen die Tiroler Touristiker im Juli und August. Diese beiden Monate sorgen für 55 Prozent der Übernachtungen. Am liebsten schlafen die Gäste in Tirols Vier- und Fünfsternbetrieben. 63 Prozent buchen hier ein, gefolgt von Ferienwohnungen mit 23 Prozent. Diese Art der Unterkunft hat einen regelrechten Boom in den letzten zehn Jahren erlebt. „Die Übernachtungen dort sind um 66 Prozent gestiegen", sagt Phleps. Um ein Viertel gesunken sind hingegen die Nächtigungen in den Privatquartieren. Die Zahl der Betten dort ist gleich um 43 Prozent zurückgegangen.

Wer uns mag

Gäste: Jede zweite Nächtigung kommt von einem deutschen Gast. Deren Nächtigungszahlen sind in den letzten zehn Jahren um 28 Prozent gestiegen.

72 Prozent unserer 6,1 Millionen Sommergäste kommen wegen der Berge nach Tirol, 71 Prozent schätzen die Landschaft, das Wandern überzeugt 51 Prozent. 42 Prozent halten uns für sehr gastfreundlich.

Hoch im Kurs steht bei den Gästen neben Innsbruck auch der Achensee. Die Gemeinde Achenkirch habe sich gut auf den jährlichen Touristenansturm eingestellt, meint Bürgermeister Karl Moser. Zwar sei die Gemeinde aufgrund der zusätzlichen „Einwohner" gefordert, man halte es aber gut mit den Gästen aus. „Wir haben keinen Ballermann-Tourismus und damit auch keine Belastung für die Einheimischen", sagt Moser. In den letzten Jahren hätte sich so mancher Gast aus Deutschland für immer in Achenkirch niedergelassen. „Viele haben einen Alterssitz bei uns erworben. Junge haben sich angesiedelt und pendeln zum Arbeiten nach Deutschland." Insgesamt halte sich aber der Anteil an „deutschen Achenkirchern" in Grenzen. „Etwa ein Prozent sind Deutsche", meint der Bürgermeister.

Die Deutschen, oft mit wenig charmanten Bezeichnungen von Tiroler Seite her bedacht, halten dem Land die Treue. Die Landschaft schätzen 72 Prozent der befragten Urlauber. Immerhin noch 42 Prozent der Gäste halten Tiroler für sehr gastfreundlich.