Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Standort Tirol

Ein Doppeldecker gegen Geldsorgen

Tirols Jugendliche tun sich schwer mit Geldthemen. Erste und Sparkassen schicken ein rollendes Klassen- zimmer durchs Land, um Wissenslücken zu schließen.

Finanzunterricht im Doppeldeckerbus: Bei FLiP2Go wird Geldwissen mit Computerspielen und digitalen Medien vermittelt.

© pro.mediaFinanzunterricht im Doppeldeckerbus: Bei FLiP2Go wird Geldwissen mit Computerspielen und digitalen Medien vermittelt.



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Was kostet mein Essen? Wie viel Geld brauche ich für die Wohnung und was ist überhaupt eine Aktie? Es sind scheinbar einfache Fragen rund ums Geld, die viele Tiroler Jugendliche vor große Probleme stellen. Vor allem im Umgang mit dem eigenen Budget tun sich viele Junge schwer. Das erzählte Philip List am Montag in Innsbruck. Er leitet bei der Erste Bank die Bildungseinrichtung FLiP, was für Erste Financial Life Park steht. Dort können Schülerinnen und Schüler ihr Finanzwissen testen und verbessern.

Mit einem Doppeldeckerbus namens „FliP2Go“ touren List und sein Team gerade durch Tirol, gestern wurde in Innsbruck Station gemacht. Im Bus erwartet Kinder und Jugendliche eine Art Wissens- parkour mit Computerspielen und digitalen Info-Elementen. Dabei geht es beispielsweise um die Gefahren durch Verschuldung oder den Zusammenhang von Ausbildung und Verdienstmöglichkeiten. Auch wie man im Haushaltsbudget die Kosten für Essen und Wohnen unterbringt, ist ein Thema. Heute und morgen macht der Bus in Imst Station, am 24. Juni parkt er in Wörgl und im Herbst wird er Lienz, Kitzbühel und Schwaz ansteuern.

Ob Inflation, Aktien, Anleihen oder Zinsen – die Wissenslücken seien vor allem beim Thema Finanzmarkt groß, hieß es. Österreichs Jugendliche stehen mit ihrem überschaubaren Finanzwissen übrigens nicht schlechter da als die Teenager in den Nachbarländern, bemerkte List. Nachsatz: „Es ist alles gleich grauslig.“ Einzig in den skandinavischen Ländern sei es um die Finanzbildung etwas besser bestellt als im übrigen Europa.

Hans Unterdorfer, Chef der Tiroler Sparkasse, betonte am Montag den Zusammenhang von Finanzbildung und Gesundheit: „Eine schlechte finanzielle Situation macht krank.“ Da sich das Schuldenmachen vererbe, sei die Finanzbildung der Kinder so entscheidend. Denn wer immer ein Leben auf Pump vorgelebt bekomme, bei dem stelle sich „irgendwann der Wurschtigkeits­effekt ein“, meinte Unterdorfer. Jeder vierte Klient bei den Schuldnerberatungen sei bereits jünger 30 Jahre, ergänzt­e Sparkassen-Obmann Walter Hörtnagl.

Die Sparkassen haben in Tirol rund 16.000 Jugendkonten. Ab 10 Jahren gibt es Taschengeldkonten, ab 14 Jahren Jugendkonten mit Bankomatkarte ohne Überziehungsmöglichkeit. Bei den Konsumkrediten sei die Entwicklung konstant, sagte Unterdorfer, allerdings nehme der Ratenkauf zu. Wie viel Geld die Tour des Busses und das FLiP-Programm kosten, will die Erste nicht kommunizieren.