Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Bezirk Reutte

Raiba Reutte: Auch Banken schreiben rote Zahlen

Wegen der außergewöhnlichen Umstände beim Totalumbau der Raiffeisenbank Reutte weist die Bilanz 2018 ein Achtmillionenminus aus. Bankenchef Wolfgang Hechenberger ist um die Zukunft trotzdem nicht bange.

Die beiden Raiba-Reutte-Vorstände Ludwig Strauß (l.) und Wolfgang Hechenberger (CEO) führen eine strikte Umorganisation durch.

© Raiffeisenbank ReutteDie beiden Raiba-Reutte-Vorstände Ludwig Strauß (l.) und Wolfgang Hechenberger (CEO) führen eine strikte Umorganisation durch.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Vergangene Woche fand im Veranstaltungszentrum Breitenwang die ordentliche Generalversammlung der Raiffeisenbank Reutte statt. Dort informierte die Bankenführung die Eigentümervertreter detailliert über das abgelaufene Geschäftsjahr – ein mehr als außergewöhnliches. Über die Umstände wurde zuvor bereits in den Sprengelversammlungen gesprochen, ohne dass die konkreten Zahlen publik gemacht wurden. CEO Wolfgang Hechenberger erklärt zwar die außergewöhnlichen Umstände und Maßnahmen öffentlich, ist beim Zahlenwerk aber zurückhaltend, da es missverständlich aufgenommen werden könnte. Schlussendlich bestätigt er auf TT-Anfrage aber doch ein Minus von rund acht Millionen Euro, das in der Bilanz 2018 ausgewiesen werden musste. Allein sieben Millionen davon entfallen auf einmalige Sondereffekte: die Abwertungen des Bankhauses in der Schweiz, des Bankhauses Jungholz und der großzügig dotierte Sozialplan. Auch das operative Geschäft verlief nicht ganz friktionsfrei. Während sich der heimische Kreditmarkt gut entwickelte, resultiert eine weitere Million Bilanzverlust aus dem Private-Banking-Geschäft in Jungholz, wo die Strukturen mit den tatsächlichen Erfordernissen nicht mehr übereingestimmt hatten. Der komplette Weggang von Jungholz in die Zentrale Reutte zieht Folgen nach sich. Ein Verkauf der Gebäude in dem kleinen Dorf dürfte eine nicht ganz einfache Aufgabe werden.

Ein Raiffeiseninsider zur Situation: „Hechenberger ist neu, ein Glücksfall, baut um und muss natürlich alles in die Bilanz nehmen, um von Altlasten befreit durchstarten zu können. Acht Millionen klingen nach viel. Aber eine Bank, die über all die Jahre so viele Rücklagen geschaffen hat – und hier ist die Raiba Reutte top in ganz Österreich –, für die ist diese Summe eher als eine Art Knöllchen oder Strafzettel zu sehen. Nicht mehr.“ Die Rücklagen der Raiffeisenbank Reutte liegen noch immer bei 75 Millionen Euro. Die Eigenmittelquote beträgt 20 Prozent – weit mehr als das Vorgeschriebene.

Das neue Vorstandsduo, Wolfgang Hechenberger (CEO) und Ludwig Strauß, präsentierte den Delegierten seine Pläne zum strategischen Totalumbau der Raiffeisenbank. Das einstmals so erfolgreiche Geschäftsmodell mit dem Bankhaus Jungholz im Zentrum funktioniert angesichts stark veränderter Rahmenbedingungen (Fall des Bankgeheimnisses etc.) in dieser Form nicht mehr. EZB-Minuszinspolitik, Bankenregulierung und Digitalisierung seien weitere Herausforderungen für die Bank. Das zusammen habe auch zu außerordentlichen Abwertungen bei Beteiligungen und bei Liegenschaften sowie zu höheren Aufwendungen für einen Sozialplan geführt – der Mitarbeiterstand wird schon länger kontinuierlich reduziert. Aktuell um weitere 38 Personen, was zum größten Teil bereits erfolgt ist. Die Raiba hält nun bei 107 Vollzeitkräften. Ziel ist 99, womit der ehemalige Personalhöchststand (300) gedrittelt wäre.

Nun kommt der totale Paradigmenwechsel: Um die Bank auf den Erfolgsweg zurückzuführen, wird sie vom Vorstand in eine starke Regionalbank mit angegliederter Private-Banking-Sparte in Reutte umorganisiert. Das Wertpapiergeschäft wird daher neu positioniert. Die Rai­ba Reutte will sich aber nicht wieder dort einordnen, wo sie vor dem Jungholz-Höhenflug ihren Platz hatte, sondern gestärkt aus dem Umbau heraus ihre strategischen Geschäftsfelder bearbeiten. Dieser Umbau ist bereits voll im Gange. Ziel sei es, in Service und Beratungsqualität besser und gleichzeitig bei Prozessen deutlich effizienter und schlanker zu werden.

„Wir sind gerade in einer sehr anspruchsvollen Phase und unsere Mitarbeiter sind extrem gefordert und leisten Hervorragendes. Deshalb wird es uns gelingen, nach zwei sehr schwierigen Jahren schon heuer wieder ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen“, schaut Wolfgang Hechenberger positiv in die Zukunft. Und ergänzt: „Natürlich spüren auch manche unserer Kunden Veränderungen, aber am Ende des Prozesses möchten wir die stärkste und beste Bank der Region sein.“

Trotz dieser besonderen Situation will die Raiffeisenbank ihrer regionalen Verantwortung weiter nachkommen. Sie stellt ihren Kunden weiterhin an 13 Standorten ihr Service zur Verfügung und hat auch im Jahr 2018 verschiedenste kulturelle, soziale und sportliche Aktivitäten in den drei Sprengeln ihres Genossenschaftsgebietes mit mehr als 100.000 Euro unterstützt.

Ein Detail: Kein einziger der knapp 50 Delegierten als Vertreter der 2300 Mitglieder stellte unter „Allfälliges“ eine Frage zur Ausnahmebilanz.




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