Letztes Update am Fr, 05.07.2019 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wohnbau

Tiroler Bauboom bremste Neue Heimat ein

Neue Heimat Tirol musste im Vorjahr Projekte wegen Preisschubs zurückstellen. Grundstücksreserven müssen bereits angeknabbert werden.

Für das Wohnprojekt Pradl Ost musste ein Teil der alten Südtiroler Siedlung weichen. Statt 72 Wohnungen sind 145 entstanden.

© Neue HeimatFür das Wohnprojekt Pradl Ost musste ein Teil der alten Südtiroler Siedlung weichen. Statt 72 Wohnungen sind 145 entstanden.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Gemeinnützige Bauträger wie die Neue Heimat Tirol (NHT) erhalten gerade starken Rückenwind. Bundesweit wurde das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) novelliert, in Tirol ist die Reform der Raumordnung, des Grundverkehrs und der Bauordnung stark auf die Gemeinnützigen ausgerichtet. Das soll zum einen Wohnungs-Spekulation eindämmen, zum anderen dafür sogen, dass Gemeinnützige zu Baugrund kommen. „Grundstücke finden wird schwieriger und schwieriger“, beklagten gestern die NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner und Markus Pollo. Zum Teil lägen die Preise beim Drei- bis Vierfachen dessen, was die NHT ausgeben darf. „Ohne bezahlbare Grundstücke steht der gemeinnützige Wohnbau langfristig vor dem Aus. Insbesondere in den Ballungsräumen leben wir ausschließlich von unseren Grundstücksreserven“, erklärten sie. In Innsbruck würden bereits die „Edelreserven“ verbaut. Insgesamt hat die Neue Heimat 120.000 m² Baulandreserven.

Am Montag fiel der Spatenstich für die zweite Baustufe in Pradl Ost mit Bürgermeister Georg Willi, Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf sowie den beiden NHT-Geschäftsführern Hannes Gschwentner (li.) und Markus Pollo (re.).
Am Montag fiel der Spatenstich für die zweite Baustufe in Pradl Ost mit Bürgermeister Georg Willi, Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf sowie den beiden NHT-Geschäftsführern Hannes Gschwentner (li.) und Markus Pollo (re.).
- NHT/Vandory

Den generellen Bauboom habe auch die Neue Heimat im vergangenen Jahr zu spüren bekommen. Es wurden weniger Wohnungen fertig gestellt als im Jahr davor. „Einige Projekte mussten aufgrund der Preissituation am Markt zurückgestellt werden“, so Gschwentner. Aufgrund der guten Konjunktur sei es schwierig, die Kostengrenzen einzuhalten. 2018 hat die NHT knapp 400 neue Wohnungen übergeben, heuer dürften es mehr als 500 werden. Derzeit seien 900 Wohnungen in Bau.

Im Vorjahr nahm die NHT 82,9 Mio. Euro an Mieten ein, nebst weiterer Einkünfte kam die NHT auf 101 Mio. Euro Umsatz. Unterm Strich blieb ein Jahresüberschuss von 21,2 Mio. Euro. Davon verbleibe fast alles in Form von Rücklagen im Unternehmen. Der Wert der Immobilien in den Büchern sei erstmals auf mehr als eine Milliarde Euro geklettert – der reale Wert zu Marktpreisen liege allerdings bei 3 bis 4 Mrd. Euro.

Der Debatte um befristete Mieten können die NHT-Chefs viel abgewinnen. Grundsätzlich sei er für unbefristete Mietverträge, so Gschwentner. Allerdings könne es auch sinnvoll sein, für die ersten Jahre befristet zu vermieten. So könne man rascher reagieren, sollte die Chemie unter den Mietern nicht stimmen. Danach könne man mit unbefristeten Verträgen weiterarbeiten. Denkbar sei auch, Mietverträge an die Lebensdauer einer Immobilie zu koppeln. Damit ließe sich verhindern, dass ein einziger Mieter den Neubau einer alten Immobilie blockieren kann.

Apropos Mieten. Derzeit lägen die Mieten in neuen NHT-Wohnungen bei 8 Euro brutto je Quadratmeter, in ausfinanzierten Wohnungen bei 6 Euro. Mit der WGG-Novelle müssen Gemeinnützige nach der Rückzahlung der Kredite die Mieten nicht mehr absenken, sofern saniert wird. Das betreffe eine „überschaubare“ Zahl der NHT-Mieter, so Gschwentner. Bisher zahlten Mieter in solchen Fällen um bis zu 4 Euro je m² weniger Miete.