Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Standort Tirol

Schwendau bekommt 2021 eine „halbe Talabfahrt“

Die Mayrhofner Bergbahnen wollen 18,2 Mio. € in eine Mittelstation der Horbergbahn und den Teilausbau der Skiroute investieren.

Die Horbergbahn führt von Schwendau ins Skigebiet am Horberg/Penken. Sie soll eine Mittelstation im Bereich „Goldammer“ erhalten. Bis dorthin wird auch die Skiroute durch den Wald zu einer roten Piste ausgebaut.

© DählingDie Horbergbahn führt von Schwendau ins Skigebiet am Horberg/Penken. Sie soll eine Mittelstation im Bereich „Goldammer“ erhalten. Bis dorthin wird auch die Skiroute durch den Wald zu einer roten Piste ausgebaut.



Von Angela Dähling

Mayrhofen, Schwendau – Seit dem Jahr 1993 appelliert die Gemeinde Schwendau, die Mayr­hofner Bergbahnen AG möge bitte die Skiroute vom Horberg zu einer Talabfahrt ausbauen.

Dazu gibt es auch einen einstimmigen Beschluss der Vorstände der Gemeinde Mayrhofen und des Tourismusverbandes Mayrhofen-Hippach aus dem Jahr 2013. Mehr als zwölf Jahre zahlte der TVB die Entschädigungen für die Trasse, um den Ausbau zu ermöglichen. Die Hälfte dieser Kosten übernimmt seit einigen Jahren die Bergbahn. Die Liftgesellschaft gab jedoch immer wieder anderen Projekten den Vorrang.

Jetzt lässt das Unternehmen jedoch mit der Meldung aufhorchen, dass zumindest der obere Teil der Skiroute ausgebaut werden und im Winter 2021/22 eröffnet werden soll. „58 % der Gesamtlänge werden zu einer beschneiten roten Abfahrt ausgebaut“, informiert Bergbahnvorstand Josef Reiter über den Beschluss der Aufsichtsratssitzung vom 4. Juli. Geplant ist dazu der Bau einer Mittelstation der Horbergbahn. 18,2 Millionen Euro sollen investiert werden. Gegen den Gesamtausbau hätten wirtschaftliche Überlegungen geführt: Sechs Millionen Euro würde der Ausbau des unteren Abschnitts laut Reiter kosten, dieser sei aufgrund von Neigungen von bis zu 50 % derzeit eine tiefschwarze Skiroute, die nur ein kleiner Kreis von Skifahrern meistern würde.

Oberste Priorität hätten der Ausbau der Wasserversorgung für eine Beschneiung in Top-Qualität sowie die Schaffung attraktiver Pisten. Daher wurde auch der Bau eines 50.000 m³ Wasser fassenden Speicherteichs unterhalb der Adlerbühne am Ahorn um 6,7 Mio. Euro beschlossen. „Der Speicherteich soll im Sommer kein Badeteich, aber ein schönes Wanderziel werden“, sagt Reiter. Auf den Penken soll zudem Wasser aus dem Sidanbach gepumpt werden.

TVB-Obmann Andreas Hundsbichler ist „froh, dass endlich was passiert bei der Talabfahrt“, und spricht von einem „großen Schritt“. Laut ihm laufen für den unteren Teil Untersuchungen, inwieweit die Piste hier durch Verlegungen ungefährlicher werden soll. Reiter erklärt indes, man habe hier viel Geld und Zeit investiert. Den Berg bekomme man nicht flacher, das Thema werde vorerst ad acta gelegt. „Die Abfahrt dort wäre steiler als die steilsten Stücke der Zeller Abfahrt, viele unterschätzen das“, erklärt er.

Von einer „halben Sache“ spricht der Schwendauer Bürgermeister Franz Hauser. Jedes Skigebiet im Tal habe eine Talabfahrt. „Sie ist wichtig für unsere Region“, ortet er Wettbewerbsnachteile. Zudem sei es eine Sicherheitsfrage. Bis zu 2000 Skifahrer hätten im Winter täglich die ungewalzte Skiroute genutzt. Hauser: „Der Teilausbau ist ein guter Schritt, aber nicht das, was uns der Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Moncher vor drei Jahren versprochen hat.“