Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Tirol

Tiwag baut Wasserstoff-Werk für 20 Millionen Euro

Neue Anlage bei Kufstein soll Wärme, Kälte und Wasserstoff erzeugen. Start frühestens Ende 2022. Land hofft auf 5 Millionen EU-Förderung.

Noch besteht die Anlage am Papier: Ende 2022 soll das Werk samt E-Tankstellen in Kufstein starten und Wärme, Kälte und Wasserstoff erzeugen.

© TiwagNoch besteht die Anlage am Papier: Ende 2022 soll das Werk samt E-Tankstellen in Kufstein starten und Wärme, Kälte und Wasserstoff erzeugen.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Der Landesenergieversorger Tiwag will unweit des Kraftwerks Langkampfen ein Wasserstoffzentrum errichten, gestern stellten Land und Tiwag in Kufstein die Pläne vor. Entstehen soll die so genannte Sektorkopplungsanlage für 20 Millionen Euro auf einem Grundstück der Stadtwerke Kufstein. Mit Hilfe des im Kraftwerk Langkampfen produzierten Stroms sollen demnach via Direktleitung im neuen Werk Wärme für die Stadtwerke Kufstein, Kälte für das Krankenhaus Kufstein sowie Wasserstoff produziert werden. Integriert wird zudem eine Wasserstofftankstelle sowie Schnellladestationen für E-Autos. Nach Planung, Genehmigungsverfahren und Bau rechnet der zuständige Tiwag-Vorstand Johann Herdina mit einem Start Ende 2022. Als Partner mit an Bord sind etwa auch MPreis, die Zillertaler Verkehrsbetriebe, der Inntaler Logistik-Park, Fen-Systems, Asfinag, Lkw-Hersteller MAN, Autobauer Hyundai und der Spediteur Dettendorfer. Die Investionssumme trägt die Tiwag, bis zu 5 Mio. Euro könnten als EU-Förderung fließen.

Ein Kernstück der „Power2X-Anlage“ ist die Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff, der ins Gasnetz der Tigas eingespeist werden soll. Projektleiter Andreas Bauer geht davon aus, dass jährlich 250 bis 300 Tonnen Wasserstoff hergestellt werden können. Mit dieser Menge könnten nach derzeitigem Stand der Technik etwa 75 Wasserstoff-Lkw jeweils 50.000 Kilometer fahren – MAN bastelt gerade an einem Prototypen.

LHStv. Josef Geisler und Tiwag-Vorstandschef Erich Entstrasser sehen das Projekt als Teil der Energiestrategie des Landes bis 2050 bzw. als Teil der Dekarbonisierung. „Elektromobilität ist im Vormarsch und Wasserstoff wird ein wesentlicher Bestandteil sein“, glaubt Entstrasser. Zudem erfülle Wasserstoff die Funktion, überschüssigen Solar- oder Windstrom zu speichern.

LH-Stv. Josef Geisler, die Tiwag-Vorstände Erich Entstrasser (li.) und Johann Herdina (re.) sowie Projektleiter Andreas Burger.
LH-Stv. Josef Geisler, die Tiwag-Vorstände Erich Entstrasser (li.) und Johann Herdina (re.) sowie Projektleiter Andreas Burger.
- Tiwag

Das Warmwasser soll über das Fernwärmenetz gemeinsam mit der – im Vorjahr vom Rechnungshof heftig gescholtenen – Bioenergie Kufstein (gehört Tiwag und Stadtwerken Kufstein) rund 60 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Kufstein abdecken. Das auf 6 Grad gekühlte Wasser dagegen soll zum Bezirkskrankenhaus Kufstein geleitet werden, um dort beispielsweise OP-Säle zu entfeuchten.

Lkw-Bauer MAN will das Wasserstoff-Werk der Tiwag als Teststrecke für einen Wasserstoff-Lkw nutzen, der 2021 als Prototyp auf die Straße kommen soll.