Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Bezirk Kufstein

Knalleffekt bei der Kufgem: Chef und zwei Mitarbeiter dienstfrei gestellt

Der Geschäftsführer und zwei Mitarbeiter der Software-Schmiede der Kufsteiner Stadtwerke wurden dienstfrei gestellt. Die Vorgangsweise ließ in der Stadt die Gerüchteküche brodeln.

Bei den Stadtwerken Kufstein gab es überraschende Personalentscheidungen.

© Stadtwerke KufsteinBei den Stadtwerken Kufstein gab es überraschende Personalentscheidungen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Überraschung für die Mitarbeiter der Stadtwerke-Tochter Kufgem und den Kufsteiner Gemeinderat: Gestern wurden Kufgem-Geschäftsführer Christian Mayer und zwei weitere Mitarbeiter dienstfrei gestellt. Die Vorgangsweise ließ in der Stadt die Gerüchteküche brodeln. „Das war kein feindlicher Akt, es hat auch keine Probleme gegeben“, stellt Bürgermeister Martin Krumschnabel dazu klar. Der Hintergrund sei, dass der Geschäftsführer seine eigene Firma gründen möchte. Daher habe man sich auf diesen Schritt geeinigt, sagt der Stadtchef. Nichts Ungewöhnliches also. Aber eben überraschend. Auch für Krumschnabel, weil der bisherige Geschäftsführer einen derartigen Top-Job sausen lässt, jedoch auch für Christian Mayer, dessen Vertrag eigentlich noch bis Ende März 2020 läuft.

„Ich wollte noch einen reibungslosen Übergang gewährleisten“, sagt Christian Mayer gegenüber der TT. Zur ordnungsgemäßen Übergabe kommt es aber nicht mehr. Der Aufsichtsrat habe sich darauf geeinigt, sich mit Ende Juli von Mayer zu verabschieden. Ebenso wurden zwei weitere Mitarbeiter, die mit Mayer im neuen Unternehmen arbeiten wollen, dienstfrei gestellt.

„Wir wollten einen klaren Schnitt, um keine Verunsicherung bei den Mitarbeitern zu erzeugen. Die gibt es oft, wenn sich so etwas zu lange hinzieht“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Obholzer. Zudem „wollte sich der bisherige Geschäftsführer in einem neuen Bereich rascher entwickeln“, spricht Obholzer die neue Firma an. „Aber“, so Mayer, „es wird kein Konkurrenzunternehmen zur Kufgem werden.“ Ganz im Gegenteil: Er hoffe auf eine Partnerschaft mit seinem bisherigen Brötchengeber. An dieser neuen Firma wird auch Franz Mayer, Vater von Christian, FH-Stiftungsrat, ehemaliger Stadtwerkedirektor und „Vater“ der Kufgem beteiligt sein, wie dieser gegenüber der TT bestätigt. „Aber nur beratend“, schränkt Franz Mayer ein.

Der heute 43 Jahre alte Christian Mayer übernahm vor knapp fünf Jahren die Kufgem, die spezielle Software für Gemeinden und Unternehmen entwickelt. Die Stadtwerke-Tochter hat knapp 100 Angestellte und behauptet sich überaus erfolgreich auf dem Markt. Vorübergehend wird nun Wolfgang Gschwentner, der bereits die kaufmännische Geschäftsführung der Stadtwerke innehat, die Kufgem leiten. „Wir werden die Position neu ausschreiben“, sagt BM Krumschnabel. Das will Obholzer noch nicht bestätigen. „Wir lassen uns das noch offen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende. Es könne sein, dass man länger in dieser Konstellation bleibe, so wie früher. Und da habe sich die Doppelfunktion bewährt.




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