Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Bezirk Reutte

Trotz vieler Hitzetagen keine Badrekorde im Bezirk Reutte

Das Ergebnis des Vorjahres konnte in keinem der Freibäder des Bezirks erreicht werden. Trotzdem herrscht bei den Betreibern Zufriedenheit. Die meisten rechnen nur mit einem kleinen Minus.

Obwohl in die Jahre gekommen, hat das Schwimmbad von Weißenbach bei den Stammgästen einen hohen Stellenwert.

© Nikolussi HansObwohl in die Jahre gekommen, hat das Schwimmbad von Weißenbach bei den Stammgästen einen hohen Stellenwert.



Von Hans Nikolussi

Außerfern – Wenn Meteorologen den Sommer 2019 als einen der heißesten der Messgeschichte bezeichnen, wird ihnen die Bevölkerung wohl beipflichten. Mancher erinnert sich noch – nicht immer begeistert – an die schweißtreibenden Tage. Es sind noch ein paar Wochen bis zum Ende des meteorologischen Sommers, aber schon jetzt steht für „Wetterkundler“ fest: Wir erleben einen der heißesten Sommer der 253-jährigen Messgeschichte in Österreich. Ein Platz unter den Top 5 sei „ziemlich sicher“, sagen Fachleute von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). 

Aber auch Schlechtwettertage waren gar nicht so selten und damit auch Temperaturstürze vorprogrammiert. Die Bedingungen wechselten rasch. Als „durchwachsen und von einem Auf und Ab der Temperaturen geprägt“ bezeichnen Fachleute den heurigen Sommer. Die TT wollte wissen, ob sich dieses „Auf und Ab“ auch auf die Auslastung der Freibäder im Bezirk auswirkte und wie die Saison bisher gelaufen ist. 

Die Wasserwelt am Ufer des Haldensees sorgt für Erfrischung.
Die Wasserwelt am Ufer des Haldensees sorgt für Erfrischung.
- Nikolussi Hans

Durchwachsen sei die Saison gewesen, meint BM Gottfried Ginther aus Vorderhornbach. Im gemeindeeigenen „Badino“ sei nach längeren Schönwetterperioden der Andrang schon gewaltig gestiegen. Vor allem die Gäste des nahe liegenden Campingplatzes hätten das Naturbad gerne frequentiert. Auch die Einheimischen seien gerne gekommen, Urlaubsgäste aus dem Tal aber weniger. Der Rekordbesuch des letzten Jahres konnte aber nicht erreicht werden, stellt der trotzdem zufriedene Bürgermeister fest. Die Hitze und Trockenheit habe die Verantwortlichen ganz schön gefordert. Den Rasen grün zu halten, sei sehr schwierig gewesen.

Zuständig für die idyllisch am Ufer des Haldensees gelegene „Wasserwelt“ ist Harald Pfauth, gebürtiger Hamburger, diplomierter Maschinenbauingenieur und Pensionist, der nun im „Unruhestand“ der Herr über die Anlage im Wäldchen am See ist. Der 70-jährige „Neo-Tiroler“ hat sich noch im fortgeschrittenen Alter der Ausbildung zum Bademeister unterzogen. „An den guten heißen Tagen läuft’s naturgemäß gewaltig. Es kommen auch schon mal Gäste aus der weiteren Umgebung wie Augsburg oder Kaufbeuren zu uns. Da geht es dann schon rund. Da bin ich froh, dass mich mein kleines Team tatkräftig unterstützt.“

Viel frequentiert von Einheimischen, auch aus dem Talkessel von Reutte, ist das Freischwimmbad von Weißenbach. Man nutzt zum Beispiel eine kleine Radtour, um sich dort zu erfrischen. Über die laufende Saison meint die Kiosk-Pächterin Ricarda Langhans: „In meinem zweiten Jahr hier habe ich kaum Vergleichsmöglichkeiten. An den Supersommer des letzten Jahres kann man auf keinen Fall herankommen. Der Juni war noch sehr gut, dann kamen auch viele Schlechtwettertage, die für Einbrüche sorgten. Im Großen und Ganzen aber bin ich trotzdem zufrieden“, meint sie und stellt fest, dass das Weißenbacher Freibad doch eher in einheimischer Hand ist.

Von Rekordtagen wie im vergangenen Jahr weiß Viktor Larcher vom Panoramabad Lermoos nicht mehr zu berichten. Der Bademeister der Anlage, die von Gemeinde und Tourismus betrieben wird: „Die 1000er-Marke bei den Eintritten, die wir im letzten Jahr erreichten, war nicht mehr zu knacken.“ Im Juli kämen die Gäste vorzugsweise aus Deutschland. Im Moment seien die Niederländer in der Überzahl, meint er. Über seine „Frühschwimmer“ – Einheimische, die sich am Morgen ins kühle Badewasser schmeißen – freut er sich besonders. Er spricht trotzdem schon jetzt von einer positiv verlaufenen Saison.

Der Geschäftsführer des Bärenbades Berwang, Armin Sprenger, spricht von einer „heiß-kalten Saison“ und meint: „Ein Schwimmbad auf einer Seehöhe von 1300 m zu betreiben, ist gar nicht so einfach. Durch unsere Solaranlage ist es aber möglich, die Wassertemperatur konstant auf 26 Grad zu halten.“ Dadurch sei es gelungen, befriedigende Besucherzahlen zu erreichen. Es sei ganz gut gelaufen, stellt Sprenger erfreut fest.

Unterhalb der Kirche, direkt am Lech gelegen, findet die Anlage von Häselgehr durchaus Anklang bei Gästen und Einheimischen. Mit Fernwärme wird das Bad vom gegenüberliegenden Sägewerk Selb mit Energie versorgt. Hauptwärmelieferant ist allerdings die Solaranlage am Dach des Schwimmbadgebäudes. „Heuer war es wirklich ‚heiß-kalt‘.“ Trotzdem dürfe man nicht jammern. Für das Wetter sei ja niemand verantwortlich zu machen. „Wir sind also nicht unzufrieden. Der Großteil unserer Besucher sind Leute aus dem Ort und dem mittleren Lechtal. Der Lech-Weg bringt uns zunehmend weitere Gäste“, weiß Bürgermeister Harald Friedle über den gemeindeeigenen Betrieb zu berichten. Nun komme aber die Zeit, in der die Leute lieber in den Bergen und auf den Almen unterwegs seien. „Unsere Stammgäste werden uns aber auch dann die Treue halten. Wir rechnen heuer mit einem kleinen Minus.“