Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Bezirk Kufstein

AMS Kufstein berät jetzt „mit mehr Privatsphäre“

Der erste Teil der umfangreichen Umbauarbeiten des Kufsteiner Arbeitsmarktservice ist vollendet. Aus einer Turnhalle wurden Einzelbüros.

Helle, freundliche Räume und mehr Privatsphäre: Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger, Abteilungsleiterin Michaela Zaglacher und Architekt Michael Schafferer (v. l.) sind mit dem Ergebnis des ersten Bauabschnitts im Keller des Gebäudes zufrieden.

© HrdinaHelle, freundliche Räume und mehr Privatsphäre: Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger, Abteilungsleiterin Michaela Zaglacher und Architekt Michael Schafferer (v. l.) sind mit dem Ergebnis des ersten Bauabschnitts im Keller des Gebäudes zufrieden.



Von Jasmine Hrdina und Matthias Ellinger

Kufstein — Die Hälfte ist geschafft. Seit Mitte Juli können die 43 Mitarbeiter des Kufsteiner Arbeitsmarktservice in den neuen Räumlichkeiten im Untergeschoß ihrer Tätigkeit nachkommen. In knapp sechsmonatiger Bauzeit wurde aus dem ehemaligen Turnsaal zur „körperlichen Ertüchtigung von Zollbeamten" 13 helle Einzelbüros und ein Multifunktionssaal auf 408 Quadratmetern. „Die Kunden sind zwar noch etwas verwirrt, dass sie jetzt ins Untergeschoß gehen müssen, aber sie nehmen es sehr gut an", freut sich Abteilungsleiterin Michaela Zaglacher.

Ein Umbau der 1983 erbauten Räumlichkeiten sei längst überfällig gewesen, wie Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger erklärt. Damals waren bei der Kufsteiner Außenstelle 20 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Thematik Arbeitslosigkeit hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. In den ehemaligen Doppelbüros konnte man keine Beratung mehr durchführen, wie sie sein sollte. Weder Diskretion noch Datenschutz waren gewährleistet."

„Aus einem dunklen Turnsaal im Keller helle, der Arbeitsstättenverordnung entsprechende Büros zu machen, war eine große Herausforderung", schildert Architekt Michael Schafferer.

Während der Betrieb in den neuen Bereichen in vollem Gange ist, läuft im Parterre die zweite Umbauphase an. Diese betrifft in erster Linie die Erneuerung sämtlicher Leitungen und Teilung der Doppelbüros in kleinere Räume. „Es wurden bereits fünf Kilometer EDV-Kabel verlegt, und das ist erst die Hälfte", sagt Exenberger. Damit schreitet auch die Digitalisierung am AMS voran. Künftig will man vermehrt auf Online-Konten (E-Akten) setzen.

Die Kosten für die gesamte „Anpassungen des Angebots auf jetzige Anforderungen" wollte man medial noch nicht verkünden, Träger sei mit der BundesImmobilienGesellschaft (BIG) der Eigentümer der Liegenschaft im Kufsteiner Zentrum. Inklusive Inventar und neuer EDV-Technik investiert das AMS dabei rund 200.000 Euro. Mitte September soll der Umbau vollständig abgeschlossen sein.

Pro Jahr bearbeiten die Mitarbeiter des Kufsteiner Arbeitsmarktservice mehr als 12.000 Anträge auf Arbeitslosengeld und zählen dabei mehr als 35.000 Kundenkontakte.

Am Gipfel der Beschäftigung

Langsam macht sich am Arbeitsmarkt eine Trendumkehr bemerkbar: Nach Monaten des Rückgangs der Arbeitslosenzahlen weist der Juli im Bezirk Kufstein erstmals wieder eine Zunahme im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr auf. So sind aktuell 1889 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Kufstein vorgemerkt, 274 von ihnen sind Langzeitarbeitslose (also schon länger als ein Jahr auf der Suche nach einer Anstellung). Im Vorjahr waren dies um 6,3 Prozent weniger. „Wir sind nun am Gipfel der Beschäftigungslage angelangt, daher ist es normal, dass die Zahlen nun wieder etwas zunehmen", erklärt Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger. Aktuell liegt die Quote allerdings bei 3,8 Prozent, im Jahresschnitt 2018 lag sie mit 4,6 Prozent deutlich höher.

Auch die hohe Dynamik relativiert die aktuelle Zunahme: Im Juli nahmen 715 beim AMS gemeldete Personen im Bezirk wieder eine Arbeit auf, 858 meldeten sich neu als arbeitssuchend. 2018 verzeichnete man 12.000 Zugänge bei 48.000 Beschäftigten. „Jeder vierte war also im Schnitt 2018 einmal arbeitssuchend", so Exenberger. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 31,5 Mio. Euro an Arbeitslosenversicherung ausbezahlt. Im Schnitt wurden die Kunden 68 Tage vom AMS betreut. Für aktive Arbeitsmarktpolitik — also Schulungen, Prämien für Firmen und Bildungsoffensiven — standen der Bezirksstelle 7,16 Mio. Euro zur Verfügung. (jazz)