Letztes Update am So, 11.08.2019 07:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaft im Gespräch

Autoland-Chef sieht Revolution auf Mobilität zukommen

Autoland-Chef Patrick Pfurtscheller glaubt, dass durch die Vernetzung von Fahrzeugen und ihrer User eine effizientere Mobilität entsteht.

Autoland-Eigentümer Patrick Pfurtscheller glaubt, dass es weniger Autohändler geben wird.

© Foto TT/Rudy De MoorAutoland-Eigentümer Patrick Pfurtscheller glaubt, dass es weniger Autohändler geben wird.



Die Autobranche befindet sich im Wandel. Die Reise geht Richtung abgasfreie Motoren. Wie sehen Sie diese Entwicklung als Autohändler?

Patrick Pfurtscheller: Die Entwicklung geht weg vom Verbrennungsmotor mit Benzin und Diesel. Die Elektromobilität ist jedoch erst am Beginn ihrer Entwicklung und die Infrastruktur völlig unterentwickelt. Die Speicherkapazität der Akkus stellt eine der größten Herausforderungen dar. Derzeit werden weltweit jährlich über 94 Millionen Fahrzeuge produziert. Experten glauben, dass es nicht möglich ist, eine so große Zahl an elektrogetriebenen Fahrzeugen herzustellen. Ich gehe davon aus, dass durch die Vernetzung der Fahrzeuge – Stichwort selbstfahrende Autos – eine ganz andere Entwicklung eingeleitet wird: Das Auto wird teilbar.

Welche etwaigen Folgen wird das haben?

Pfurtscheller: Jedenfalls weitreichende. Von den weltweit 1,1 Milliarden zugelassenen Fahrzeugen werden derzeit nur ca. 20 Prozent zeitgleich fahren. Der Rest steht und verbraucht räumliche Ressourcen. Wenn man sich diese Zahlen anschaut, sieht man, welche Möglichkeiten eine bessere Vernetzung der Fahrzeuge und Ihrer User in Kombination mit dem autonomen Fahren bringen würde: Man könnte die Effizienz der Automobilnutzung erhöhen. Die Konsumenten würden sich dadurch Kosten ersparen, die Zulassungszahlen würden radikal sinken. Das ist der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen Klimawandel und überschießenden Ressourcenverbrauch. Der Mensch muss dabei keinen Verzicht üben. Er muss lediglich umdenken: Ein „Meins“ beim Auto wird es dann nicht mehr geben, man wird Autos gemeinsam nützen. Eine erste Stufe dieser neuen Möglichkeit bietet der Fahrdienstanbieter Uber.

Wann könnte die Vernetzung denn Realität sein?

Pfurtscheller: Ich glaube, in maximal zehn Jahren werden wir beim autonomen Fahren so weit sein. Die Elektromobilität wird meiner Meinung nach nur eine Brückentechnologie sein, vielmehr wird Wasserstoff bei den alternativen Antriebsarten ein großes Thema werden.

Was bedeuten die radikal sinkenden Zulassungszahlen für den Autohandel?

Pfurtscheller: In den vergangenen 10 bis 15 Jahren wurden die Autohändler immer weniger. Diese Ausdünnung der Vertriebsnetze wird sich beschleunigen.

Wie hat sich das Autoland mit seinen beiden Standorten in Innsbruck und Schwaz entwickelt?

Pfurtscheller: Weit über unseren Erwartungen. Seit meiner Übernahme steigerten wir den Umsatz um 375 Prozent auf 13,5 Millionen Euro. Die Markenzusammensetzung, die wir jetzt haben, wollen wir beibehalten. Wir vertreiben und warten die Marken Peugeot, Citroën, Mercedes, Subaru, Kia, SsangYong und bald wieder Chevrolet. Bei Kia hatten wir in den vergangenen zwei Jahren mit Problemen zu kämpfen, unter anderem mit Billigimporten. Darauf haben wir reagiert. Wir importieren Kia nun selbst und können damit bessere Preise anbieten. Ein großer Vorteil für unsere Kunden.

Wie soll sich das Autoland weiterentwickeln?

Pfurtscheller: Wir wollen die hohen Zufriedenheitswerte unserer Kunden und unsere starke Marktposition jedenfalls halten. Für die Marke Ssang-Yong bauen wir vorerst in Tirol ein Vertriebspartnernetz auf. Strategische Partnerschaften sind ebenfalls geplant.

Das Gespräch führte Frank Tschoner