Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Bezirk Imst

Wein aus Tirol ist ein “ein begehrtes Nischenrprodukt“

Neun der 68 Mitglieder des Tiroler Weinbauverbandes unter Präsident Peter Zoller stellen Qualitätswein mit Prüfnummern her. Bei den Haiminger Markttagen wird Zoller nur glasweise ausschenken können.

Peter Zoller in einer seiner Weinlagen bei der Arbeit (l.), die Qualität verdankt er auch dem Tschirgant, der wie ein Ofen wirkt.

© PaschingerPeter Zoller in einer seiner Weinlagen bei der Arbeit (l.), die Qualität verdankt er auch dem Tschirgant, der wie ein Ofen wirkt.



Von Alexander Paschinger

Haiming – Heute Donnerstag und am Samstag wird gelesen – Wein gelesen, sprich geerntet. „Heuer gibt es eine durchschnittliche Menge, aber in guter Qualität“, erklärt der Haiminger Peter Zoller, der Präsident des Tiroler Weinbauverbandes. Die gut zwölf Hektar Weinanbauflächen in Tirol „sind eigentlich sehr wenig – das hat ein mittlerer Betrieb in Niederösterreich alleine“, sagt Zoller. „Aber bei uns ist viel Spaß und Herzblut dabei.“ Und weil man „ein begehrtes Nischenprodukt“ und das auch nicht in Massen herstelle, „sind unsere Preise durchaus gehoben“.

Hervorgegangen aus dem Tarrenzer Weinbauverein wurde 2011 der Tiroler Weinbauverband mit damals elf Mitgliedern gegründet. Inzwischen zählt Zoller 68 Winzer und „neun stellen einen Qualitätswein mit Prüfnummer her“. Er selbst beliefert mit seiner Partnerin Elisabeth Saumwald Häuser im 4- und 5-Sterne-Bereich. Seine Kollegen Alexandra und Georg Flür führen ihren Weinbaubetrieb in Tarrenz sogar im Voll­erwerb. „Wir bieten ebenfalls Weinverkostungen mit regionaler Jause an“, sagt Zoller. 4500 bis 5000 Flaschen Wein stellen Zoller-Saumwald her, „das meiste ist bis in den Herbst hinein verkauft“. Deshalb wird er bei den Haiminger Markttagen auch keine Flaschen feilbieten, sondern glasweise ausschenken.

Peter Zoller (Winzer): „Ich habe zehn Jahre lang nach den richtigen Reben für uns gesucht und 1000 Stöcke wieder ausgerissen.“
Peter Zoller (Winzer): „Ich habe zehn Jahre lang nach den richtigen Reben für uns gesucht und 1000 Stöcke wieder ausgerissen.“
- Paschinger

Natürlich profitiert der Wein-Boom vom allgemeinen Klimawandel. „Er kommt uns zugute, aber es ist wichtig, dass man begreift, was sich da abspielt“, bereitet die allgemeine Lage dem Winzer doch Kummer. Ebenso wie die Tiwag-Pläne für das Kraftwerk Imst-Haiming: Die Folgen des Druckstollens (Tschirgant-Wasser) und des geplanten Ausgleichsbeckens (Veränderung des Mikroklimas) seien nicht abschätzbar. Hier teilt er die Befürchtungen mit den Haiminger Apfelbauern.

Zoller selbst hatte im Jahr 2000 die ersten Versuche gestartet: 100 Stöcke ums Haus brachten 14 Liter Chardonnay. Der sei zwar „ein recht schlanker“ Wein gewesen, aber das erste Ergebnis bereitete „wahnsinnige Freude“. Es folgte eine Versuchsfläche um herauszufinden, welche Rebsorten denn besonders gedeihen. Zehn Jahre dauerten seine Erprobungen, gut 1000 Stöcke hat er wieder ausgerissen. Aber dafür weiß er jetzt, welche Sorten er hier in Haiming anbauen kann: An weißen Reben hat er Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Blanc, bei den Rotweinen setzen sich Pinot Noir, Zweigelt und Merlot durch. „Unsere Lagen sind für Burgunderweine geeignet“, sagt Zoller. Dazu kommen die klimatischen Verhältnisse in Haiming: „Der Tschirgant wirkt als Ofen“, was auch für den Apfelanbau entscheidend sei. Dazu kommen eine inzwischen recht frühe Blüte, hoher Zuckergehalt, eine um drei Wochen längere Vegetationszeit und die Tag-Nacht-Temperaturunterschiede sorgen für ein Aroma und kräftige Weine, „um die uns schon manche beneiden“.

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