Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Bezirk Reutte

Klassentreffen nach 60 Jahren: Als Plansee Maturanten „produzierte“

1959 haben elf Gymnasiasten ihre Matura bei Plansee abgelegt. Der Weg zur Reifeprüfung war abenteuerlich.

Vor 60 Jahren legten sie erfolgreich ihre Reifeprüfung im Walter-Schwarzkopf-Saal ab.

© Immler, Keller, Plansee GroupVor 60 Jahren legten sie erfolgreich ihre Reifeprüfung im Walter-Schwarzkopf-Saal ab.



Breitenwang, Reutte – Am 18. und 19. Juni 1959 war es so weit: Nach einer abwechslungsreichen Gymnasialzeit in drei unterschiedlichen „Schulhäusern“ haben elf Schüler im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes der Plansee Group in Breitenwang ihre mündlichen Prüfungen mit Erfolg abgelegt.

Jetzt – 60 Jahre später – besuchten neun von ihnen jenen Ort wieder, an dem sie den größten Teil ihrer Gymnasialzeit verbracht hatten. Den großen Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude gibt es zwar nach wie vor, doch die „Baracke“ mitten im Werksgelände, die Raum für die Klassenzimmer bot, ist schon seit vielen Jahren abgerissen. Auch das legendäre Schwimmbad auf dem Firmengelände, in dem der Schwimmunterricht stattgefunden hat, gibt es schon lange nicht mehr. Wo die Gymnasiasten in den 50er-Jahren über ihren Schulbüchern gesessen hatten, wurden später Bauteile für die Medizintechnik gefertigt. Doch auch dieses Kapitel ist Geschichte – derzeit entsteht auf der Fläche ein hochautomatisiertes Zuschnittzentrum für Bleche aus Molybdän und Wolfram.

Früher befand sich mitten auf dem Firmengelände ein Schwimmbad.
Früher befand sich mitten auf dem Firmengelände ein Schwimmbad.
- Immler, Keller, Plansee Group

Der gebürtige Reuttener, Wilfried Keller, Jahrgang 1941 erinnert sich noch genau an den abenteuerlichen Schulstart: 1952 wurde er im lang ersehnten Privatrealgymnasium eingeschult, das auf Initiative des Metallwerkes Plansee, der Reuttener Textilwerke, anderer Sponsoren und durch die Bereitschaft der Eltern, ein monatliches Schulgeld zu zahlen, ins Leben gerufen wurde. Der Unterricht für die 27 Schüler fand in den ersten Monaten im ehemaligen Hotel Tirolerhof statt. Für zwei Klassen wurde der Leseraum des Hotels abgeteilt. Der Unterricht für die Maturaklasse 1959 fand an einem großen Tisch in einem Hotelzimmer im ersten Stock statt.

Später war das Gymnasium für zwei Jahre in der gerade erst neu gebauten landwirtschaftlichen Schule in Breitenwang untergebracht. Diese nahm im Jahr 1954 jedoch selbst den Vollbetrieb auf, sodass für die inzwischen 68 Schüler des Realgymnasiums kein Platz mehr war.

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Jetzt trafen sich neun der damals elf Schüler bei Plansee wieder, um in Erinnerungen zu schwelgen.
Jetzt trafen sich neun der damals elf Schüler bei Plansee wieder, um in Erinnerungen zu schwelgen.
- Immler, Keller, Plansee Group

Doch die Schule überlebt – nicht zuletzt durch finanzielle Unterstützung durch Paul Schwarzkopf. Auch bei der Suche nach einem neuen Standort erweist sich das Metallwerk Plansee als Helfer in der Not. Am Betriebsgelände wird das neu errichtete Verwaltungsgebäude seiner Bestimmung übergeben und so kann die leerstehende ehemalige Verwaltungsbaracke in der Archbachsiedlung der Schule als Quartier dienen.

Dort folgten dann Wilfried Keller und seine Schulkollegen in den kommenden sechs Jahren dem Unterricht.

Zu den Lehrern gehörten auch Mitarbeiter von Plansee. Keller erinnert sich zum Beispiel noch an Ernst Gartner (Zeichnen und Werken), Wilhelm Aschenbrenner (Chemie) und Karl Ostrcil (geometrisches Zeichnen).

Und noch eines ist Keller in guter Erinnerung geblieben: Als sich die elf erfolgreichen Maturanten bei Paul Schwarzkopf verabschiedet haben, zückte dieser seine Brieftasche und drückte ihnen einen Zuschuss für die Maturareise nach Lazise am Gardasee in die Hand.

In den Jahren 1965–1967 erfolgte schließlich der Bau des Gymnasiums am aktuellen Schulstandort. Am 11. September 1967 wurde der Unterricht in den neuen Räumen mit 15 Klassen und 267 Schülern gestartet. (TT, fasi)