Letztes Update am Sa, 19.10.2019 08:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Kitzbühel

Ein weißes Band im Grünen: Kritik an Kitzbüheler Ski-Opening

Am Samstag startet zum fünften Mal die Skisaison der Kitzbüheler Bergbahnen schon im Oktober. Während die Betreiber einen wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen sehen, kommt Kritik von den Grünen und dem WWF.

Für die erste Piste des Herbstes wurde der Schnee aus dem vergangenen Winter konserviert und nun verteilt.

© WWF/Anton VorauerFür die erste Piste des Herbstes wurde der Schnee aus dem vergangenen Winter konserviert und nun verteilt.



Von Harald Angerer

Kitzbühel, Mittersill — Sie gehört zum Winterstart in Kitzbühel dazu, die alljährliche Pressekonferenz in München und damit in einem Kernmarkt. Ebenfalls zum Saisonstart gehört inzwischen auch schon die Kritik, die es alljährlich für die Kitzbüheler Bergbahn wegen ihres frühen Saisonstarts hagelt. Bereits heute geht es am Resterkogel los, als erstes Nichtgletscher-Skigebiet, wie auch bei der Pressekonferenz betont wird. Möglich wird das Ganze durch ein riesiges Schneedepot.

„Bei gut 20 Grad muss man sich schon mal um die Skipiste kümmern! In Zeiten einer Klimakrise könnte man damit auch einen Imageschaden erfahren", heißt es etwa auf der Facebookseite der Grünen in Mittersill, der Resterkogel befindet sich nämlich schon auf Salzburger Seite.

Das rund 800 Meter lange Schneeband auf der Resterhöhe sorgt wieder für Diskussionen.
Das rund 800 Meter lange Schneeband auf der Resterhöhe sorgt wieder für Diskussionen.
- WWF/Anton Vorauer

„Wenn du dort mit der kurzen Hose stehst, neben dir Wanderer vorbeigehen und du dieses aufgehäufte weiße Elend siehst, das zu einem Pistenschlauch zusammengekratzt wurde, dann ist die Piefke-Saga in die Realität umgesetzt. Das ist Skitourismus mit der Brechstange, wie ihn Tirol weder braucht noch nötig hat", kritisieren der Tourismussprecher der Grünen Georg Kaltschmid und Grünen-Klubobmann Gebi Mair.

Die Klimakrise erfordere ein Umdenken im Wintertourismus, sagt der WWF Österreich und plädiert für eine Trendwende hin zu natur- und ressourcenschonendem Tourismus und Erhalt der letzten alpinen Freiräume.

Von Seiten der Bergbahn kann man die neuerliche Kritik nicht nachvollziehen. „Die Grundlage für die Schneedeponierung beruht auf der naturschutzrechtlichen Bewilligung, die an die Erfüllung bestimmter Auflagen gebunden ist und für 15 Jahre erteilt wurde. Das Verfahren wurde von der Naturschutzbehörde unter Einbindung der Landesumweltanwaltschaft, des Referates für Naturschutzgrundlagen und der Grundeigentümer durchgeführt", sagt Josef Burger, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn Kitzbühel. Eine Auflage ist zum Beispiel, dass der Schnee nicht vor dem 11. Oktober ausgebracht werden darf. „Daran haben wir uns natürlich gehalten", betont Burger.

Auch musste ein 30.000 Quadratmeter großes Hochmoor als Ausgleichsfläche erhalten werden. Weiters werde die Deponierung jedes Jahr verbessert. Heuer sind laut Burger lediglich 13 Prozent des Schnees abgeschmolzen, so wenig wie noch nie. Damit ist die 700 Meter lange und 60 Meter breite Pistenfläche mit einer Schneeauflage von 80 Zentimeter abgesichert. Das Interesse an dem frühen Start in die Trainingssaison sei enorm.

„Ich würde mir wünschen, dass mehr Sachlichkeit in dieser Diskussion Einzug halten würde. Denn sachlich kann ich die Kritik nicht verstehen", sagt der Bergbahnchef, er räumt aber ein: „Dass man über ein weißes Schneeband auf grünem Hintergrund diskutieren kann, ist hingegen verständlich, das kann man aber auch im Dezember."

Neue Fleckalmbahn

Eine Lanze für das Snowfarming bricht DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier: „Wir schaffen beim DSV durch den frühen Start in Kitzbühel deutlich kürzere Wege zum Training. Auch das ist Nachhaltigkeit."

Im Fokus stand bei der Pressekonferenz aber nicht nur der Saisonstart, sondern auch das neue Schmuckstück der Bergbahn Kitzbühel, die neue Fleckalmbahn. Die bisherige Anlage wurde nach 35 Jahren abgerissen und derzeit entsteht eine moderne 10er- Gondelbahn. Insgesamt investiert die Bergbahn Kitzbühel im laufenden Geschäftsjahr 33 Millionen Euro. Das ist nicht nur das historisch höchste Investitionsvolumen in einem Jahr, mit der Erneuerung der Fleckalmbahn wird zudem die größte Einzelinvestition mit mehr als 27,5 Millionen Euro getätigt. „Die Bergbahn AG Kitzbühel war noch nie so gut aufgestellt wie heute", ist Burger überzeugt.