Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Innsbruck

Gesamtkonzept für “überlaufene“ Nordkette gefordert

Die Nordkette ist oft überlastet, der Nordkettenbahnen-Chef ortet zu viele Player. Das Forstamt will nun die Interessenkonflikte lösen.

Was für New York das Empire State Building, ist für Innsbruck die Nordkette, sagt TVB-Chefin Seiler-Lall.

© Michael KristenWas für New York das Empire State Building, ist für Innsbruck die Nordkette, sagt TVB-Chefin Seiler-Lall.



Von Denise Daum

Innsbruck – Nein, der Eindruck täuscht nicht. Al­buin Neuner vom Innsbrucker Forstamt bestätigt, dass die Nordkette überlaufen ist und sich dort zu viel abspielt. Das bemängelt auch Nordkettenbahnen-Geschäftsführer Thomas Schroll. Er sei als privater Betreiber in einem Spannungsfeld. „Die Nordkette wird total zugepropft. Hier soll alles passieren: Downhillen, Biken, Wandern, Touristenattraktion, Erholungsgebiet für Einheimische. Da liegt es auf der Hand, dass Interessenkonflikte entstehen.“ Schroll fordert ein Gesamtkonzept für den Berg ein. Wohin die Reise gehen soll, müsse aber die Stadt entscheiden. „Wichtig wäre, dass sich alle Player einmal zusammensetzen“, betont Schroll und ergänzt, dass sich die Nordkettenbahnen gern einbringen – „wenn wir gefragt werden“. In den Bau der Downhill Trails der Stadt Innsbruck sei er beispielsweise gar nicht eingebunden gewesen.

Albuin Neuner erklärt, dass das Forstamt ohnedies Derartiges plant und Mitte nächsten Jahres alle Nutzer der Nordkette an einen Tisch holen will. Bis dahin soll eine seit Monaten in Arbeit befindliche Übersichtskarte fertig sein. Derzeit werden nämlich in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck sämtlich Daten für die Nordkette gesammelt, um sie dann auf einem Plan vereint darzulegen: Naturbiotope, Schutzwald, Wirtschaftswald, Lebensräume für schützenswerte Tiere, Wanderwege, Mountainbikewege sollen kartiert werden. Darauf aufbauend soll dann für die jeweiligen Nutzer ein zur Verfügung stehendes Gebiet eingezeichnet werden. „Erst wenn wir diese wissenschaftlich fundierte Grundlage haben, können wir über die Lenkungsmaßnahmen am Berg entscheiden“, erklärt Neuner. Es könne dann durchaus sein, dass für das ein oder andere eben kein Platz mehr auf der Nordkette ist.

Dem Tourismusverband Innsbruck ist es ebenfalls ein Anliegen, Schwerpunkte zu setzen. Nicht nur auf der Nordkette. „Wir arbeiten seit dem Frühjahr intensiv an der Positionierung der Bergbahnen rund um Innsbruck. Wir führen mit allen Verantwortlichen Gespräche“, bekräftigt Geschäftsführerin Karin Seiler-Lall. Das brauche seine Zeit, weil nicht alle Bahnen in einer Hand sind und es gelte, mehrere Interessen zu berücksichtigen.

Auch wenn Patscherkofel und Muttereralm für den TVB wichtig sind – der Hauptberg ist die Nordkette, wie Seiler-Lall betont: „Das ist unser Empire State Building.“ Es werde auch daran gearbeitet, in Zukunft mehr Touristen auf das Hafelekar zu bringen. Ein Konflikt mit Einheimischen soll dadurch nicht entstehen, sagt Seiler-Lall.

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