Letztes Update am Sa, 11.01.2014 14:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Kunstschnee hielt Pisten fit, Kritik an massivem Ausbau

Kunstschnee hat den schneearmen Winter gerettet, betonen Touristiker. Umweltanwalt fordert einen Ausbau-Stopp bei Beschneiungsanlagen.



Von Max Strozzi

Axams – Trotz des schneearmen Winters verzeichnen einige Tiroler Skizentren ein Umsatzplus, berichtete gestern Seilbahnsprecher Franz Hörl. Genaue Zahlen stehen noch nicht fest, der Kunstschnee habe allerdings die bisherige Saison gerettet. „Ohne Beschneiung wäre ein Winter wie dieser ein Desaster“, so Hörl. Innerhalb zweier Wochen im November und Dezember sei „aus allen Rohren geschossen worden“, um Schneedepots anzulegen. Davon zehre man jetzt. Mehr als 70 % der Tiroler Skipisten werden künstlich beschneit, den Pisten könne derzeit wenig etwas anhaben. Hörl: „Die Pistenqualität hält noch für Wochen, da bricht nichts zusammen.“

Tirols Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer kritisiert indes den massiven Ausbau der Beschneiungsanlagen. „Es werden mittlerweile Wassermengen wie für Kraftwerke entnommen, womit fließende Gewässer an Lebensraum einbüßen“, so Kostenzer. Dies werde „zunehmend problematischer“, zumal sehr früh in der Saison beschneit werde und zudem im Winter die Speicherseen nochmals aufgefüllt werden. „Auch weitere Naturräume wie Moore gehen verloren, weil die Speicherseen immer größer werden und in immer schwierigerem Gelände gebaut werden“, warnt Kostenzer. Bei der Beschneiung seien die Grenzen bereits erreicht. „Diese Expansion zulasten der Natur gehört gestoppt.“

Den bislang schneearmen Winter nutzten gestern die Touristiker hingegen, um den Einsatz von Schneekanonen zu rechtfertigen. Dafür bedienten sie sich Horrorszenarien wie etwa der Annahme zweier völlig schneeloser Monate November und Dezember. Ohne Kunstschnee würde dies Tirol demnach 3,6 Mio. Nächtigungen kosten. Lifte, Hotels, Gastronomie, Handel und Gewerbe würden 500 Millionen Euro Umsatz verlieren. „Die Gäste wollen Schneegarantie. Ohne Schneegarantie können wir keinen Wintertourismus betreiben“, betonte Tirols Skilehrer-Chef Richard Walter. Laut Gemeindeverbandschef Schöpf laufen in seiner Gemeinde Sölden die Schneekanonen auch auf 3000 Metern Seehöhe. Auch verwende man zur Beschneiung „Wasser, Luft, sonst nichts“, wie Hörl betont. Zusätze seien bei Tirols Seilbahnern tabu.

Über die jährlichen Beschneiungskosten zeigte man sich weniger auskunftsfreudig. Laut Seilbahn-Chef Hörl würden die Beschneiungskosten nicht erhoben. Zumal nicht bekannt sei, wie viele Schneekanonen es in Österreich gibt – Schneekanonenhersteller TechnoAlpin hatte kürzlich die Zahl der Schneekanonen auf Österreichs Bergen auf 20.000 geschätzt. Auch über die Höhe der Beschneiungskosten des Skigebiets Gerlos, wo Hörl als Geschäftsführer tätig ist, wollte der oberste Seilbahner keine Auskunft geben. Nur so viel: Egal, wie viel Naturschnee fällt, Schneedepots werden zu Saisonstart so oder so angelegt, die Kosten blieben stabil.

Genauere Angaben machten Salzburgs Seilbahner. Laut Siegfried Rasser, Geschäftsführer des Skigebiets Rauris, wurden in seinem Skigebiet im Vorjahr 260.000 Kubikmeter Kunstschnee produziert, was mit knapp einer Million Euro zu Buche schlug, wie er dem ORF erzählte. Laut Ferdinand Eder, Fachgruppenobmann der Seilbahner, lagen die Beschneiungskosten im Skigebiet Zauchensee/Flachauwinkl bei über 3 Mio. Euro. Diese Kosten würden die Tagesskikarte um 7 Euro verteuern.




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