Letztes Update am Do, 03.07.2014 10:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Osttiroler Tourismusanalyse: Sommer geht vor Winter

Die touristische Infrastrukturanalyse, die der TVB Osttirol in Auftrag gab, räumt Radfahren, Wandern und Bergsteigen den Vorrang ein, wenn es um neue Projekte geht. Liftausbauten nehmen den letzten Platz ein.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Ein Outdoor-Kompetenzzentrum und bessere Wanderbusse sind top, Seilbahnerweiterungen und das Goldried-Bad flop. Zumindest geht das aus der touristischen Infrastrukturanalyse hervor, die der Tourismusverband (TVB) Osttirol bei der Beraterfirma Kohl & Partner in Auftrag gegeben hatte. Bei der Vollversammlung am Montagabend präsentierte Martin Mayerhofer von der Beraterfirma im Detail, welche Projekte der Analyse zufolge umsetzenswert sind – und welche weniger. Dafür entwarf die Firma einen „Bewertungstrichter“, wie Mayerhofer erklärt: „Was passt zur Positionierung, ist es innovativ, entspricht es neuen Trends und schafft es mehr Nächtigungen?“, zählt er Kriterien auf. Die TVB-Führungsspitze mit Obmann Franz Theurl und Aufsichtsratspräsident Werner Frömel hatte sich schon zuvor dazu bekannt, dass künftig alle Infrastrukturvorhaben diesen Bewertungskriterien entsprechen müssen, damit sie eine Chance auf Geld vom TVB haben.

Überwiegend empfiehlt die Analyse Vorhaben, die dem Sommertourismus dienen, wenn auch nicht ausschließlich. So reiht Mayerhofer ein „Outdoor-Dolomiten-Kompetenzzentrum“ mit Klettermöglichkeit auf Platz eins. „Dort findet der Gast ein gebündeltes Angebot zu allen Outdoor-Sportarten vor, es gibt Information, einen Verleih, eine Werkstätte und so weiter“, erklärt der Berater. „Ich brauche mir als Gast nicht alles einzeln zusammenzusuchen.“ Ideal wäre laut Mayerhofer eine Bezeichnung, die mit dem Extremsport-Event „Dolomitenmann“ zusammenhängt. „Diesen Namen kennt man schon gut.“ Ebenfalls empfehlenswert: Busverbindungen für Touristen im Hochpustertal zu intensivieren – damit die Wandergäste mobiler sein könnten. Auf Prioritätsstufe zwei von vier finden sich in der Infrastrukturanalyse Radwegverbindungen und Erlebniswanderwege. Nur drittgereiht ist der „Erlebnisraum Staller Sattel“. Begründung: „Das Gebiet ist zwar ein Naturjuwel, aber es gibt kaum betriebliche Betten in der Nähe, und die Anbindungen sind ein Problem“, schildert Mayerhofer.

Am wenigsten dringlich in der Umsetzung sind für die Beraterfirma neue Seilbahnen und das Nationalparkbad „Goldried Splash“. Im Wettbewerb mit Nordtirol seien die Osttiroler Skigebiete ohnehin zu klein, auch mit einem oder zwei zusätzlichen Liften, meint Mayerhofer sinngemäß. Und das Goldried-Bad in Matrei sei eigentlich eine reine Hotel-Infrastruktur, weil es zu weit von anderen Beherbergungsbetrieben weg sei, um allen Gästen zugute zu kommen. „Es fehlt die Bademantel-Distanz“, erklärt der Fachmann.

Auf der Tagesordnung der Versammlung stand auch die Erhöhung und Vereinheitlichung der Aufenthaltsabgabe, auch Ortstaxe genannt. Sie soll ab Anfang 2015 in ganz Osttirol einheitlich zwei Euro betragen. Der Beschluss wurde zwar nicht einstimmig, aber mehrheitlich gefasst.

Neue Osttirol-Portale geplant

An den Bezirksgrenzen von Osttirol begrüßen seit Jahrzehnten hölzerne Einfahrtsportale den Gast. Die Portale mit stilisierten Blumen, Sonne und Schneeflocken entsprechen schon lange nicht mehr dem Geschmack der Zeit, einige wurden bereits entfernt. Nach langen Überlegungen hat sich der Tourismusverband nun für eine Neugestaltung der Willkommens­tafeln entschieden (siehe Foto rechts). Die neuen Portale wurden von Osttiroler Künstlern, unter anderem Peter Raneburger, gestaltet und sollen Osttirol laut TVB-Obmann Franz Theurl das Flair einer Luxusdestination verleihen. Materialien wie Stein und Glas tragen dazu bei. Nachts werden die Portale beleuchtet sein. Wann sie aufgestellt werden, ist noch unklar.

Neue Geschäftsführerin für Osttirol-Werbung

Am 18. August tritt die Steirerin Eva Haselsteiner (33) ihren Posten als neue Geschäftsführerin der Osttirol Werbung an. Bei der Vollversammlung des TVB schilderte sie ihre Sicht auf die touristische Zukunft des Bezirks. „Osttirol hat 241 Dreitausender, aber viele wissen das gar nicht“, berichtet Haselsteiner. Das müsse sich ändern. Am Herzen liegt ihr die Auslastung der Betriebe. „Osttirol hat sechs Prozent des Tiroler Bettenangebots, aber nur 4,5 Prozent der Nächtigungen. Die schlechte Auslastung tut weh.“




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