Letztes Update am Fr, 26.09.2014 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Kraftwerksplanern ist Termin in Landeck zu früh

Infra-Projektleiter stellt klar: Sollte sich die Stadtgemeinde gegen eine Beteiligung beim Sannakraftwerk aussprechen, vergibt sie Chancen.



Von Helmut Wenzel

Landeck – Am 23. Oktober könnte eine Vorentscheidung für das Sannakraftwerk fallen. Landecks Bürgermeister Wolfgang Jörg setzt die Kraftwerksbeteiligung der Stadt auf die Tagesordnung der Gemeinde­ratssitzung – die TT berichtete.

Beim Kraftwerksentwickler Infra stößt dieser Termin offenbar auf wenig Gegenlieb­e. „Wenn sich die Gemeinde in der jetzigen Phase gegen die Beteiligung ausspricht, nimmt sie sich die Chance, sich in der Zukunft an einem genehmigten und wirtschaftlich attraktiven Projekt zu beteiligen“, teilte Infra-Projektleiter Hans Bayer diese Woche am Mittwoch in einem Schreiben an Bürgermeister Wolfgang Jörg mit. „Aus unserer Sicht ist der Zeitpunkt, bereits im Oktober über eine Beteiligung abzustimmen, zu früh“, hob Bayer hervor.

In der Begründung argumentiert er: „Die Beteiligung bietet für die Gemeinden in der aktuellen Projektphase ausschließlich Chancen und kein Risiko.“ Ab dem Beitritt zur Kraftwerksgesellschaft bis zur Genehmigung in erster Instanz müssten die Kommunen nur eine Stammeinlage von 7500 Euro beisteuern.

Zudem liege derzeit keine abschließende Beurteilung durch die Gemeindeaufsicht vor, schilderte Bayer. Die Gemeindeaufsicht könne „erst nach Vorliegen der detaillierten Bedingungen zum Einstieg der Energieversorgungsunternehmen die Risiken einer Gemeindebeteiligung beurteilen und diese genehmigen“. Abschließend appellierte der Projektleiter an den Bürger­meister: „Wir ersuchen Sie, Ihre Entscheidung im Lichte der gebotenen Rücksicht auf die anderen Partner im Projekt zu überdenken.“

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BM Jörg reagierte unaufgeregt auf das Schreiben und erklärte: „Ich habe es allen Mitgliedern des Gemeinde­rates übermittelt. Es darf nichts verheimlicht werden. Aber irgendwann ist die Zeit reif, um auf den Punkt zu kommen und Farbe zu bekennen.“

Am Termin, an dem das Thema auf die Tagesordnung kommt, ändere sich nichts. „Es wird Diskussionen geben, das ist ein demokratischer Akt. Aber es braucht irgendwann eine Entscheidung, das ist auch fair gegenüber der Infra“, so Jörg. Von einer „scheibchenweisen Vorgangsweise“ halte er nichts.

Für ihn würden zwei Kernfragen im Mittelpunkt stehen, betonte der Bürgermeister am Donnerstag – ob das Sannakraftwerk für Landeck verträglich ist und ob Wirtschaftlichkeit bzw. Rentabilität passen.

Nach eineinhalb Jahren Debatte inklusive Projektpräsentationen der Infra sowie kritischer bis ablehnender Stellungnahmen von Touristikern, Raftern, Fischern und Anrainern sieht er das Informationsbedürfnis mehr als befriedigt: „Nächste Woche gibt es ja immer noch Gelegenheit, Fragen an die Infra und gegebenenfalls an den Wirtschaftsexperten Alois Pirche­r zu stellen.“