Letztes Update am Mi, 09.12.2015 15:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kärnten

Kärntner Waffenproduzent legt dubiose Millionenpleite hin

Schon bald hätten mehr als 100 Mitarbeiter in einer neueröffneten Fabrik in Kärnten Gewehre für den Waffenhersteller FMF Tactical fertigen sollen. Doch stattdessen erfolgte der Gang zum Konkursgericht – das junge Unternehmen hat mehr als 10 Millionen Euro Schulden.

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Klagenfurt – Erst im November hat FMF Tactical in Kärnten eine neue Waffenfabrik eröffnet – nun ist der Waffenproduzent pleite: Die Firma hat am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt Insolvenz angemeldet. Laut Gläubigerschutzverbänden verfügt das Unternehmen, das in Feistritz im Rosenthal Langwaffen herstellen wollte, über 5,3 Mio. Euro an Aktiva, vorwiegend Maschinen. Dem stehen Passiva von 10,6 Mio. Euro gegenüber. Laut Insolvenzantrag liegt der Grund für die Pleite in Malversationen.

2013 gegründet

Nun ist die im Sommer 2013 gegründete Firma geschlossen und soll dies auch bleiben. 56 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. In den vergangenen Wochen gab Geschäftsführer Michael Yudelson noch bereitwillig in den Medien Auskunft über die Pläne. Man wollte im ersten Jahr 10.000 Stück, 2017 schon 80.000 Stück Sportgewehre herstellen, es gebe auch großes Interesse aus den USA und man habe mehrere Patente. Geplant waren „Präzisionsgeräte“ mit einer Reichweite von über zwei Kilometern. Für das Militär seien diese zu teuer, für Liebhaber von Weitschussgewehren aber sehr wohl interessant, hieß es damals.

9.000 Euro wurden als Stückpreis für die Waffen kolportiert, das hätte, sofern der Preis netto ist, 2017 bereits einen Umsatz von 720 Mio. Euro ergeben. Mehr als 100 Mitarbeiter würde man in Bälde beschäftigen, hieß es, nur seien gute Leute schwer zu bekommen.

Investoren wollten kein Geld mehr zuschießen

„Mithilfe von internationalen Investoren wollten sie diesen Betrieb aufbauen“, erklärte Anita Latschen vom KSV 1870. „Jetzt dürfte etwas vorgefallen sein oder vorliegen.“ Von Unstimmigkeiten ist die Rede. „Investoren sind aufgrund diverser Malversationen im Unternehmen nicht mehr bereit, weitere Darlehen zur Verfügung zu stellen“, sagte Latschen auf Basis der Informationen aus dem Insolvenzantrag.

Die größten der insgesamt 26 Gläubiger sind ausländische Geldgeber, Banken seien keine dabei, so Latschen. Laut Firmenbuch hält die niederländische Firma Lightning Investments B. V. knapp die Hälfte der Firmenanteile, ebenso wie Yudelson selbst. Dritter Gesellschafter ist der Ferlacher Jagdwaffenproduzent Herbert Scheiring (fünf Prozent) . Bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt war zunächst kein Strafverfahren anhängig. (tt.com, APA)