Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.03.2016


Exklusiv

Warnung vor Tiroler Bitcoin-Partys

Bei privaten Verkaufsveranstaltungen werden auch in Tirol Anteile an Computern vertrieben, die eine digitale Währung erzeugen sollen. Die FMA erstattete nun eine Anzeige wegen des Verdachts auf Internetbetrug.

© Reuters(Symbolfoto)



Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – 2015 stieg die Zahl der Anzeigen im Zusammenhang mit Internetkriminalität österreichweit um 11,6 Prozent, auf 10.010 Anzeigen. Bei dem Großteil der Anzeigen handelt es sich um Internetbetrug, heißt es in der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes.

Aktuell schlägt die Finanzmarktaufsicht (FMA) bei einem „Anlageprodukt“ das auch in Tirol angeboten wird Alarm. Im Visier steht dabei BitClub Network. Das Netzwerk, das über einen Verein organisiert ist, verspricht potentiellen Anlegern Renditen, wenn diese sich bei einem Bitcoin-Miningpool beteiligen. Bitcoins sind eine digitale Internetwährung, die täglich nur in einer sehr begrenzten Anzahl von Hochleistungscomputern generiert werden können. Ein Mining-Pool ist ein Zusammenschluss von leistungsstarken Computern (lesen Sie mehr dazu im Kasten). Ein Bitcoin war am Montag rund 380 Euro wert.

Ähnlich wie bei Tupperware-Partys verkauft der Bitclub via Multi-Level-Marketing Anteile an Mining-Hardware und verspricht dafür 600 Tage lang, Erträge auszubezahlen. Wie hoch diese sind und ob man sein Ursprungsinvestment, immerhin mindestens 500 US-Dollar, je wieder sieht, ist jedoch völlig offen. Ungeklärt ist auch, mit wem die Anleger dieses Geschäft abschließen. Zu der Einlage sind zudem 99 US-Dollar Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Garantiert Geld verdienen dürften bei dieser Anlageform die Berater, die den Kunden die Anteile an den Supercomputern verkaufen. Denn jeder, der Mitglieder in das BitClub-Netzwerk anwirbt, erhält eine nicht unerhebliche Provision. Die Experten von Bitcoin Austria warnen vor dem Anlage-Produkt, an dem bereits bis zu 400 Tiroler beteiligt sein sollen. „Im besten Fall, ist ‚BitClub Network‘ ein schlechtes Investment, viel wahrscheinlicher aber schlicht das x-te Pyramidenspiel, das ‚Bitcoin‘ als Marketing-Aufhänger missbraucht, um arglose Investoren zu ködern“, warnt Bitcoin-Austria-Obmann Johannes Grill. Bitcoin Austria versteht sich als Förderer für die Verbrei- tung der digitalen Währung.

Nach einer Anfrage der TT zu diesem „Anlageprodukt“ erstattete die FMA eine Anzeige bei der im Bundeskriminalamt verorteten Meldestelle für Cyberkriminalität gegen BitClub Network. Die Finanzmarkt-Wächter wittern einen Internetbetrug. Weil zum Funktionieren des BitClub-Systems eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigt wird, für die die Werber ein Kopfgeld bekommen, bestehe zudem der Verdacht eines verbotenen Pyramidenspiels.

Schwierig dürfte es für BitClub-Anleger zudem sein, im Falle von Problemen an ihr Recht zu kommen. Wer die Betreiber von BitClub Network sind, ist ebenso unbekannt wie der Sitz des Vereins. Laut den BitClub-Vermarktern unterliegt der Verein dem US-Recht. Der Sitz des Mining-Pools ist allerdings in Island.

Grills Erfahrungen nach, investiert das BitClub Network zwar einen Teil der Gelder tatsächlich in Mining-Hardware, allerdings lasse sich damit nicht das eingesetzte Kapital zurückverdienen. Die Experten vermuten, dass hier Mining-Anteile als Alibi-Produkt verkauft werden, um ein Pyramidensystem zu verschleiern.

„Man sollte Bitcoin grundlegend verstanden haben und sich der Risiken bewusst sein, bevor man hier investiert,“ rät Grill.