Letztes Update am So, 09.10.2016 15:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Imageschaden

Krankmeldungen gehen zurück: Tuifly zurück auf „normal“

Nach tagelangen Ausfällen fliegt TUIfly wieder nach Plan. Experten meinen, der Ärger tausender Passagiere könnte dem Image der Airline zumindest vorübergehend schaden.

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Berlin – Die Fluggesellschaft TUIflyerholt sich von den massenweisen Krankmeldungen ihrer Besatzungen: Am Sonntag ist die Airline zum normalen Betrieb zurückgekehrt. „Wir starten mit allen geplanten Flügen“, sagte ein Sprecher. Vereinzelt kann es noch zu Verzögerungen kommen. Die Zahl der Krankmeldungen gehe weiter zurück, sagte der Sprecher. Das Unternehmen gehe davon aus, auch in den nächsten Tagen ein volles Programm anbieten zu können. In den kommenden Wochen soll im Unternehmen weiter über einen Umbau der Airline gesprochen werden.

Tourismusforscher gehen nach den massiven Flugausfällen der Vortage von einem kurzfristigen Imageschaden aus. Derzeit sei der Schaden relativ groß, sagte Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen. Potenzielle Kunden würden das aber - wie in vielen Bereichen des Tourismus - auch schnell wieder vergessen. Gerade bei der Wahl von Fluglinien achte man vor allem auf Sicherheit und auf den Preis. Tausende Passagiere waren in den vergangene Tagen von Ausfällen und Verspätungen betroffen.

Weitere Gesprächsrunde am Montag

Viele Crew-Mitglieder von TUIflyhatten sich krank gemeldet, nachdem ein geplanter Umbau bekannt geworden war. TUIflysoll demnach mit Teilen von Air Berlin in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. Vertreter der Arbeitnehmer befürchteten Jobverluste und kritisierten unkonkrete Informationen. Am Freitag kam Tui den Forderungen mit einer mindestens dreijährigen Standort- und Tarifgarantie entgegen. Zudem wurde eine Entscheidung über die geplante Neuordnung auf Mitte November verschoben.

„Die Belegschaft ist froh, dass jetzt ein Dialog eintritt“, sagte Karin Grobecker, Betriebsratschefin des Tuifly-Bodenpersonals, am Sonntag. Das Thema sei aber noch nicht ausgefochten. „Da muss jetzt verhandelt werden.“ Nach Angaben des Reisekonzerns Tui soll am Montag eine weitere Gesprächsrunde stattfinden, nach und nach werde das Konzept dann in Ausschüssen besprochen.

2000 Krankheitstage in einer Woche

Nach Informationen der Bild am Sonntag waren am Wochenende noch rund 450 Mitarbeiter bei TUIflykrank gemeldet. Insgesamt hätten sich in einer Woche etwa 2000 Krankheitstage gesammelt. Der Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Metallarbeitgeber (NiedersachsenMetall), Volker Schmidt, hatte vergangene Woche von einer „Form des versteckten Arbeitskampfes“ gesprochen.

Die Probleme bei TUIflyführten auch zu Flugausfällen beim Partner Air Berlin. Der Grund: Ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner Fluggesellschaft. Am Sonntag habe TUIfly14 von 83 Flügen für sie ausgeführt, erklärte die Airline. Acht Verbindungen mussten gestrichen werden, der Rest sei etwa durch Sondereinsätze und gecharterte Maschinen aufgefangen worden.

„Ich denke, dass das relativ schnell wieder vergessen sein wird“, sagte Hartmann, der zu Freizeit- und Tourismusmanagement forscht. Das werde aber auch davon abhängen, wie TUIflymit Menschen umgehe, deren Flüge ausgefallen seien. „Da sehe ich ein gewisses Risiko gerade.“ Der Tui-Konzern hatte mitgeteilt, keine Entschädigungen an Passagiere zahlen zu wollen. Er beruft sich auf höhere Gewalt, Reiserechtler zweifeln das an. „Das kommt natürlich nicht so gut“, sagte Hartmann.

Auch Tourismusforscher Torsten Kirstges hatte die Ankündigung als ungeschickt bewertet. „Da hätte man sich besser bedeckt gehalten“, sagte der Experte der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Einen langfristigen Imageschaden befürchte er nicht. „Das Gedächtnis der Urlauber ist doch meist sehr kurzfristig.“ Auch die fortdauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten beim Tuifly-Leasingkunden Air Berlin seien nach seiner Einschätzung noch nicht beim breiten Publikum angekommen.

„Einbeinige, die zusammen humpeln wollen“

Der soziale Umgang von Fluggesellschaften mit ihren Mitarbeitern habe kaum Auswirkungen auf die Ticket-Kaufentscheidung. „Da schlägt der günstige Preis die Moral und Solidarität mit den betroffenen Mitarbeitern.“ Auch Hartmann von der Hochschule Bremen erklärte, er glaube, am Ende sei meist der Preise für Kunden entscheidend.

Skeptisch äußerte sich Kirstges über die geschäftlichen Aussichten des geplanten neuen Ferienfliegers mit rund 60 Flugzeugen, in dem TUIflyund Teile von Air Berlin aufgehen sollen. Die geplante Gesellschaft stünde kaum besser da als ihre Vorgänger. „Das sind zwei Einbeinige, die jetzt zusammen humpeln wollen.“ Unverständlich sei auch die schlechte Kommunikation der Unternehmen gegenüber den eigenen Mitarbeitern, die nun zusätzliche Millionenkosten verursache. „Denen schlagen die Pläne mächtig auf den Magen.“ (dpa)