Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.05.2017


Unternehmen

Neuer Streit um Patent auf Pflanzen

(Symbolfoto)

© KEYSTONE(Symbolfoto)



Brüssel – Eine besondere Gerste, welche die Braugiganten Heineken und Carlsberg entwickelt haben, befeuert aktuell die Diskussion um Patente auf Pflanzen und Tiere.

Die Getränkekonzerne haben nämlich drei Patente für eine energiesparendere Herstellung von Bier und auf Gerstenpflanzen beim Europäischen Patentamt eingereicht und bewilligt bekommen. Sie haben dafür zwei Gerstensorten, die beim Brauen weniger bestimmte Enzyme entwickeln und weniger bestimmte Schwefelverbindungen aufweisen, gekreuzt. Die Kreuzung soll das „Energiespar“-Bier durch kühleres Brauen ermöglichen.

Nicht-Regierungsorganisationen wie Arche Noah, ein Verein für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt, haben zwei Patente bereits beeinsprucht und bereiten den dritten Einspruch vor. „Aus unserer Sicht dürfen Pflanzen und Saatgut niemals patentiert werden“, sagt Katherine Dolan von Arche Noah. „Werden Pflanzen und Saatgut patentiert, ergibt sich ein Zugangsausschluss zu natürlichen Ressourcen. Pflanzen werden zum Privateigentum“, warnt Dolan.

Derzeit laufen beim Europäischen Patentamt in München im Rahmen des Patentrates Gespräche der 38 Mitgliedsstaaten, wie man künftig mit der Patentierung von Pflanzen und Tieren umgeht. Ende Juni wird eine Entscheidung erwartet. SPÖ-Infrastrukturminister Jörg Leichtfried sowie ÖVP-EU-Politikerin Elisabeth Köstinger sprachen sich anlässlich der Debatte um die „Bierpatente“ gegen Patente auf konventionell gezüchtete Nutztiere und Nutzpflanzen aus. (APA)