Letztes Update am Mo, 03.07.2017 15:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schlecker-Prozess

Berater glaubten noch vor Insolvenz an Überleben

Ein Unternehmensberater erklärte am 14. Prozesstag, dass die Drogeriemarktkette nach dem Anfang 2011 begonnenem Sanierungsprogramm wieder auf die Beine hätte kommen können.

Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker (3.v.r) und seine Frau Christa (2.v.r) im Landgericht in Stuttgart.

© APA/dpa/Marijan MuratDer ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker (3.v.r) und seine Frau Christa (2.v.r) im Landgericht in Stuttgart.



Stuttgart – Die untergegangene Drogeriemarktkette Schlecker konnte sich nach Darstellung eines früheren Beraters kurz vor der Insolvenz noch Hoffnung auf ein Überleben machen. Der Experte sagte am Montag im Stuttgarter Bankrott-Prozess gegen den Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker sowie dessen mitangeklagte Kinder Lars und Meike aus.

Nach Darstellung des Beraters, hätte die Firma nach einem Anfang 2011 begonnenen Sanierungsprogramm wieder auf die Beine kommen können: „Wir konnten wirklich daran glauben, dass das neue Konzept wettbewerbsfähig ist.“

Bis Mitte 2012 hätten die laut Planung noch vorgesehenen rund 6.000 Filialen weiterarbeiten können, erklärte der Unternehmensberater als Zeuge vor dem Landgericht. Europas einst größte Drogeriemarktkette meldete dann aber Anfang 2012 Insolvenz an. Zehntausende Beschäftigte verloren ihren Job, es war eine der größten deutschen Firmenpleiten. Schlecker war auch in Österreich aktiv. Nach der Pleite wurden die Filialen von der neu gegründeten Firma dayli übernommen, die aber nach kurzer Zeit scheiterte.

Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass Schlecker schon spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der Gründer über die brenzlige Lage im Bilde war. Sie wirft Anton Schlecker Bankrott vor. Er soll außerdem Geld aus dem Unternehmen gezogen und an seine Kinder verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind. (APA, dpa)

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