Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.12.2017


Österreich

3-Chef: „Bedenklicher Trend zu Festnetz-Monopol“

„3“-Chef Trionow peilt Umsatzmilliarde an. Er fordert einfache 5G-Auktion, mehr Geld für Glasfaser und lobt Tirol. Kritik an „freier Fahrt“ für WhatsApp.

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© AFP



Von Max Strozzi

Innsbruck – Nach der Übernahme des Festnetzanbieters Tele 2 sieht sich Mobilfunker „3“ nun als Vollsortimentanbieter im Telekom-Bereich und bläst zum Angriff auf Marktführer A1. „Wir haben zuletzt 800 Mio. Euro umgesetzt und zielen in den nächsten Jahren auf eine Milliarde Umsatz“, sagte „3“-Chef Jan Trionow im TT-Gespräch.

Trionow sieht sein Unternehmen unfairen Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt, etwa was die Internet-Konkurrenz wie WhatsApp oder Skype betrifft, die beide Telefonie über das Internet anbieten. „Wir verlangen faire Wettbewerbschancen im Vergleich mit Internet-Anbietern, die über unsere Netze ihre Dienste anbieten. WhatsApp oder Skype werden völlig anders reguliert als die Sprachtelefonie eines Betreibers“, kritisiert Trionow. „Wir stecken in einem engen Korsett, müssen AGBs absegnen lassen, Überwachung sicherstellen und vieles andere. Warum soll ein Dienst, der über das Internet kommt, freie Fahrt haben und wir, die in ein Netz investieren müssen, diesem engen Korsett ausgesetzt sein?“

"Die Modelle, in denen mit der Breitbandmilliarde hauptsächlich A1 gefördert wird, sind ein großes Problem für den Wettbewerb", sagt Jan Trionow.
"Die Modelle, in denen mit der Breitbandmilliarde hauptsächlich A1 gefördert wird, sind ein großes Problem für den Wettbewerb", sagt Jan Trionow.
- APA/GEORG HOCHMUTH

Auch gegenüber der teilstaatlichen A1 (28,4 % hält der Bund) fühlt sich Trionow benachteiligt. Besonders im Festnetz ortet er einen „bedenklichen Remonopolosierungstrend“ zugunsten von A1 Telekom Austria. A1 kontrolliere den Großteil der Breitbandinfrastruktur, die hauptsächlich aus der ehemals staatlichen Infrastruktur besteht, sagt Trionow. „Dieser Monopolisierungstrend wurde durch die Vergabe der Breitbandmilliarde weiter gefördert“, kritisiert Trionow. Die Ausgestaltung der Breitbandmilliarde des Bundes, die ja den Ausbau des schnellen Internets auf dem Land fördern soll, würde A1 bevorzugen. „Die Ausbaumodelle, in denen mit der Breitbandmilliarde hauptsächlich A1 gefördert wird, sind ein großes Problem für den Wettbewerb“, sagt Trionow. Im Sommer sei die Breitbandmilliarde von Experten evaluiert worden. Trionow sieht im Ergebnis die Aufforderung an die Regierung, einiges zu ändern. „Anstatt Kupfernetze auszubauen, sollte man eher in den Ausbau der Glasfasertechnologie setzen. Diese Empfehlungen hat der Evaluierungsbericht gebracht“, fordert der „3“-Chef. Die Breitband-Förderung müsse zudem stärker die neue Internetgeneration 5G berücksichtigen. „5G hat Potenzial, das Breitband in die Haushalte zu bringen, und ist außerdem für das Internet der Dinge erforderlich.“

Erfreuliche Ausnahme im Ausbau des Breitbandinternets stelle Tirol dar, wo Gemeinden bzw. Gemeindeverbände den Glasfaserausbau in die Hand genommen hätten. „Auf dieser Glasfaser-Infrastruktur können verschiedene Anbieter ihre Angebote schnüren. Das ist ein Modell, das wir sehr begrüßen, weil es wettbewerbsneutral ist“, lobt Trionow.

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Für den Ausbau des 5G-Netzes in Österreich ist das kommende Jahr mitentscheidend. Im Herbst 2018 werden die nötigen Frequenzen versteigert. Trionow fordert von der neuen Regierung einfachere und transparentere Auktionsregeln. „Man kann eine Auktion komplex und intransparent machen, damit der Erlös höher wird. Oder man macht sie einfach und transparent, damit viel ausgebaut wird und Wettbewerb entsteht“, meint Trionow. Komplex sei etwa, wenn Frequenzen regional statt national vergeben oder kleine Unterschiede zwischen den Frequenzbändern definiert werden. Er fordert auch mehr Transparenz ein, etwa indem während der Auktion den Bietern die Angebote der Konkurrenz mitgeteilt werden. „Je weniger man mitteilt, desto mehr müssen die Beteiligten auf spieltheoretischer Basis Gebote abgeben“, so Trionow. Das mache die Auktion zwar für den Staat lukrativ, binde aber Mittel für den Ausbau. „Die Auktion 2013 war die damals europaweit teuerste Auktion je Einwohner. Österreich war 3,5 Mal teurer als im europäischen Schnitt und um sechs Mal teurer als Deutschland, das ein einfaches Verfahren gewählt hatte.“