Letztes Update am Fr, 10.08.2018 10:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


400 Flüge gestrichen

Piloten-Streik bei Ryanair: Gewerkschaft erhofft Verständnis

Die Vereinigung Cockpit verteidigt die 24-stündigen Pilotenstreiks in Deutschland. Auch mehr als 20 Laudamotion-Flüge ab Deutschland wurden gestrichen. Österreich-Verbindungen sind nicht betroffen.

© AFP/APA/Andersen55.000 Passagiere sind von den Flugausfällen betroffen.



Frankfurt am Main, Dublin – Beim irischen Billigflieger Ryanair hat der bisher härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens begonnen. Das bestätigte am Freitagmorgen ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC).

Die irische Fluggesellschaft hat wegen der angekündigten Streiks in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden jeden sechsten ihrer 2400 geplanten Europaflüge abgesagt. Schwerpunkt ist Deutschland, wo wegen des auf 24 Stunden beschränkten Streiks der Vereinigung Cockpit 250 Flüge gestrichen wurden.

Vor allem am frühen Morgen wird dem Plan zufolge kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abheben. Im Laufe des Tages finden dann einige Flüge statt mit Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Der Streik der deutschen Ryanair-Piloten trifft auch die österreichische Tochter Laudamotion: Mehr als 20 Flüge ab Deutschland, die Ryanair für Laudamotion durchführt, werden am Freitag gestrichen. Österreich-Verbindungen seien nicht betroffen, hieß es von Laudamotion. Die betroffenen Passagiere wurden informiert.

Europaweit sind bei 400 Flugstreichungen rund 55.000 Passagiere betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab.

Der Ausstand begann am Freitag um 3.01 Uhr und soll am Samstag um 2.59 Uhr enden. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

Die VC hat die Pilotenstreiks verteidigt und erhofft sich davon Verständnis für die Lage des Personals. „Ryanair verkauft Tickets ab 39 Euro und macht gleichzeitig einen Gewinn von 1,4 Mrd. Euro“, sagte Gewerkschaftssprecher Janis Schmitt Freitagfrüh dem Bayerischen Rundfunk. „Da ist klar, dass die Zeche die Mitarbeiter zahlen.“

Die Piloten wollten gern ein „berechenbares Gehalt haben“ und nicht das „unternehmerische Risiko von Ryanair tragen“, sagte der VC-Sprecher. Die Gewerkschaft fordert vor allem eine andere Gestaltung des Gehalts bei dem irischen Billigflieger. Derzeit bekommen die Piloten ein relativ geringes Grundgehalt. Der variable Rest orientiert sich an den tatsächlichen Flugstunden.

Der Streik der deutschen Ryanair-Piloten trifft auch die österreichische Tochter Laudamotion: Mehr als 20 Flüge ab Deutschland, die Ryanair für Laudamotion durchführt, werden am Freitag gestrichen. Österreich-Verbindungen seien nicht betroffen, hieß es von Laudamotion. Die betroffenen Passagiere seien informiert worden.

VC-Verhandlungsführer Ingolf Schumacher sagte dem Sender ntv am Freitagmorgen, die Gewerkschaft wolle „dem Unternehmen nicht schaden“. Nötig sei aber ein „Umdenken in der Konzernzentrale in Dublin“ beim Umgang mit den Beschäftigten. Die Fronten im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen bezeichnete er als „verhärtet“.(APA/dpa)