Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.11.2018


Unternehmen

Media-Markt-Chef: „Fachhandel wird immer weniger“

Wie Media Markt mit dem Internethandel umgeht, erzählt der Media-Markt-Chef von Innsbruck und Imst, Gerhard Moser.

© Foto TT / Rudy De Moor



Herr Moser, seit gut 14 Jahren leiten Sie den Media Markt in Innsbruck und seit wenigen Jahren den Media Markt in Imst. Wie hat sich das Geschäft verändert?

Gerhard Moser: Es hat sich alles generell beschleunigt. Wenn ich an die alten Röhrenfernseher denke, dann hat man sich etwa alle zehn Jahre ein neues Gerät geleistet. Jetzt sind diese Produktzyklen viel kürzer geworden: Alle ein bis zwei Monate kommen Produktinnovationen auf den Markt. Zudem ist es durch den Internethandel zu einem massiven Preisverfall gekommen. Früher war der Mitbewerber der Händler von nebenan. Jetzt ist durch das Internet die ganze Welt deine Konkurrenz. Mit dieser Herausforderung gilt es umzugehen. Das heißt: Wir brauchen die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt zum passenden Preis.

Wie hat sich das Einkaufsverhalten gewandelt?

Moser: Früher waren nur wenige Kunden gut informiert, die meisten haben sich von uns beraten lassen. Mittlerweile sind die Kunden bestens über das Produkt, das sie kaufen wollen, informiert. Auch die Preistransparenz hat zugenommen. Wir achten darauf, dass wir mit den Preisen der Mitbewerber mithalten können und sogar noch etwas günstiger sind.

Wie sieht derzeit die Elektronikbranche aus?

Moser: Die klassischen Fachhändler werden immer weniger. Aber das liegt nicht an Media Markt, im Gegenteil, wir haben das Geschäft belebt. Der Internethandel ist es, der den Fachhandel verdrängt. Wir selbst sind relativ spät erst in diesen Bereich eingestiegen, haben aber enorm aufgeholt. Inzwischen erwirtschaften wir rund 15 Prozent des Umsatzes online. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Kampf im Netz für kleine Händler noch schwieriger ist als für uns.

Wird es zu einer weiteren Konzentration im Elektrohandel kommen?

Moser: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, diejenigen überleben, die sich auf bestimmte Produktgruppen spezialisieren. Sonst wird es für den stationären Handel immer schwieriger. Wir zum Beispiel kombinieren den Einkauf im Web mit unseren Geschäften. Der Kunde bestellt im Internet und holt das Gerät, wenn er Zeit hat, bei uns im Geschäft ab. Dieser Multichannel-Vertrieb ist sehr beliebt bei unseren Kunden.

Wie wichtig ist die Beratungskompetenz?

Moser: Das Paket aus Beratung und Service muss stimmen. Wir schulen unsere Mitarbeiter regelmäßig, da die Technik immer komplexer wird und viele Kunden überfordert. Das große Plus des stationären Handels ist der Service und auf diesem Gebiet bieten wir viel an. Denn Media Markt hat sich zu einem großen Fachhändler entwickelt. Wir bauen beispielsweise Geräte ein, bieten eine Sofortreparatur binnen drei Stunden für Handys und Smartphones an. Wenn ein Gerät kaputt ist, nehmen wir mit dem Lieferanten Kontakt auf und kümmern uns darum. Das ist im Online-Handel alles nicht möglich. Denn wie packe ich z. B. einen kaputten Fernseher ein und versende ihn?

Kunden kritisieren, dass sie nur schwer einen Verkäufer im Media Markt finden.

Moser: Vielleicht entsteht dieser falsche Eindruck durch die Größe unserer Märkte. In Innsbruck und Imst beschäftigen wir insgesamt 150 Mitarbeiter und legen großen Wert auf Lehrlingsausbildung. Derzeit bilden wir neun Lehrlinge aus. Ein Großteil unserer Stammmannschaft besteht aus ehemaligen Lehrlingen von uns, das gilt auch für unsere langgedienten Führungskräfte.