Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.11.2018


KV-Verhandlungen

Nach ÖBB-Warnstreik: Die Tiroler nahmen es meist gelassen

Der ÖBB-Warnstreik ließ am Montag die Räder stillstehen: 670 Züge mussten zwischen 12 und 14 Uhr in den Bahnhöfen verharren, für rund 100.000 Passagiere hieß es „bitte warten“. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen.

© Foto TT / Rudy De MoorIn London mit dem Flugzeug gestartet, in Innsbruck mitten im Bahnstreik gelandet. Der Südtiroler Fahrgast nimmt es gelassen.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die S-Bahn nach Scharnitz – eigentlich sollte sie den Bahnsteig um 12.09 Uhr verlassen. „Dieser Zug fällt heute aus, wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“, hallt es um kurz vor 12 Uhr aus den Lautsprechern durch den Innsbrucker Hauptbahnhof. Und gleich darauf verkündet die Stimme, dass der Railjet mit der Nummer 563 zwar nicht ausfällt, dafür aber um 60 bis 70 Minuten später abfahren wird. Die Durchsagen markieren den Auftakt des Bahnstreiks – und werden diesen für die kommenden zwei Stunden praktisch in Endlosschleife begleiten.

Bei den ÖBB hat man vorgesorgt und mit nicht-streikenden Mitarbeitern Stellung in der Bahnhofshalle bezogen. Und zwar nicht nur hier, sondern auch an zahlreichen anderen Bahnhöfen Tirols. Sie verteilen Gratis-Wasser und stehen den Fahrgästen mit Informationen zur Verfügung. Um den Ärger über den zweistündigen Totalausfall abzufedern, können die sonst kostenpflichtigen Toiletten gratis benützt werden. Außerdem ist der Zugang zur ÖBB-Lounge für alle Bahnkunden freigegeben und in den Fernverkehrszügen werden Kaffee und Wasser ausgeschenkt. Die Aufregung unter den vorübergehend Gestrandeten hält sich zunächst in Grenzen – die wenigsten scheinen mit der zweistündigen Zwangspause sonderlich zu hadern, sondern wollen vom ÖBB-Info-Dienst vor allem wissen, ob die Züge wenigstens pünktlich um 14 Uhr wieder anrollen. Während die Mitarbeiter die Fahrgäste geduldig über die weiteren Abläufe aufklären, hat sich die Präsenz der Gewerkschaft darauf beschränkt, ein paar Streikplakate aufzuhängen.

Vor dem Ticketbüro bildete sich eine Warteschlange.
- Foto TT / Rudy De Moor

Am Bahnsteig vor dem Zug in Richtung Brenner spielt ein junger Mann auf seinem Handy. Er ist vor Kurzem aus London in Innsbruck gelandet und müsste eigentlich nach Hause nach Südtirol. Der Streik habe ihn völlig unvorbereitet erwischt, aber da könne man jetzt eh nichts machen, erklärt er schulterzuckend und vertieft sich wieder in sein Smart­phone. Gelassen sieht den Streik auch eine Bahnkundin aus Vorarlberg, die wegen eines Arzttermines nach Innsbruck gekommen ist. Sie kann der Arbeitsniederlegung sogar etwas Positives abgewinnen: „Endlich einmal, dass ich nicht auf den Zug springen muss“, lacht sie.

Überhaupt kein Verständnis hat hingegen Daniel Scheiflinge­r, ein Fahrgast aus Wörgl. „Wer hat das angezettelt? Die Gewerkschaft? Das ist eine Frechheit! Die sollen gefälligst in Wien vor dem Parlament streiken und das nicht auf dem Rücken der Zuggäst­e austragen“, schimpft er. Er müsse um 17 Uhr seine Kinder aus der Schule abholen. „Das wird sich hoffentlich ausgehen.“

„In Kürze wird der Zugverkehr wieder aufgenommen“, ertönt es um kurz vor 14 Uhr aus den Lautsprechern. Vor dem Ticketbüro hat sich mittlerweile eine Schlange quer durch die Bahnhofshall­e gebildet. Pünktlich um 14 Uhr entfernen ÖBB-Mitarbeiter die Streik-Plakate auf der Glasfront und öffnen die Türen. Der Streik ist beendet und das geschäftige Treiben führt am Innsbrucker Hauptbahnhof wieder Regie.

ÖBB-Mitarbeiter informierten die Kunden.
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Die Gewerkschaft hatte Plakate aufgehängt.
- Foto TT / Rudy De Moor