Letztes Update am Mi, 05.12.2018 06:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Osttirol

Keine neuen Arbeitsplätze im Bezirk: Theurl expandiert nach Kärnten

Alle Versuche der Brüder Theurl, an einem weiteren Standort in Osttirol das geplante dritte Werk zu errichten, waren vergebens. Bis zu 150 Arbeitsplätze entstehen nun im Oberkärntner Ort Steinfeld.

© Theurl/LuggerDas Holzindustrieunternehmen Theurl hat seinen Sitz in Thal-Assling.



Von Christoph Blassnig

Assling, Steinfeld – Man hört durchwegs Bedauern in Osttirol. Im Land Kärnten dagegen freut sich nicht nur Landeshauptmann Peter Kaiser. Theurl Austrian Premium Timber, das Holzverarbeitungsunternehmen der Brüder Hannes und Stefan Theurl aus Assling, legt erstmals einen Grundstein außerhalb des Heimatbezirkes. Die Standortsuche in mehreren Gemeinden um Lienz blieb letztendlich ergebnislos. Theurl baut sein neues Werk in Steinfeld. In Osttirol waren Leisach, St. Johann und Nikolsdorf als mögliche Standortgemeinden im Gespräch.

Zu Beginn entstehen in Steinfeld 60 Arbeitsplätze, im Vollbetrieb werden es 100 sein. In der Ausbaustufe 2 werden bis zu 150 Personen im neuen Werk Beschäftigung finden. An den bisherigen beiden Standorten in der Heimatgemeinde Assling erzeugen 220 Mitarbeiter eine breite Palette an Schnittholz, Hobelware- und Brettschichtholzprodukten. In einem eigenen Abbundzentrum mit CNC-Unterstützung werden montagefertige Bausätze hergestellt. Wesentliche Erweiterungen sind dort aufgrund von Platzmangel nicht mehr möglich.

„Der nächste Schritt der Unternehmensentwicklung ist der Aufbau der Produktgruppe CLTplus am neuen Standort“, teilen die Geschäftsführer Hannes und Stefan Theurl mit. Die Leitung des Projektes obliegt Gerald Theurl: „Wir möchten am Standort Steinfeld die innovativste und modernste Fertigungslinie für Brettsperrholz realisieren und entwickeln dafür neue Lösungen. Wir wollen in den Frühjahrsmonaten des Jahres 2020 mit unserem Produkt CLTplus in den Markt einsteigen.“ Dieses Holzbauprodukt besteht aus mindestens drei kreuzweise verklebten Brettlagen aus Nadelschichtholz.

„Mit diesem Schritt kommen wir unserem Ziel, 100 Prozent des Rohstoffes in Edelprodukte zu verwandeln, deutlich näher“, erklärt Stefan Theurl. „Der Siegeszug des Baustoffes Holz wird auch unser Absatzgebiet auf die Weltmärkte erweitern. Wir unterstreichen unsere Position in den traditionellen Hauptmärkten und werden für unsere Kunden zum Vollanbieter.“

Die Entscheidung, diese Investition außerhalb des Heimatbezirkes zu tätigen, hätten sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht, sagt der zweite Geschäftsführer Hannes Theurl. „Die Ereignisse der letzten Oktoberwoche zwangen uns schließlich, von den bereits weit gereiften Realisierungsplänen in Nikolsdorf Abstand zu nehmen.“ Teile der dort in Betracht gezogenen Grundstücksfläche in der Nähe der Mülldeponie Lavant haben ökologisch wertvollen Charakter und liegen zudem in der „roten Zone“, wie auch der Nikolsdorfer Bürgermeister Georg Rainer bestätigt. Sein Lavanter Kollege Oswald Kuenz bedauert die Umstände: „Man kennt mich als Verfechter für unseren Bezirk. Das Unternehmen will so bald wie möglich mit neuen Produkten auf den Markt und kann nicht mehr länger warten.“ Es habe sich um eine unternehmerische Entscheidung gehandelt, die zu akzeptieren sei. Auch Rainer glaubt, dass der Faktor Zeit schlussendlich wohl den Ausschlag gegeben haben dürfte.

Der Prokurist des Familienunternehmens Theurl, Hannes Ganner, zeigt sich mit der Standortwahl sehr zufrieden: „In Steinfeld ist es gelungen, eine 12,5 Hektar große Industriefläche innerhalb kurzer Zeit zu sichern. Der Rückhalt der gesamten Bevölkerung ist beeindruckend und ein Zeichen dafür, dass die seriöse Arbeit des Unternehmens mit Respekt und Vertrauen belohnt wird.“ In der ersten Ausbaustufe werde etwa die Hälfte der zur Verfügung stehenden Grundfläche verbaut. „Es gibt bereits jetzt Entwicklungspläne und in Steinfeld genügend Raum, diese in Zukunft auch umzusetzen.“

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser gratuliert: „Die Ansiedlung der Firma Theurl ist eine großartige Nachricht für die Gemeinde Steinfeld, den Bezirk Spittal und ganz Kärnten.“ Der Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds KWF prüfe derzeit die Förderungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit dem AMS werde man bei der Rekrutierung und betriebsorientierten Qualifizierung der neuen Mitarbeiter behilflich sein. Der Steinfelder Bürgermeister Ewald Tschabitscher ist stolz: „Mit gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen und der Mithilfe aller betroffenen Grundeigentümer konnten wir als Gemeinde der Familie Theurl eine bestens geeignete Gewerbefläche anbieten.“ Die Betriebsansiedlung habe große Bedeutung für das Obere Drautal. Mit Bedauern äußerten sich Reinhard Lobenwein und Michael Aichner von der Wirtschaftskammer in Lienz.