Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.05.2019


Unternehmen

Cyber-Angriffe trafen zwei von drei Firmen

Jede zweite österreichische Firma wappnet sich nicht gegen Cyber-Attacken. Vertrauen in Behörden sinkt.

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© Getty Images/iStockphoto



Von Max Strozzi

Innsbruck – Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung KMPG unter 342 österreichischen Unternehmen aus 13 Branchen lässt zahlreiche Alarmglocken schrillen. Demnach wurden zwei Drittel aller Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Opfer einer Cyber-Attacke, 41 Prozent erlitten aus diesem Grund einen finanziellen Schaden. „Cyber-Angriffe gehören zur Realität und haben massive Auswirkungen auf eine Volkswirtschaft“, betonte Robert Lamprecht von KPMG bei der Präsentation der Ergebnisse an der Universität Innsbruck. Umso erstaunlicher, dass laut Studie jedes zweite Unternehmen das Thema Internet-Sicherheit nicht als fixen Bestandteil seiner Digitalisierungs-Initiativen betrachtet – und sich damit im Prinzip nicht laufend gegen Web-Kriminelle wappnet. Jede zehnte Firma ist überdies gar nicht in der Lage zu erkennen, ob sie Opfer eines Cyber-Angriffs wurde. Und nur sieben Prozent der Unternehmen glauben, dass ihre Lieferanten ausreichende Sicherheitsmaßnahmen treffen. „Ich bin schockiert über das geringe Vertrauen in die Zulieferer“, so Lamprecht.

Phishing – also etwa Passwort-Abgriff über fingierte E-Mails – und infiltrierte Schadsoftware sind immer noch gängige Methoden für Cyber-Attacken. Zunehmend geraten auch Unternehmensverkäufe ins Visier von Internet-Gangstern. „Angreifer nutzen die Chance, sich in die Kommunikation von Käufer und Verkäufer einzuklinken und Zahlungen umzuleiten“, schilderte Lamprecht.

Alarmierend auch: Immer weniger Firmen informieren die Behörden über den erlittenen Angriff aus dem Netz. Laut der Studie zeigte nur jede dritte Firma den Behörden die Attacke an – und damit noch weniger als in der Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2018 (40 %).

Warum melden so wenige Unternehmen einen Cyber-Angriff? Aus Sicht von Ulrike Hugl, Expertin für Wirtschaftskriminalität, Industriespionage und Datenschutz an der Uni Innsbruck, spielt auch das geringe Vertrauen gegenüber Behörden eine Rolle. „Es gibt eine Angst vor einem Reputationsverlust, wenn Behörden leck sind und dadurch Informationen öffentlich werden könnten“, meint Hugl: „Bürger sind bereits Überwachungsmaßnahmen des Staates ausgesetzt – es hat dadurch schon einen großen Vertrauensverlust gegeben.“ Das Überwachungspaket von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) – Bundestrojaner, Zugriff auf die Videosysteme der Verkehrsbetriebe, Vorratsdatenspeicherung, Erfassung von Daten von Autofahrern – trage nicht zur Steigerung des Vertrauens bei. „Was das Paket nämlich dann im Einzelfall konkret bedeutet, weiß niemand“, so Hugl.

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Eine große Herausforderung für Internet-Sicherheit seien die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. „Das bietet Angreifern enormes Potenzial“, warnt KPMG-Experte Lamprecht. „Cyber-Sicherheit muss zur ständigen Aufgabe des Staates werden“, fordert er. In Österreich seien allerdings die Strukturen dafür zu klein, sagt Andreas Tomek, IT-Fachmann und KPMG-Geschäftsführer. Laut Tomek sei es zunächst wichtig, das Bewusstsein für Cyber-Sicherheit in die Führungsetagen zu bringen. Und eines sei auch klar: „Große Staaten haben garantiert bereits ein Arsenal an IT-Waffen gebunkert.“