Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.05.2019


Exklusiv

Antrag auf Sonderprüfung: UniCredit scheitert bei der BTV

Bei der BTV-Hauptversammlung wurde die von der UniCredit Bank Austria verlangte Sonderprüfung abgelehnt. Der Konflikt geht weiter.

Bei der Hauptversammlung im BTV-Hauptgebäude ging es gestern heiß her. Jetzt dürfte sich der Streit in die Gerichte verlagern.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: BTV</span>

© Bei der Hauptversammlung im BTV-Hauptgebäude ging es gestern heiß her. Jetzt dürfte sich der Streit in die Gerichte verlagern.Foto: BTV



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Die allermeisten der vorherigen 100 Hauptversammlungen der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV) verliefen äußerst ruhig, bei der gestrigen kam es dann aber zum nach den jüngsten Ereignissen erwarteten Showdown: Wie schon bei der Schwesterbank Bank für Kärnten und Steiermark (BKS) stellten die Vertreter des Großaktionärs UniCredit Bank Austria (sie hat fast 47 Prozent Anteil an der BTV) neben einer langen Liste an Fragen an Vorstand und Aufsichtsrat den Antrag auf eine Sonderprüfung aller seit 1993 erfolgten Kapitalerhöhungen. Die untereinander beteiligten 3-Banken (BTV, Oberbank und BKS) hätten bei Kapitalerhöhungen „Geld im Kreis geschickt“, zudem habe sich auch die den drei Regionalbanken gehörende Generali-3-Banken-Holding an den Kapitalerhöhungen beteiligt, weshalb sich BTV & Co. ihre Kapitalerhöhungen quasi selbst mitfinanziert hätten.

Dies wiesen BTV-Vorstands­chef Gerhard Burtscher und Aufsichtsratsvorsitzender Franz Gasselsberger, untermauert auch durch eine Vielzahl bisheriger und auch neuer Gutachten, vehement zurück. Die wechselseitige Beteiligung gebe es seit 1952, alle Beschlüsse seien bisher auch durch die Creditanstalt- und dann Bank-Austria-Vertreter mitgetragen worden. Burtscher sieht einen Übernahme-Versuch der UniCredit, gegen den man sich auch weiterhin mit Entschiedenheit wehren werde. An die Kleinaktionäre gerichtet sagte Burtscher unter viel Applaus: Die Entscheidungen bei BTV, Oberbank und BKS würden auch künftig in Innsbruck, Linz und in Klagenfurt fallen und nicht in Mailand. Man werde den sehr erfolgreichen Kurs der letzten Jahre und Jahrzehnte im Sinne der betreuten Firmen- und Privatkunden fortsetzen. Gasselsberger sieht im aktuellen Machtkampf für die 3-Banken eine „unglaublich klare juristische Position“. Die UniCredit versuche trotzdem „einen Angriff bergauf, der schlussendlich in einer riesigen Blamage enden wird“.

Die sich zu Wort meldenden Kleinaktionäre stellten sich ausnahmslos auf die Seite der BTV-Spitze und kritisierten die Vorgangsweise der UniCredit. Auch der frühere Landeshauptmann Herwig van Staa geißelte als BTV-Kleinaktionär den „Übernahmeversuch“ durch die UniCredit: „Man merkt die Absicht und ist entsetzt.“ Es gehe um die regionalpolitische Verantwortung und den Standort Tirol, eine Übernahme durch die UniCredit wäre für van Staa „eine gefährliche Drohung“.

Der von der UniCredit verlangte Wechsel der Vorsitz-Führung (Gasselsberger sei „befangen“) wurde von den anwesenden Juristen zurückgewiesen. Mit jeweils 51 zu 49 Prozent (die anwesenden Kleinaktionäre stimmten fast ausnahmslos gegen die UniCredit-Vertreter) wurden Gasselsberger, BKS-Chefin Herta Stockbauer oder auch der BTV-Vorstand entlastet, hingegen wurde der von der UniCredit entsandte Aufsichtsrat Gregor Hofstätter-Pobst im Gegensatz zu Karl Samstag nicht entlastet. Der Antrag auf Sonderprüfung der Kapitalerhöhungen wurde mit 51 zu 49 Prozent abgelehnt. Dies dürfte zunächst allerdings keine Konsequenzen haben. Die UniCredit-Vertreter legten gegen verschiedene Beschlüsse Einspruch ein, der Streit dürfte Anwälte und Gerichte jahrelang beschäftigen.

Gasselsberger sprach von einer „ganz klaren Stimmung und fulminantem Rückenwind der Aktionäre“ für die Fortsetzung des unabhängigen Kurses der 3-Banken.




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