Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.06.2019


Pilotprojekt

Kleine Drohnen starten durch

Der gewerbliche Einsatz der Fluggeräte im großen Stil ist bislang noch Zukunftsmusik. In Deutschland startet ein Pilotprojekt.

In Österreich stellt die Firma Schiebel Drohnen bzw. unbemannte Hubschrauber her.

© APAIn Österreich stellt die Firma Schiebel Drohnen bzw. unbemannte Hubschrauber her.



Frankfurt/Main – Transport wichtiger Medikamente oder Vermessung von Baugeländen mit Drohnen: Die Telekom und die Deutsche Flugsicherung (DFS) wollen mit einer gemeinsam entwickelten Technologie die kommerzielle Nutzung dieser unbemannten Fluggeräte im größeren Stil ermöglichen.

Die Flugsicherung und die Deutsche Telekom gaben diese Woche in Frankfurt die Gründung der Gemeinschaftsfirma Droniq mit zunächst zehn Mitarbeitern bekannt. „Droniq bietet einen Einstieg in den kommerziellen Betrieb von unbemannten Fluggeräten, insbesondere für Drohnenflüge außerhalb der Sichtweite des Steuerers“, erläuterte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle.

Die gemeinsam entwickelte Technologie ermöglicht die Ortung der unbemannten Fluggeräte über das Mobilfunknetz über größere Distanzen. Die Fluggeräte werden den Angaben zufolge für die Fluglotsen ortbar, aus der Ferne lenkbar und können in Echtzeit Daten mit der Basisstation austauschen.

Bislang sind in Deutschland Flüge nur in Sichtweite der Drohnen-Piloten erlaubt. Der Einsatz über größere Distanzen ist nur mit spezieller Genehmigung der verschiedenen Landesluftfahrtbehörden möglich. Das aufwändige Verfahren soll durch die neue Technologie schneller und einfacher werden. Einige Landesluftfahrtbehörden hätten bereits Interesse signalisiert, sagte Droniq-Manager Thilo Vogt. Man hoffe zudem auf einen flankierenden Rahmenvertrag mit dem Bundesverkehrsministerium zum Einsatz des Systems.

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„Das Produkt kann ab sofort gekauft werden“, sagte der Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges. Es gebe bereits Anfragen von Industrie und Rettungskräften. Nach Einschätzung der Beteiligten stecken in Drohnen-Langstreckenflügen insgesamt Milliarden-Umsätze, etwa bei der Kontrolle von Stromtrassen oder Gleisen, in der Landwirtschaft oder bei der Überwachung von Bauprojekten. Einsatzmöglichkeiten werden auch bei Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften gesehen.

Höttges rechnet mit einem „exponentiellen Wachstum“ beim gewerblichen Einsatz von Drohnen. Aktuell schwirren etwa 500.000 der unbemannten Fluggeräte im deutschen Luftraum herum, davon lediglich 19.000 kommerziell genutzt. Deren Zahl werde Schätzungen zufolge bis 2030 auf mehr als 126.000 steigen.

In Österreich müssen seit 2014 Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 250 Gramm von der Austro Control genehmigt werden, für sie muss zudem eine eigene Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Etwa 8500 Anträge sind seitdem eingelangt, rund 7800 davon wurden genehmigt. Im Jahr 2018 gab es 2900 Bewilligungen, heuer (Jänner bis April) bisher rund 1000.

Seit 1. März sind erstmals offizielle Polizei-Drohnen im Einsatz, die gängigsten Anwendemöglichkeiten erfolgen mittels Fotogrammetrie nach Massenunfällen auf einer Autobahn oder bei einer Suchaktion nach Vermissten. Erst kürzlich setzte die Asfinag erstmals eine Drohne bei einer Tunnelübung ein, um Bilder von einem inszenierten Unfall zu liefern. (dpa, APA, TT)