Letztes Update am Di, 04.06.2019 14:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimawandel

Naturkatastrophen: KMU schlecht vorbereitet, 500 Mio. Euro Schäden

Im Vorjahr Schäden gab es durch Naturkatastrophen Schäden im Volumen von 500 Millionen Euro. Großkonzerne erwarten für die nächsten fünf Jahren Mehrkosten von rund 900 Millionen Euro.

Ötztaler Ache bei Tumpen (Symbolbild)

© zoom-tirolÖtztaler Ache bei Tumpen (Symbolbild)



Wien – Naturkatastrophen würden zunehmen, so Othmar Ederer, Vizepräsident des Versicherungsverbandes (VVO) und Chef der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe) gegenüber Journalisten. Die Klimaveränderung führe zu einer Intensivierung der Naturkatastrophen, auch in unserem Land. Zwar würden bei Privaten das Risikobewußsein steigen, aber seien Österreichs Klein- und Mittelbetriebe nicht gut auf Naturkatastrophen wie Hochwasser, Stürme oder Gewitter vorbereitet, wie Vertreter des Versicherungsverbandes und des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) betonen.

Knapp mehr als die Hälfte (55 Prozent) der KMU in Gemeinden mit Hochwasser-Gefahrenzonen gehen laut einer KFV-Umfrage davon aus, dass sie von Gefahren aus Naturkatastrophen betroffen sein könnten. Ein Drittel sei schon einmal direkt von den Folgen eines Extremwetterereignisses betroffen gewesen. 59 Prozent hätten kein konkretes Prozedere für den Katastrophenfall geplant. Bei mehr als einem Viertel (27 Prozent) der betroffenen Betriebe sei das Schadensausmaß so hoch gewesen, dass der Betrieb eingestellt werden musste.

Meist zu wenig informiert

Viele Unternehmen fühlten sich zu wenig informiert. Die Informationen seien sehr zersplittert und müssten von verschiedenen Stellen abgeholt werden, vom Bauamt über die Feuerwehr bis zum Zivilschutzverband. „Es fehlt eine gebündelte Information für die Wirtschaft“, so Thann. Für die Firmen wäre alles aus einer Hand wichtig, etwa ein Präventionsbeauftrager.

Ist der Schaden einmal da, erhielten die wenigsten Betriebe Mittel aus Katastrophenfonds. Es gebe dabei viele Ausnahmefälle, etwa auch erst Geld, nachdem die Versicherung gezahlt habe. Viele suchten auch gar nicht erst an. Etwas mehr gebe es aus Landeskatastrophenfonds.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

„Herausforderndes Jahr“

Für die Versicherungswirtschaft sei 2018 bezüglich Naturkatastrophen ein durchaus herausforderndes Jahr gewesen, man habe außer Erdbeben alles erlebt - Dürre, Starkregen, Hochwasser, Frost, Stürme. Die Schäden lagen 2018 bei mehr als 500 Mio. Euro, davon habe die Versicherungswirtschaft mehr als die Hälfte getragen. Rund ein Drittel der Schäden entfiel im Vorjahr auf die Landwirtschaft, der Rest zum größeren Teil auf private Haushalte und gewerbliche Betriebe.

Präventionsmaßnahmen blieben eine Herausforderung, auch wenn in Österreich schon sehr viel passiert sei, etwa auf dem Gebiet des Hochwasser- oder Lawinenschutzes, meinte Ederer. Er verwies dabei auch auf die Gefahrenkarte HORA; in dieser Datenbank könnten für eine Adresse die jeweiligen Risiken eingesehen werden.

Milliardenkosten durch Klimawandel

Eine Untersuchung bei 215 Großkonzernen habe ergeben, dass die Unternehmen wegen steigender Temperaturen, starker Wetterschwankungen und der Einpreisung von Treibhausgas-Emissionen zusätzliche Kosten von insgesamt 970 Milliarden Dollar (867 Milliarden Euro) erwarten, wie die Organisation CDP am Dienstag mitteilte. Ein Großteil davon werde bereits in den kommenden fünf Jahren erwartet. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Ausgaben werde als „wahrscheinlich bis praktisch sicher“ angesehen.

Zugleich sahen viele Unternehmen der Studie zufolge auch große Chancen beim Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Das zusätzliche Potenzial wurde von den Firmen mehr als doppelt so hoch wie die zusätzlichen Kosten gesehen. Darin enthalten sind etwa eine schneller als erwartet steigende Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen oder Investitionen in erneuerbare Energien. Die meisten Firmen hätten aber immer noch Schwierigkeiten, die Auswirkungen des Klimawandels sachgemäß einzuschätzen.

Die britische Organisation CDP setzt auf Transparenz bei den Klimakosten, um Investitionen in umweltfreundliche Industrien zu fördern. Die Studie umfasst Firmen wie Apple, Microsoft, Unilever, UBS, Nestle, China Mobile, Infosys, Sony und BHP. Zusammen kommen die Konzerne auf einen Börsenwert von rund 17 Billionen Dollar. (APA, TT.com)

Brandursache Nummer eins sind Blitze. Das Vorjahr sei trotz anfänglichen Rekordverdachts im Mai letzten Endes ein normales Jahr mit rund 125.000 Blitzen gewesen, so der Leiter des Österreichischen Blitzortungssystems ALDIS, Gerhard Diendorfer. Man könne sich aber gegen Blitze schützen, "wir haben ausreichend Mittel". Die klassischen Systeme schützen vor Brandgefahr und Verletzungen von Menschen, nicht aber technische Geräte. Zum Schutz vor Schäden durch Überspannungen in elektrischen Einrichtungen, die auch durch eine Blitzeinschlag im Vorgarten oder beim Nachbarn entstehen könnten, gebe es ebenfalls passende Systeme. Dabei sollte man sich aber von einem Fachmann beraten lassen.