Letztes Update am Mi, 05.06.2019 15:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stahlindustrie

voestalpine bremst nach Gewinnrückgang mit Investitionen

Im Geschäftsjahr 2018/19 machte der Stahlkonzern voestalpine einen Rekordumsatz von 13,6 Mio. Euro – allerdings schmolz der Gewinn nach Steuern um 44 Prozent.

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Wien – Nach dem Gewinneinbruch 2018/19 wird der Stahlkonzern voestalpine auch heuer kräftigen Gegenwind verspüren. Angesichts einer Reihe von Unwägbarkeiten - Stichwort schwächere Konjunktur, internationaler Handelsstreit, Brexit und gebremste Autoindustrie - wird nun vorsichtiger investiert. „Wir werden natürlich darauf reagieren“, sagte der designierte voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner am Mittwoch.

„Wir werden natürlich auch in unseren Investitionsprogrammen Rücksicht darauf nehmen und in Zukunft in die stärker wachsenden Bereiche investieren, ansonsten eher moderat, um in der Zukunft wieder Spielraum zu haben für Akquisitionen“, erklärte der derzeitige Chef der Steel Division. Die voestalpine beobachte natürlich den Markt, ob sich solche Möglichkeiten ergäben. „Aber im Moment sind keine größeren Akquisitionen geplant.“

500 Mio. Euro am Standort Kapfenberg

Hohe Summe fließen derzeit etwa noch in den steirischen Standort Kapfenberg, wo die Voest ein neues Edelstahlwerk baut. In Summe sind an dem Standort im Mürztal rund 500 Mio. Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren veranschlagt – rund 350 Mio. Euro davon sind für die neue Fabrik vorgesehen, die bis 2021 mit einer Kapazität von 205.000 Tonnen Spezialstahl pro Jahr in Betrieb gehen soll. Bereits in der Hochlaufphase befindet sich dort eine neue Hightech-Schmiede für Aerospace-Werkstoffe.

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„Im vergangenen Jahr haben wir rund 230 Mio. Euro über Abschreibung investiert, heuer werden es etwa 100 Mio. Euro weniger sein“, erklärte Finanzvorstand Robert Ottel in der Bilanzpressekonferenz. In absoluten Zahlen fließt eine Jahressumme in Höhe von etwa 1 Mrd. Euro.

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Im Geschäftsjahr 2018/19 halbierte sich der Nettogewinn der voestalpine nahezu von 825,4 auf 458,6 Mio. Euro – bei einem Rekordumsatz von 13,56 Mrd. Euro (plus 5 Prozent). Die Dividende wird aber nur um ein Fünftel von 1,40 auf 1,10 Euro je Aktie gekappt.

Zu schaffen machten im vergangenen Jahr die alle 13 bis 15 Jahre fällige Erneuerung eines Großhochofens in Linz, die über den Sommer hinweg stattfand und dreieinhalb Monate lang für Produktionsausfälle sorgte, wochenlange Betriebsstillstände im Werk in Texas im Herbst infolge von Überschwemmungen und eines Gasrohrgebrechens, finanzielle Rückstellungen im Zusammenhang mit einem laufenden Kartellverfahren im Bereich Grobblech in Deutschland sowie stark erhöhten Anlaufkosten beim größten konzerneigenen US-Automobilkomponenten-Werk am US-Standort Cartersville (Georgia).

Allein die Großreparatur des neuen Hochofens in Linz erforderte Investitionen in Höhe von 190 Mio. Euro. „Davon haben wir 160 Mio. Euro als Ergebnisbelastung“, berichtete Konzernchef Wolfgang Eder heute auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz. Auf der Hauptversammlung am 3. Juli übergibt er an Eibensteiner und wechselt in den Aufsichtsrat.

Abkühlende Konjunktur als Problem

Erschwerend hinzu kamen externe Faktoren wie die sich zusehends abkühlende Konjunktur, der sich verschärfende Zollstreit, den US-Präsident Donald Trump angezettelt hat, die Verunsicherung rund um das Brexit-Chaos sowie die Bremsspuren in der europäischer Autoindustrie infolge von neuen EU-Abgasnormen, die ab Herbst schlagend wurden und heuer im September die nächste Stufe nehmen sollen.

Bei den Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr ist das Management jedenfalls vorsichtig. Der Vorstand arbeite intensiv daran, eine – gemessen an 2018/19 – stabile Entwicklung des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zu erreichen. Größte interne Herausforderung sei dabei die „weitere Abarbeitung der operativen Themen“ in den US-Werken. Hinzu kommen die genannten Unwägbarkeiten im wirtschaftlichen Umfeld, die sich heuer fortsetzen. Im vergangenen Geschäftsjahr verringerte sich das EBITDA gegenüber 2017/18 um knapp 20 Prozent auf 1,565 Mrd. Euro. (APA)