Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Exklusiv

Red-Bull-Chef Mateschitz: „Werden nie für eine Partei spenden“

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im Gespräch mit den Chefredakteuren der Bundesländer-Tageszeitungen über die Formel 1, den Fußball, die Politik und das Milliarden-Unternehmen.

Red-Bull-Gründer und ServusTV-Eigentümer Dietrich Mateschitz.

© APARed-Bull-Gründer und ServusTV-Eigentümer Dietrich Mateschitz.



Von Alois Vahrner

Grundlsee – Dietrich Mateschitz freut sich. Der Red-Bull-Gründer ist wenige Tage nach dem Formel-1-Rennen in Spielberg mit seinem Motorsport-Engagement rundum zufrieden. „Die Formel 1 hat nach den langweiligen Darbietungen der Vergangenheit endlich wieder ein spannendes Rennen gebraucht.“ Dass darüber hinaus mit Max Verstappen ein Red-Bull-Pilot den Heim-Grand-Prix am Red Bull Ring gewonnen hat, war für ihn das Tüpfelchen auf dem i.

Die Umwelt-Diskussionen rund um den Motorsport? „Man schüttet hier das Kind mit dem Bade aus. Ein Stau auf der Tangente verursacht mehr Schadstoffausstoß als viele Formel-1-Rennen zusammen. Man muss die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten“, sagt Mateschitz. Wenigstens auf der Rennstrecke soll es noch knattern und stinken dürfen.

Ihm sei Klimaschutz auch wichtig. Es brauche weltumspannende Lösungen mit neuen Ideen und Technologien, vor allem in Asien, Indien, Afrika und Südamerika. Die weltweite Aufforstung könnte beispielsweise einen wesentlichen Beitrag leisten. „Das Aufstellen von subven- tionierten Windrädern allein, überhaupt weil sie die meiste Zeit stehen, wird nicht ausreichen.“

Auch die Subventionierung der Elektromobilität sei nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Batterietechnologie sei zwar weiterentwickelt, aber noch nicht ausgereift, die Steckdosen-Frage ebenso nicht gelöst. Die Ziele in der E-Mobilität seien letztendlich politische Träumereien und – da sei sich die Autoindustrie einig – falsch und nicht erreichbar.

Auch mit seinem Engagement im Fußball ist Mateschitz derzeit zufrieden. Mit Leipzig möchte er schon deswegen in spätestens drei Jahren deutscher Meister werden, weil er mit Bayern-Boss Uli Hoeneß eine Wette laufen hat. Einsatz: ein Bier. Für Salzburgs erstes Engagement in der Gruppenphase der Champions League gibt er sich bescheidener. „Wenn wir Platz drei erreichen und damit in der Europa League weiterspielen, wäre es perfekt.“ Mit dem Problem, dass die halbe Mannschaft nach guten Angeboten zu anderen Vereinen gewechselt hat und damit alles wieder von vorn beginnen muss, muss man leben. Bei Fußballspielern sei es so wie bei Schauspielern. „Wenn Hollywood ruft, gehen sie dorthin.“ Das sei keinem vorzuwerfen. Sowohl die Einkommen als auch die Medienpräsenz in anderen internationalen Ligen seien um ein Vielfaches höher als in Österreich. Die neue Mannschaft werde im Herbst nicht alles gewinnen können. Das sei ein Team von sehr jungen, aber hochmotivierten und talentierten Spielern. „Doch am Ende ist das Ziel, in der Meisterschaft wieder ganz vorne zu stehen.“ Der neue Trainer sei sehr gut. „Wir kennen ihn aus New York und aus Leipzig. Er kennt die Spielphilosophie.“ Fußball sei eine späte Liebe, „halb zog sie ihn, halb sank er hin“.

„Ich habe mein erstes Fußballspiel bei einem Betriebsausflug in Rio gesehen.“ Da hat es noch nicht gefunkt zwischen dem Red-Bull-Chef und dem Rasensport. Es hat ein paar Anläufe gebraucht. Erst Jahre später, als Austria Salzburg zur Übernahme anstand, kam die Leidenschaft dazu, so Mateschitz.

Zur aktuellen politischen Debatte über Parteispenden sagt Mateschitz: „Wir haben nie für eine Partei gespendet, das passt nicht zu uns, und wir werden das auch niemals tun. „Wir engagieren uns nicht parteipolitisch.“ Für sinnvolle und nachhaltige Projekte, die der Gesellschaft zuträglich sind, könne jedoch eine gemeinsame Initiativ­e zwischen Politik, Industri­e und Wirtschaft durchaus sinnvoll sein. Eine Frage der Verantwortung.

Die derzeitige Situation nach der Abwahl der Bundesregierung halte er für verlorene Zeit und unproduktiv. Menschen zeigten sich von ihrer schlechten Seite, parteipolitische Interessen nehmen überhand. Er habe auch nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos nicht mit der Auflösung der Regierung gerechnet. Zum Video selbst stelle er sich die Frage, was daran armseliger sei: der Inhalt oder das Zustandekommen.

Von einer neuen Bundesregierung erwarte er sich Reformgeist, Produktivität, ein Ende der Verschuldung, die Förderung der Wertschöpfung und der Bildung, die richtige Verwendung der Steuermittel und politische Kultur.

Um die Zukunft der Marke Red Bull macht sich Dietrich Mateschitz keine Sorgen. „Es gibt die Firma jetzt seit 30 Jahren. Wir hatten immer ein hohes Wachstum.“ Das werde auch so bleiben. Wer zur Gründerzeit mit 16 Jahren begonnen habe, Red Bull zu trinken, sei jetzt 46. „Der bleibt uns treu.“ Das beschere dem Konzern auch in den nächsten Jahren ein solides Wachstum. „Die Neuen kommen nach, die Alten bleiben.“

Mit dem thailändischen Partner herrsche bestes Einvernehmen. „Wir treffen uns einmal im Jahr zur Gesellschaftersitzung. Dann legen wir die Zahlen auf den Tisch und gehen anschließend gemeinsam zum Mittagessen.“

Mateschitz, der erst kürzlich seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, macht sich wenig Gedanken über das Alter. „Ich wachte auf, stellte fest, dass ich 75 bin, und vergaß es gleich wieder.“

Er sei gerade dabei, seine Freizeit zu optimieren. Das Unternehmen sei mit einem kompetenten, engagierten Board of Directors bestens aufgestellt. Er sei bestenfalls der Leithammel.

6,8 Milliarden Dosen, beliebtester Manager

Dietrich Mateschitz, am 20. Mai 1944 in Sankt Marein im Mürztal in der Steiermark geboren, war einst Handelsvertreter für Jacobs Kaffee und den Zahnpastahersteller Blendax. Im Jahr 1984 gründete er zusammen mit seinen thailändischen Partnern Chaleo und Chalerm Yoovidhya Red Bull — und führte den Energydrink nach einer Abwandlung der Rezeptur des thailändischen Krating Daeng 1987 im Markt ein. Der Rest ist ein weltweiter Siegeszug, der bis heute anhält. Red Bull ist nicht nur seit Langem Weltmarktführer bei Energydrinks (im Vorjahr wurden 6,8 Mrd. Dosen verkauft). Red Bull ist die bekannteste österreichische Marke, Mateschitz gilt neben der Familie Porsche-Piëch mit einem auf fast 16 Mrd. Euro geschätzten Vermögen als reichster Österreicher. Er ist seit Jahren bei dem von Spectra für die Bundesländer-Tageszeitungen erhobenen Wirtschaftsbarometer mit weitem Abstand der beliebteste Manager Österreichs.

Mateschitz gilt als Marketing-Genie, das Unternehmen gibt einen Betrag deutlich jenseits der Milliarde Euro für verschiedenste Marketing-Aktivitäten aus. Red Bull hat etwa (neben der Formel-1-Rennstrecke im steirischen Spielberg) auch ein eigene Formel-1-Team, das in den Jahren 2010 bis 2013 mit Sebastian Vettel den WM-Titel gleich vier Mal in Serie eingefahren hat. Stark engagiert ist der Konzern auch im Sponsoring einer Vielzahl von Top-Sportlern, aber auch als Vereinsinhaber im Eishockey und Fußball — dort etwa mit Red Bull Salzburg, RB Leipzig, New York Red Bulls und Vereinen in Ghana und Brasilien.

Red Bull ist Veranstalter und Unterstützer von Extremsportarten sowie vieler Events (auch Dolomitenmann in Lienz), der Konzern hat auch einen großen Medienkonzern (u. a mit Servus TV) aufgebaut. Stark unterstützt wird die Stiftung Wings for Life, die Querschnittlähmung heilbar machen will. (TT)