Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Sonntagsöffnung

Shopping-Center fordern offene Sonntage für alle

Der Verband der Einkaufszentren fordert die Freigabe der Sonntagsöffnung und das Aus für begünstigte Tourismuszonen. Gewerkschaft und Kammer sind dagegen.

Vertreter der Einkaufszentren wünschen sich im Konkurrenzkampf mit Online-Shops eine bundesweit einheitliche Sonntagsöffnungsregelung.

© Getty ImagesVertreter der Einkaufszentren wünschen sich im Konkurrenzkampf mit Online-Shops eine bundesweit einheitliche Sonntagsöffnungsregelung.



Wien – Erneut ist gestern eine Debatte um die Sonntagsöffnung in Geschäften gestartet. Diesmal lanciert vom Handelsverband und dem Verband der Shopping-Center (ACSC), dem auch die Tiroler Einkaufszentren angehören. Sie haben gestern eine liberalere Sonntagsöffnung und dabei unter anderem das Ende der Tourismuszonen gefordert, wie sie etwa auch in Tirol gehandhabt wird. So dürfen bestimmte Geschäfte in Tourismusorten, die in der Tiroler Öffnungszeitenverordnung definiert sind, während der Tourismussaison auch an Sonn- und Feiertagen offen haben. In besonders tourismusintensiven Orten auch in der Wintervorsaison.

„Der ACSC spricht sich klar gegen Tourismuszonen aus. Die Sonntagsregelung sollte für alle gelten“, kritisierte gestern der Shopping-Center-Verband. Er fordert eine Sonntagsöffnung an sechs bis zehn Sonntagen pro Jahr für alle Handelsbetriebe. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten würde einen kleinen Wettbewerbsausgleich zum Online-Handel schaffen, der rund um die Uhr geöffnet habe und zudem Steuervorteile genießen würde. Außerdem sei Sonntagsarbeit freiwillig, mit 100 % Zuschlag und einem freien Tag, argumentiert die ACSC. In Österreich gebe es 450.000 Menschen, die regelmäßig am Sonntag arbeiten. „Warum dürfen das keine Beschäftigten im Handel sein? Was unterscheidet eine Kellnerin von einer Verkäuferin?“, so die rhetorische Frage.

Auch der Handelsverband wendet sich gegen den bundesweiten „Bürokratiedschungel“ mit rund 60 Ausnahmeregeln zur Sonntagsarbeit. Traditionelle Geschäfte geraten gegenüber Online-Händlern ins Hintertreffen und das werde durch die Regulierungsdichte in Österreich noch verstärkt, kritisiert der Handelsverband.

Die Gewerkschaft brauchte nicht lange, um eine Sonntagsöffnung insbesondere in Wien kategorisch abzulehnen. „Wenn es um die Vereinfachung von Regelungen geht, sind wir gesprächsbereit. Wenn es aber um die Ausweitung der Sonntagsöffnung in Österreich geht, sagen wir ganz klar Nein“, schrieb Barbara Teiber von der Gewerkschaft GPA-djp.

Auch der Fachverband Handel in der Wirtschaftskammer ist dagegen. „Die Freigabe der Sonntagsöffnung ist nicht in unserem Sinne und nicht im Sinne der Unternehmen“, erklärte Branchenobmann Peter Buchmüller. Mehr als 90 % der Unternehmen würden die allgemeine Ausweitung der Sonntagsöffnung nicht wollen.

Bei Tirols umsatzstärkstem Einkaufszentrum Dez in Innsbruck seien Öffnungszeiten derzeit kein akutes Thema, erklärt Manager Helmut Larch auf Anfrage der TT. Das scheine im Moment „eher ein Wiener Thema zu sein“, meint Larch. Generell werde man sich das Thema Öffnungszeiten aber ansehen müssen: „Man wird sich sicher anschauen müssen, was passiert. In welche Richtung es geht, weiß ich aber noch nicht.“ (mas, APA)