Letztes Update am Mi, 31.07.2019 08:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Abgasskandal

Dieselskandal: Anklage gegen früheren Audi-Chef Stadler

Auf dem Chefsessel bei Audi in Ingolstadt sitzt Rupert Stadler schon lange nicht mehr. Bald muss er wohl auf der Anklagebank Platz nehmen.

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler

© APAEx-Audi-Chef Rupert Stadler



Ingolstadt – Im Dieselskandal ist Anklage gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler sowie drei weitere Beschuldigte erhoben worden. Ihnen werde Betrug, Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft Mittwochfrüh mit.Stadler soll unter anderem dafür mitverantwortlich sein, dass Audi noch lange nach Bekanntwerden der Abgasaffäre Dieselfahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten in Europa verkauft hat.

Den drei anderen Beschuldigten legt sie zur Last, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei. Dem 56-jährigen Stadler wirft sie vor, „spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst bzw. den Absatz nicht verhindert zu haben“. Stadler soll außerdem versucht haben, Zeugen oder Beschuldigte zu beeinflussen.Ob es wirklich zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht München II entscheiden.

Vier Monate in Untersuchungshaft

Die Anklage umfasst den Angaben zufolge 250.712 Fahrzeuge von Audi, 71.577 Fahrzeuge von VW und 112.131 Fahrzeuge von Porsche. „Die Fahrzeuge sind insbesondere auf dem US-amerikanischen und europäischen Markt veräußert worden“, hieß es weiter.

Stadler war am 18. Juni 2018 wegen Betrugsverdachts und Verdunkelungsgefahr in Ingolstadt verhaftet worden und hatte im Gefängnis Augsburg-Gablingen vier Monate lang in Untersuchungshaft gesessen. Das Oberlandesgericht München setzte den Haftbefehl vom Juni im Herbst 2018 gegen Auflagen außer Vollzug. Ohne Zustimmung der Staatsanwaltschaft durfte Stadler weiterhin keinen Kontakt zu Mitbeschuldigten und möglichen Zeugen aufnehmen. Nachfolger an der Audi-Spitze ist seit Anfang des Jahres Bram Schot. (APA, dpa, AFP)