Letztes Update am Mi, 07.08.2019 15:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Luftfahrt

Lauda-Basis in Wien gefährdet, Protest der Airlines könnte alle Passagiere treffen

Die mit Kündigungs-Drohungen von Ryanair begleitete Forderung an Lauda-Bordbeschäftigte hat am Mittwoch die Betriebsräte auch anderer in Wien stationierter Airlines auf den Plan gerufen. Die Gewerkschaften wollen, dass die Politik eingreift.

Ryanair-CEO Michael O‘Leary und Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber: Die Gewerkschafte wehren sich gegen die Forderungen der Lauda-Bosse.

© APARyanair-CEO Michael O‘Leary und Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber: Die Gewerkschafte wehren sich gegen die Forderungen der Lauda-Bosse.



Wien – Der Streit um die Arbeitsbedingungen bei den Billigairlines und zuletzt auch um die Ryanair-Tochter Laudamotion (Lauda) dürfte in den nächsten Wochen noch an Schärfe gewinnen. Es drohen Kampfmaßnahmen von Belegschaften gleich mehrerer Airlines am Flughafen Wien – möglicherweise noch in der Ferienzeit.

Die mit Kündigungs-Drohungen von Ryanair begleitete Forderung an Lauda-Bordbeschäftigte hat am Mittwoch die Betriebsräte auch anderer in Wien stationierter Airlines auf den Plan gerufen. Von einer heutigen mehrstündigen Betriebsversammlung bei Lauda sollten die Passagiere noch nichts spüren. Das kann sich in den nächsten Wochen ändern.

Wie die Gewerkschaft vida nach einem von den Arbeitnehmervertretern einberufenen Krisengespräch vor den Medien mitteilte, gibt es mit den Lauda-Beschäftigten Solidarität. In den nächsten Wochen, möglicherweise noch in der Ferienzeit, soll es Betriebsversammlungen gleich bei mehreren Airlines in Wien geben, und zwar alle am selben Tag zur selben Zeit. Das hieße dann Beeinträchtigungen für die Passagiere, die Anton Fuszko von der vida heute ausdrücklich als möglich nannte. Dies liege in der Natur solcher Betriebsversammlungen.

Flugzeuge nach Portugal verlegen

Zum Krisengespräch hatten sich die Arbeitnehmervertreter von Lauda, AUA, Eurowings und Level getroffen. Die Lauda-Belegschaftsvertreter stießen – da zeitgleich ihre Betriebsversammlung stattfand – am Ende dazu. In der vida war heute von „Erpressung“ der Lauda-Belegschaft und drohender mehrfacher Arbeitsrechtsverletzungen die Rede. Ryanair hatte gedroht, im Fall des Falles auch auf billigere polnische Leihpiloten zurückzugreifen. Bis 14. August wollen die Iren vom Personal ihrer österreichischen Tochter Lauda Dienstrechts-Zugeständnisse, um den Flugbetrieb profitabler zu machen. Die Gewerkschafter sprechen von unannehmbaren Forderungen.

Die Gewerkschaft sieht die Basis Wien in Gefahr. Zusätzlich genährt wurden die Ängste der Lauda-Leute heute, weil Lauda offenbar im Zusammenhang mit dem portugiesischen Faro genannt wurde. Die Ryanair-Basis Faro wird nach Angaben von portugiesischen Gewerkschaftern aufgelassen. Sollten in der Folge Flugzeuge von Lauda aus Wien nach Faro überstellt werden, würde dies die hiesigen Crews ihre Jobs kosten.

Forderung nach Branchen-Kollektivvertrag.

Das werde aber möglicherweise ein langer Weg. Als ersten Schritt, und dies sehr kurzfristig, will die Gewerkschaft deshalb den wirtschaftlich stärksten Kollektivvertrag – also den der AUA (Austrian Airlines) – „satzen“ lassen, also für alle gültig erklären lassen. Damit kämen auch „KV-freie“ Airlines zu entsprechenden Regelungen und andere, wie etwa Lauda, sollten höhere Standards der AUA auf sich anwenden können. Ein solcher Antrag an das Sozialministerium soll in den nächsten ein bis zwei Wochen erfolgen.

In den Augen der Gewerkschaft wird der Preiskampf in der Luftfahrt praktisch ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Die Lauda-Crews sollen den Plänen von Ryanair zufolge unter anderem mehr fliegen und bei Überschreiten von Höchstgrenzen in Zwangsurlaub gehen. Was Ryanair insgesamt an Zugeständnissen von den Lauda-Bordbeschäftigten verlange, bricht laut vida-Chef Roman Hebenstreit nicht nur den Kollektivvertrag der Airline selbst, sondern gleich mehrfach geltendes österreichisches Arbeitsrecht. Verkehrs- und Sozialministerium dürften hier nicht weiter untätig bleiben, sagte Hebenstreit nach einer Krisensitzung der Betriebsräte am Mittwoch in Schwechat.

Fakt sei, dass 120 Piloten aus Österreich gegen 6.000 Piloten von Ryanair antreten und der Druck der Basisstationen untereinander zunimmt. Man werde kämpfen, aber so wie man den Konzern kenne, werde er die angedrohten Kündigungen wohl wahr machen. (APA, TT.com)