Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.08.2019


Unternehmen

Wirtschaftskrimi um Ökombi landet vor Gericht

Neun Jahre lang wurde im Fall der ehemaligen Huckepack-Bahnfirma Ökombi ermittelt. Nun wird zwei Angeklagten der Prozess gemacht.

Die Gesellschaft Ökombi nahm seit den 80ern Lkw auf der Schiene huckepack. 2005 übernahmen die ÖBB das Geschäft.

© thomas boehmDie Gesellschaft Ökombi nahm seit den 80ern Lkw auf der Schiene huckepack. 2005 übernahmen die ÖBB das Geschäft.



Von Nina Werlberger

Wien, Salzburg – Es geht um den Vorwurf des schweren Betrugs und der Untreue, wenn sich am kommenden Dienstag am Oberlandesgericht Wien die Türen des Gerichtssaals schließen werden. Dann wird dort eine Strafsache verhandelt, die neun Jahre lang untersucht wurde und ebenso komplex wie undurchsichtig ist.

2010 hat die Wirtschaftspolizei Wien gegen die Spitze der früheren Bahngesellschaft Ökombi GmbH & Co. KG (Ökombi) Ermittlungen aufgenommen. Untersucht wurden Vorwürfe der Untreue, des Betrugs und der Bilanzfälschung gegen vier Personen. Die Ökombi, die die „Rollende Landstraße“ betrieb, ist quasi das Vorgänger-Unternehmen der Rail Cargo Austria, die 2005 deren Assets übernommen hat.

Der Ex-Geschäftsführer der damaligen Ökombi und der Prokurist, der nicht allein unterzeichnen durfte, müssen sich nun vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Chef das Verbrechen des schweren Betrugs und der Untreue vor, dem früheren Prokuristen legt sie schweren Betrug als Beitragstäter und Untreue teils als Bestimmungstäter zur Last. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die der TT vorliegt. Die Männer sollen demnach vor 2005 über mehrere Jahre hinweg Scheinrückstellungen in Millionenhöhe gebildet und die Buchhaltung mit fingierten Belegen manipuliert haben.

Für beide Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung. Der frühere Geschäftsführer möchte sich zum laufenden Verfahren nicht äußern, teilte sein Anwalt Roland Kier mit. Vom Anwalt des zweiten Angeklagten war keine Stellungnahme zu bekommen. Bei einer Verurteilung drohen Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren.

Betroffen sind laut der Anklage 30 ehemalige Eigentümer, die vorzeitig aus der Firma ausgeschieden sind. Ihnen entgingen demnach rund 760.000 Euro. Der tatsächliche Schaden dürfte sehr weit darüber hinausgehen.

Für Franz Blum deckt das Gerichtsverfahren jetzt nur die Spitze eines Eisbergs ab. Der Salzburger Logistiker hat gemeinsam mit dem Tiroler Steuerberater und früheren Transportunternehmer Peter Grüner den Fall ins Rollen gebracht und 2010 Anzeige erstattet. Blum ortet politische und juristische Willkür: „Es dürfte auf allen Ebenen gemauschelt worden sein.“ Seine Sorge ist, dass die Causa nun rasch begraben werden soll, erklärt er im TT-Gespräch.

Blum ist überzeugt: Ohne die vermeintliche Rückendeckung des prominent besetzten Aufsichtsrats wäre der mutmaßliche Betrug nicht möglich gewesen. Fakt ist, dass sich die damaligen Kontrolleure stets hinter den früheren Chef gestellt und alle Vorwürfe zurückgewiesen haben.

„Man hat ein wertvolles Unternehmen dem Anschein nach absichtlich gegen die Wand gefahren“, sagt Blum. Wegen der mutmaßlichen Bilanztricksereien sei die Ökombi de facto unverkäuflich geworden. So habe sich der Eindruck verdichtet, dass der Ökombi-Führung am Ende als einzige Option die Liquidation der Gesellschaft blieb – und damit eine mutmaßlich viel zu billige „Übernahme“ durch die ÖBB erfolgt sei. Blum schätzt den daraus entstandenen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Den ehemaligen Eigentümern der Ökombi dürfte zudem viel Geld entgangen sein. Zugleich habe sich der Ex-Geschäftsführer dem Anschein nach einen Vorteil von etwa 8 Mio. Euro verschafft, rechnet Blum vor.

Blum selbst wurde wenige Monate nach der Anzeige Opfer eines Einschüchterungsversuchs. Zwei Männer, die sich als „Mitglieder einer Mossad-Spezialeinheit“ ausgaben, statteten ihm und seinem Anwalt einen Besuch ab – und fügten vielsagend hinzu: „Wir kommen frisch aus dem Krieg.“ Blum ließ sich nicht einschüchtern und meldete den Vorfall der Polizei. Zu dieser mysteriösen Begebenheit gesellen sich Akten, die plötzlich verschwanden, und einander widersprechende Gutachten. Blums ernüchtertes Fazit: „Rechtssicherheit ist in Österreich in großer Gefahr.“