Letztes Update am Fr, 23.08.2019 22:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kfz-Industrie

Pleite von HTI-Tochter gefährdet ganze Firma: Gut 200 Jobs in Gefahr

Der oberösterreichische Auto- und Luftfahrtzulieferer schickt Gruber & Kaja in die Insolvenz. Bald danach wird der Vorstand auch für die Mutter den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens stellen.

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© Erwin WodickaSymbolfoto.



Wien – Der börsennotierte oö. Auto- und Luftfahrtzulieferer HTI bangt um seine Existenz. Das Unternehmen schickt seine knapp 200 Mitarbeiter starke Tochter Gruber & Kaja in die Insolvenz. Bald danach wird der Vorstand der HTI auch für die Mutter beim Landesgericht Linz den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens stellen, so die HTI am Freitagabend.

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Insgesamt sind mehr als 200 Jobs gefährdet. Noch vor wenigen Jahren hatte der Konzern deutlich mehr Mitarbeiter. In der gesamten Gruppe (und auch bei Gruber & Kaja) arbeiteten zu einem Höchststand 2008 insgesamt 1704 Menschen. Zum Jahresende 2017 waren es auch noch mehr als 800 Mitarbeiter. Es kam zuletzt aber schon zu einem Stellenabbau. 2018 wurde das Kunststoffspritzgussgeschäft verkauft um Schulden zu tilgen. So schmolz die Mitarbeiterzahl deutlich zusammen.

Stichwort: HTI High Tech Industries AG

Die in Wien börsennotierte HTI High Tech Industries AG mit Sitz in St. Marien bei Neuhofen in Oberösterreich ist eine Technologiegruppe, die auf den Bereich Aluminium-Druckguss spezialisiert ist. 2018 wurden Stellen abgebaut und das Kunststoffspritzgussgeschäft verkauft. So schmolz die Mitarbeiterzahl auf nur mehr gut 200 zusammen. Jetzt wackelt die Fortführung des gesamten Konzerns

Der an der Wiener Börse notierte Auto-und Luftfahrtzulieferer kämpft seit Jahren mit finanziellen Problemen. 2017 betrug der Konzernfehlbetrag 9,3 Mio. Euro, 2016 lag das Minus bei 18,9 Mio. Euro.

Der allergrößte Teil der noch gut 200 Mitarbeiter arbeitet bei der wichtigen operativen Tochter Gruber & Kaja. In der gesamten Gruppe (und auch bei Gruber & Kaja) arbeiteten schon einmal deutlich mehr Menschen, nämlich insgesamt 1704 im Jahr 2008. Zum Jahresende 2017 waren es auch noch 827 Mitarbeiter im Konzern.

Zuletzt konnten die Löhne bei der wichtigen operativen Tochter Gruber & Kaja High Tech Metals GmbH nicht pünktlich ausgezahlt werden. Nun wird die Tochter in die Pleite geschickt und die Fortführung des gesamten Auto- und Luftfahrtzulieferers ist in Gefahr. Ein Jahresabschluss für 2018 steht aus.

HTI beschreibt für sich eine hohe Lösungskompetenz in der Entwicklung und Fertigung von Aluminiumkompenenten. "Technologie, Ökonomie und Ökologie sind die zentralen Aspekte, die uns bei der Entwicklung unserer Produkte, die vorwiegend in der Automobilindustrie eingesetzt werden, begleiten."

HTI notiert im standard market der Wiener Börse. Am Freitag war der Börsenkurs des Unternehmens bereits um gut 24 Prozent eingebrochen.

Seit Jahren finanzielle Probleme

Der Auto- und Luftfahrtzulieferer kämpft seit Jahren mit finanziellen Problemen. 2017 betrug der Konzernfehlbetrag 9,3 Mio. Euro, 2016 lag das Minus bei 18,9 Mio. Euro. Für 2018 wurde die Bilanzveröffentlichung mehrmals verschoben. Heute wurde mitgeteilt, dass eine Veröffentlichung weiterhin unterbleibe.

Die HTI verhandelte schon länger mit potenziellen Investoren für die Tochter. Die Gespräche waren aber nicht erfolgreich. Es kam zu keiner verbindlichen Vereinbarung, „die eine Unternehmensfortführung ohne Sanierungsverfahren ermöglichen würde“, so HTI.

Auch eine Zwischenfinanzierung durch den langjährigen Hauptinvestor der HTI scheiterte. Dazu sei es noch zu kurzfristigen, unerwarteten Abrufrückgängen bei einem automobilen Großkunden gekommen.

Da die HTI umfangreiche Sicherheiten für das operative Tochterunternehmen Gruber & Kaja hat, „ist damit auch die Unternehmensfortführung der Konzernspitzengesellschaft HTI nicht mehr sichergestellt“. Es werde bald ein Antrag auf die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung auch über das Vermögen der HTI gestellt werden. (APA)