Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.08.2019


Forum Alpbach

Ex-Voest-Chef Eder: „Müssen System adaptieren“

Für Ex-Voest-Chef Wolfgang Eder ist das Weltwirtschaftssystem für die kommenden Generationen teilweise obsolet geworden.

Ex-Voest-Chef und nunmehriges Aufsichtsmitglied Wolfgang Eder ortet Schwächen im Weltwirtschaftsystem.

© APAEx-Voest-Chef und nunmehriges Aufsichtsmitglied Wolfgang Eder ortet Schwächen im Weltwirtschaftsystem.



Alpbach – Die neue Welthandels(un)ordnung ist Thema bei den gestern begonnenen Wirtschaftsgesprächen des Forum Alpbach. Ex-Voest-Chef und nunmehriges Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Eder sagte bei einer Diskussion zum Thema, dass das Weltwirtschaftssystem adaptiert werden müsse. Es sei in manchen Bereichen für die kommenden Generationen obsolet geworden, so Eder.

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„Wir müssen uns Gedanken über die neuen Herausforderungen machen, die bisher nicht Teil des Systems waren“, forderte der Manager. „Wir müssen uns überlegen, wie wir Emissionen reduzieren, das Leben sicherer gestalten bezogen auf die negativen Umweltauswirkungen wie etwa Plastik.“ Eder sprach sich für eine Anpassung des Systems aus, das sich bisher auch sehr bewährt habe.

Die voestalpine sei Teil eines großen Systems, als Konzern, als Industrie, und sei auch ein Teil der Gesellschaft, der Politik, des Wirtschaftssystems, sagte Eder. Der Freihandel habe die Lebensbedingungen der Menschen weltweit verbessert, nie habe es etwa weniger Hunger auf der Erde gegeben als jetzt. Es gebe auch immer mehr gebildete Menschen. Es gebe Arbeit, von der die Menschen leben könnten, unterstrich Eder, der weiter ein weltweites Wirtschaftssystem bevorzugt.

Cathryn Clüver Ashbrook von der Harvard-Universität forderte „eine Geschichte für den demokratischen Handel, denn derzeit werden die Gräben vergrößert“. Arancha ­Gonzáles, Chefin des International Trade Center, deutete an, dass vieles durcheinandergeraten sei. So stimmten viele Grundsätze der Welthandelsorganisation WTO inzwischen nicht mehr mit der Realität überein. Auf der Welt schaue es so aus, dass Handel momentan keine Win-win-Situation bedeute. Fred Hochberg, Ex-Direktor der Export-Import-Bank der USA, sagte, dass jede Entwicklung immer wieder Korrekturen benötige. „Verlierer im Handel werden gerne vergessen, es wird meistens nur über die Gewinner gesprochen.“

Die Wirtschaftsgespräche widmen sich heuer unter anderem der Unordnung des globalen Handels, dem Digitalzeitalter und Umweltthemen. (APA)