Letztes Update am Mo, 16.09.2019 13:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tarifverhandlungen

Herbstlohnrunde „„ante portas“: Für Arbeitgeber ist die „Party vorbei“

Die Arbeitgeber sehen wegen Kojunkturabschwung wenig Spielraum für KV-Verhandlungen. In 12 Betrieben gebe es bereits Kurzarbeit. Das Recht auf 4-Tage-Woche sei kein Thema.

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Wien – Der Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) geht mit einem pessimistischen Ausblick in die am 23. September startenden Metaller-KV-Verhandlungen. „Die Party ist vorbei. Nach einigen guten Jahren müssen wir uns auf starken Gegenwind und einen deutlichen Abschwung einstellen“, sagte FMTI-Obmann Christian Knill am Montag in Wien. Ein Entgelt-Plus wie zuletzt mit rund 3,5 Prozent sei nicht drin.

Der Abschluss gilt traditionell als richtungsweisend für die Herbstlohnrunde mit vielen weiteren KV-Verhandlungen. Der Fachverbandsobmann sieht durch die Konjunkturabkühlung wenig Spielraum für die Lohnverhandlungen und fordert deswegen von der Gewerkschaft „Besonnenheit und Vernunft“. Es seien „bei niedriger Inflation, einer krisenhaften Entwicklung in der Automobilindustrie und einem gedämpften Wirtschaftswachstum keine großen Sprünge möglich“. Bereits in zwölf Betrieben der Metalltechnische Industrie gebe es Kurzarbeit, im Herbst des Vorjahres seien es nur zwei gewesen.

Wichtigster Partner „steht vor Rezession“

Knill zitierte vor Medienvertretern zahlreiche Konjunkturdaten, Produktionszahlen und Firmen-Stimmungsbarometer, die in den vergangenen Monaten nach unten zeigten. Unter anderem seien das Wirtschaftswachstum, die Industrieproduktion und das Produktionserwartung deutlich rückläufig. Im Jahr 2018 lag das Wirtschaftswachstum in Österreich noch bei 2,7 Prozent, heuer soll es nur mehr 1,5 Prozent betragen. 2020 soll das Wachstum weiter sinken, aktuelle Prognosedaten veröffentlicht das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) Anfang Oktober. Deutschland als wichtigster Exportmarkt für die österreichische Metalltechnische Industrie stehe vor einer Rezession, so der Fachverbandsobmann.

Bei den vergangenen KV-Verhandlungen einigten sich Metaller-Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen hohen Abschluss mit einem durchschnittlichen Entgelt-Plus von 3,46 Prozent gestaffelt nach Einkommen. Davor lag das KV-Plus bei 3,0 Prozent für 2018, 1,68 Prozent (2017), 1,5 Prozent (2016) und 2,1 Prozent (2015).

Die Gewerkschaft sieht bei den KV-Verhandlungen „heuer Erntezeit“ für die Beschäftigten. „Die letzten acht Jahre waren gerade für die Metallindustrie äußerst erfolgreiche Geschäftsjahre“, so die Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) Anfang September.

Vier-Tage-Woche „nicht denkbar“

Nach dem Start der KV-Verhandlungen der Metalltechnische Industrie mit rund 126.500 Beschäftigten am 23. September, folgt die Gießereiindustrie (7400 Beschäftigte) am 3. Oktober, die Fahrzeugindustrie (34.600 Beschäftigte) am 9. Oktober, der Bereich Bergbau-Stahl (rund 17.000 Beschäftigte) am 28. Oktober und die NE-Metallindustrie (rund 6400 Beschäftigte) am 30. Oktober sowie die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen (rund 5000 Beschäftigte) am 30. September.

Die Arbeitgeber wollen bei den Metaller-KV-Verhandlungen „einen zeitgemäßen Kollektivvertrag“ erreichen, unter anderem den Arbeiter- und Angestellten-KV zusammenzulegen. Das von der Gewerkschaft geforderte Recht auf eine Vier-Tage-Woche ist für die Metalltechnische Industrie nicht denkbar. „Einem einseitigen Recht“ werde man nicht zustimmen, so Knill. Auf Unternehmensebene könne die Vier-Tage-Woche ja bereits zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern vereinbart werden. (APA)