Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


ÖBB-Fahrplan

Im Schlaf von Innsbruck nach Brüssel, Gratis-Vorteilscard für 18-Jährige

Am 15. Dezember tritt der neue Fahrplan der ÖBB in Kraft. Die mehrheitlich private Westbahn verdichtet ihren Takt für Pendler.

Der Innsbrucker Hauptbahnhof.

© thomas boehmDer Innsbrucker Hauptbahnhof.



Wien – Wer künftig in Innsbruck in den Nightjet einsteigt, wacht am nächsten Tag in der europäischen Metropole Brüssel auf. Ab Jänner 2020 wird es einen Nachtzug von Wien bzw. Innsbruck nach Brüssel geben, Tickets sind ab 15. November buchbar. Die Fernverbindung Bozen – Wien über Innsbruck wird ausgebaut: Über die Landeshauptstadt werden ÖBB-Fahrgäste nun täglich von Wien in die Südtiroler Landeshauptstadt (und zurück) gebracht.

300 Fernverkehrszüge, davon mehr als die Hälfte im internationalen Fernverkehr, bieten die ÖBB bereits an. Ab Mai 2020 gibt es eine Direktverbindung von Wien nach Berlin. Auch bei den ÖBB-Nightjets sollen neue Verbindungen folgen, ab Dezember 2020 sind Garnituren nach Amsterdam geplant. Das Potenzial ist – auch wegen der breit geführten Klimaschutz-Diskussion – groß: Bei den Nightjet-Tickets verzeichnete die Bahn eine Steigerung von elf Prozent. Apropos Klimaschutz: Um Jugendliche vom nachhaltigen Reisen zu überzeugen, erhalten sie nächstes Jahr zu ihrem 18. Geburtstag von der Staatsbahn die Vorteilscard geschenkt. „Wir sind gespannt, wie viele von den 90.000 Jugendlichen, die im nächsten Jahr 18 werden, die Vorteilscard abholen“, sagte ÖBB-Chef Andreas Matthä.

-

Der gestern präsentierte neue ÖBB-Fahrplan soll aber auch einen massiven Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs bringen. Insgesamt sind vier Millionen zusätzliche Zugkilometer geplant. Dabei handle es sich um „die größte Ausweitung der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte“, sagte der ÖBB-Chef. In der Ostregion soll es ein Plus von zehn Prozent geben, mit verbesserten Intervallen und längeren Betriebszeiten.

Mit dem neuen Fahrplan werden die Tickets im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, was für Matthä eine „sehr faire Preisanpassung im Verhältnis zur Leistung“ ist. Die Strecke Wien – Innsbruck wird damit um 60 Cent teurer. Verbundkarten sind von der Teuerung nicht betroffen, ebenso wenig wie die Preise der ÖBB Vorteilscard. Ausgebaut wird auch das Carsharing-Angebot „Rail & Drive“. In Tirol können an den Bahnhöfen Innsbruck, Landeck und Wörgl derzeit 35 Pkw ausgeliehen werden – in Innsbruck bald auch E-Autos.

Die mehrheitlich private Westbahn stellt ihre Wien-Salzburg-Verbindung ab 15. Dezember von einem Halbstunden- auf einen Stundentakt um – wird aber in der Früh und am Abend zusätzliche Züge anbieten. Die Gründe für die Reduktion der Verbindungen sind der Verkauf des kompletten Zugmaterials an die Deutsche Bahn und die hohen Verluste. (APA, ritz)