Letztes Update am So, 26.02.2012 10:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Breite Front gegen neue Immo-Steuer

Wer Immobilien künftig gewinnbringend verkauft, wird zur Kasse gebeten. Sowohl Konsumentenschützer als auch Immobilienmakler kritisieren, dass kleine Anleger zahlen müssen, während große profitieren.



Innsbruck, Wien – Im Zuge des Sparpakets will der Staat bei Verkäufen von Immobilien und Grundstücken künftig noch stärker zugreifen. Wer eine Liegenschaft verkauft, muss auf die Differenz zwischen Anschaffungspreis und Verkaufspreis 25 Prozent Steuer zahlen. Die bisher geltende Spekulationsfrist von zehn Jahren, nach der eine Immobilie steuerfrei verkauft werden kann, fällt. Das entsprechende Gesetz tritt mit 1. April in Kraft, Immobilienbesitzer sollen so mit mehr als 2 Mrd. Euro zum 27 Mrd. Euro schweren Sparpaket beitragen.

Doch in der Branche regt sich herber Widerstand gegen die Pläne der Regierung. Befürchtet wird, dass der Markt für Vorsorgewohnungen zum Erliegen kommt. Thomas Malloth, Fachverbandsobmann der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer, ist überzeugt, dass die neue Immo-Steuer „nicht die großen, sondern die kleinen Anleger trifft“. Das Paket enthalte „nichts, was man in irgendeiner Form als Investitionsanreiz werten könnte“.

Kritisch ist auch die Arbeiterkammer Tirol – obwohl grundsätzlich befürwortet wird, dass Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien und Grundstücken versteuert werden. Die Experten bemängeln aber, dass bei Verkäufen von gewerblichen Objekten der Steuersatz von zuvor 50 auf 25 Prozent fällt. Steuerrechtsexperte Werner Doralt erwartet mit dieser Regelung sogar einen Steuerausfall, den Private mit dem Verkauf von Eigentumswohnungen und Eigenheimen tragen müssen. Kritisiert wird von Seiten der AK auch, dass die Steuer künftig auf Hauptwohnsitze eingehoben wird. Ausnahmen kommen zum Tragen, wenn die Immobilie seit der Anschaffung mindestens zwei Jahre oder mindestens fünf Jahre innerhalb von zehn Jahren als Hauptwohnsitz gedient hatte.

„Alles andere als positiv“ ist die Steuer auch für Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter des Immo-Dienstleisters EHL. Fraglich sei aber, ob die Steuer auch tatsächlich die gewünschten Effekte für den Staat bringen könne. 90 % der Käufer von Anlagewohnungen kümmerten sich laut Ehlmaier nicht um Veräußerungsgewinne, den Investoren gehe es vor allem um Sicherheit. (bea, APA)




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