Letztes Update am Di, 27.11.2012 07:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Post verkauft Adressen, Daten als Millionengeschäft

Bei Gewinnspielen oder einem Nachsendeauftrag der Post schnappt oft die Datenfalle zu, Datenschützer kritisieren die dreiste Vorgangsweise.



Von Beate Troger

Innsbruck – Waltraud D. aus Innsbruck (Name der Redaktion bekannt) wollte sich eigentlich nur ihre persönliche Post ins Krankenhaus nachschicken lassen. Auf ihrem Postamt richtete sie einen Nachsendeauftrag ein. Nur wenig später wurde die Innsbruckerin sowohl auf ihrer Privatadresse als auch im Krankenhaus mit zahlreichen Werbesendungen bombardiert – von Esoterik- bis hin zu dubiosen Sex-Anbietern.

Was die Postkundin nicht wusste: Mit ihrer Unterschrift auf dem Nachsendeauftrag hatte Waltraud T. der Post auch die Genehmigung erteilt, dass ihre Daten an Adressverlage und Direktmarketing-Firmen weiterverkauft werden. Das Geschäft mit den Daten ist für die Post ein lukrativer Handel, der auf www.post.at auch offensiv angeboten wird. Eine Adresse kostet in etwa 30 Cent, kolportiert werden Umsätze im Millionenbereich. Bis zu sechs Millionen Adressen und Kundendaten verwaltet die Post, wie Post-Pressesprecher Michael Homala der TT bestätigt. „Wer etwa einen Nachsendeauftrag einrichtet oder an einem Gewinnspiel der Post mitmacht, gibt damit automatisch seine ausdrückliche Zustimmung zur Weitervermarktung der Daten“, erklärt Homala. Dies sei auf den Formularen stets in gut lesbarer Schriftgröße angegeben. Wer den Passus ganz unten am Blatt aber nicht zu Ende liest, weiß gar nicht, dass es die Post auf die Daten der Kunden abgesehen hat. Wer nicht will, dass Adressen und persönliche Daten weitergegeben werden, könne die Vermarktung jederzeit widerrufen, heißt es bei der Post.

Doch bei welchen Unternehmen, Parteien oder anderen Anbietern die Adressen dann schon gelandet sind, ist nach Auskunft der Bundes-Arbeiterkammer nur schwer nachzuvollziehen. Die Einträge müssten nicht nur aus der Datenbank der Post, sondern auch bei deren Geschäftspartnern sofort gelöscht werden. Oft helfe ein Einspruch bei der Datenschutzkommission.

Die Post verweist auf das Datenschutzgesetz und die Gewerbeordnung für Adressverlage und hält daran fest, dass die Vorgangsweise absolut legal sei. Für die ARGE Daten liegt der Adresshandel aber klar im Graubereich – vor allem dann, wenn nicht nur Postadressen, sondern daraus abgeleitete persönliche Daten – vom Urlaubsverhalten oder Alter bis hin zum Familienstand – weitergegeben werden oder wenn etwa von Gewinnspielen auf Hobbys geschlossen werde. Bei Adressen aus dem Nachsendeauftrag seien auch schon Aufforderungsschreiben der ORF-GIS eingetrudelt, was klar illegal sei. „Für die Post AG besteht eine Prüfpflicht, dass die Daten zu rechtmäßigen Zwecken weitergegeben werden. Post und Adressverlage dürften die Prüfpflicht schon des Öfteren missachtet haben“, sagt ARGE-Daten-Obmann Hans Zeger.




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