Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.07.2015


Wirtschaftspolitik

Chaos an Chinas Börsen

China stemmt sich mit Aktienkäufen gegen einen drohenden Börsencrash.

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© EPA



Peking – Die chinesische Regierung greift an den taumelnden Börsen der Volksrepublik ein, um den jüngsten Kurssturz auf den heimischen Finanzmärkten zu stoppen. Börsengänge werden bis auf weiteres ausgesetzt, Wertpapierhändler und Investmentfonds haben sich zu längerfristigen Aktienkäufen verpflichtet und der Staat wird den Aktienkauf auf Pump fördern. Dies gaben staatliche Stellen, Finanzfirmen und Branchenverbände in mehreren Mitteilungen am Wochenende bekannt.

Die Festland-Börsen im Reich der Mitte befinden sich seit drei Wochen in einem freien Fall, den die Regierung nun mit ihrem koordinierten Eingreifen beenden will. Der wichtigste Börsenindex Shanghai Composite rutschte in dieser Zeit um 29 Prozent ab. Hintergrund ist die Sorge, dass die Börsen nach einer monatelangen Rally überhitzt sind. Experten warnten zuletzt häufiger vor dem Platzen einer Blase.

Nicht zuletzt die rund 90 Millionen Privatanleger hatten den Börsenboom angeheizt – ermuntert durch die Regierung in Peking. Dabei kauften sie Aktien vielfach auf Pump bei Wertpapierhändlern, so genanntes Margin Trading. Durch die Talfahrt der Kurse wurden die Anleger gezwungen, Kapital nachzuschießen – was viele nicht konnten. Dadurch landeten dann notgedrungen noch mehr Aktien auf dem Markt.

Die chinesische Notenbank wird den Wertpapierhändlern nun bei der Finanzierung des Aktienkaufs auf Pump mit einer Geldspritze unter die Arme greifen, wie die Marktaufsicht CSRC am Sonntag ankündigte. Gleichzeitig erklärte ein mächtiger Staatsfonds, noch jüngst in den Aktienmarkt investiert zu haben. Zuvor waren 28 laufende Börsengänge an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gestoppt worden, um das Geld der Anleger in den etablierten Werten zu halten.

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21 große Broker verpflichteten sich, keine Aktien aus ihrem eigenen Bestand zu verkaufen, solange der Shanghai Composite unter der Marke von 4500 Punkten stehe. Die Geschäftsführer von 25 Investmentfonds versprachen ebenfalls, Aktien zu kaufen und mindestens ein Jahr lang zu halten. (TT, dpa)