Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.01.2016


Wirtschaftspolitik

IG Milch: Quote als Weg aus der „Export-Sackgasse“

IG Milch fordert gegen das Bauernsterben die Rückkehr zur Milchquote. Export der Billigmilch gefährde auch Bauern in Schwellenländern.

© APA/GEORG HOCHMUTHMit solchen Aktionen protestierten die Bauern der IG-Milch im Vorjahr gegen Preisdumping und Milchseen. Heuer sollen weitere Demos folgen.



Wien – Um den niedrigen Milchpreis zu bekämpfen, fordert der Verein Österreichischer Grünland- und Rinderbauern (IG Milch) die Wiedereinführung einer Milchquote, um die Menge erzeugter Milch steuern und damit den Preis heben zu können. Die EU-weite Liberalisierung des Milchmarktes müsse rückgängig gemacht werden, meint die IG Milch. Das ist für dessen Obmann Ewald Grünzweil der einzige Weg aus der „Export-Sackgasse“.

Seit Mai 2015 ist der EU-Milchmarkt liberalisiert, zuvor war die Produktion mit Quoten beschränkt. Die Bauern können seit dem Fall der Quote so viel Milch produzieren wie sie wollen. Die dadurch entstehende Überproduktion drückt den Preis. „Wir produzieren Mengen, die kein Mensch braucht“, sagte Grünzweil, Milchbauer aus Oberösterreich. Er plädiert für eine Marktbeobachtungsstelle mit Durchgriffsrecht. Die IG Milch (1600 Mitglieder) fordert einen Mindestpreis von 50 Cent pro Liter für konventionelle Milch und 60 Cent für Biomilch, damit Bauern kostendeckend verkaufen können. Derzeit kostet ein Liter Milch etwa 31 Cent, ein Liter Biomilch 44 Cent. Immer mehr Milchbauern müssten andere Einkommensquellen suchen, so Grünzweil. Am 1. April will die IG Milch in Wien protestieren.

Auf Einladung der IG Milch war der indische Milchbauer und Interessensvertreter Kannaiyan Subramaniam in Wien. Er zog Parallelen zwischen der indischen und Europas Milchwirtschaft. So würden auch in Indien kleine Betriebe aufgrund der Liberalisierung aussterben. Exporte aus Europa gefährden die großteils genossenschaftliche und kleinbäuerliche Milchproduktion. „Von Unternehmen ausgehende, nicht umweltfreundliche und exportbasierte Initiativen sind keine Lösung für die Milchkrise in Europa“, so der Inder. Auch kritisierte er ein von der EU und Indien seit 2007 verhandeltes Freihandelsabkommen. „Der Exportschwachsinn muss aufhören“, so Grünzweil. (TT, APA)