Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.01.2016


TTIP

Umfrage: Bauern sehen TTIP negativ

Drei Viertel der Landwirte orten Risiken durch den Freihandel mit den USA. EU-Vertreter sehen Verhandlungen auf Augenhöhe.

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Wien – Die Grünen untermauern ihre Kritik am Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA mit einer Umfrage unter 500 österreichischen Landwirten.

Demnach meinen 20 Prozent, die Auswirkungen von TTIP nicht einschätzen zu können. 80 Prozent beziehen Position. Von ihnen sehen 65 Prozent negative Auswirkungen durch TTIP, 14 Prozent keine oder kaum Auswirkungen auf ihren Betrieb. Ein Prozent sieht das Abkommen positiv. Die Hälfte der Landwirte hat aber keine konkrete Kritik und gibt negative oder gemischte Gefühle für ihr Unbehagen zu TTIP an. 15 Prozent befürchten einen Preisverfall und ein Zehntel glaubt an einen Wegfall von Förderungen oder eine Verschlechterung der Produktionsbedingungen.

Die von den Grünen be­auftragte Studie hinterfragt auch die Positionierung der politischen Parteien und ob diese jeweils „richtig“ ist. Das meiste Vertrauen der Bauern wird dabei der ÖVP entgegengebracht, die sich eher pro Abkommen äußerte. 39 Prozent der Befragten sehen sich bei der ÖVP am besten aufgehoben, 29 Prozent bei den Grünen, 16 Prozent bei der FPÖ, 8 Prozent bei der SPÖ und 7 Prozent bei NEOS.

Bezogen auf die Landwirtschaft fordert der grüne Ag­rarsprecher Wolfgang Pirklhuber den Stopp der Verhandlungen zwischen Brüssel und Washington. Er sieht sich durch die Umfrage bestätigt.

Auch die Vizepräsidentin des ÖVP-Bauernbundes Elisabeth Köstinger warnte zuletzt vor einem möglichen Preisverfall durch TTIP in einigen Bereichen.

Bei einem Hintergrundgespräch in Wien erklärten am Montagabend Vertreter der EU-Kommission, dass die Verhandlungen mit den USA auf Augenhöhe verlaufen würden. Die Befürchtung vieler Verbraucher und Landwirte, wonach die USA niedrigere Standards hätten, entspreche nicht der Realität. Es gebe Unterschiede, etwa was gentechnisch veränderte Organismen oder Hormone im Fleisch betreffe. Hier werde es keine Einigung geben, glauben die Kommissionsvertreter. Der weitere TTIP-Fahrplan sieht bis Ende Februar die nächste Verhandlungsrunde vor. (APA, TT)