Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.01.2016


Exklusiv

Platter will Hilton-Gebäude für neues Tirol Haus

Tirol Werbung, Standortagentur und Co. könnten ins Hilton ziehen. Das Land verhandelt über einen Erwerb. Ein prominenter Immo-Tausch wird kolportiert.

Die Gerüchteküche brodelt rund um das neue Tirol Haus: Wird der Hilton-Turm aufgestockt? Werden Repräsentationsräume für den Landeshauptmann errichtet? Werden Hubschrauber am Dach landen?

© TT/Andreas RottensteinerDie Gerüchteküche brodelt rund um das neue Tirol Haus: Wird der Hilton-Turm aufgestockt? Werden Repräsentationsräume für den Landeshauptmann errichtet? Werden Hubschrauber am Dach landen?



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Bei der Herbergssuche für das geplante Tirol Haus mit Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing hat Landeshauptmann Günther Platter nun das Hilton-Gebäude ins Auge gefasst. Gegenüber der TT bestätigte Platter sein Interesse an dem 1973 erbauten Hochhaus in der Salurner Straße. „Das Land Tirol ist an einem Erwerb der Liegenschaft Hotel Hilton sehr interessiert. Derzeit laufen Gespräche mit allen Beteiligten.“ Mehrere andere Standort-Varianten haben sich zuvor bereits zerschlagen.

Aktueller Eigentümer des Hilton-Gebäudes ist Klaus Stiebleichinger, Chef des Innsbrucker Hotels Grauer Bär und drei weiterer Beherbergungsbetriebe in der Landeshauptstadt. Er hat das Hilton-Haus 2014 vom Immobilienentwickler BOE übernommen. Zu den Verhandlungen mit dem Land gab er sich am Donnerstag zugeknöpft. Die Gespräche seien „relativ lose“, es gebe noch nichts Konkretes.

Wie die TT aus informierten Kreisen erfuhr, soll im Rahmen des Deals ein prominenter Immobilientausch angedacht sein. Demnach könnten das Hilton-Hochhaus und die Landesbaudirektion in der Herrengasse die Eigentümer wechseln. Dieses Gebäude grenzt an die Altstadt und den Congress und beherbergt aktuell mehrere Abteilungen des Landes.

Könnte dort vielleicht das Hotel Hilton eine neue Heimat finden? Hotelier Stiebleichinger wollte all dies nicht kommentieren. Er betonte jedoch: „Ich habe damit nichts zu tun.“ Ein neues Hotel in der Herrengasse wäre für ihn „nicht interessant“, bemerkte Stiebleichinger auf Nachfrage. Die imposante Landesbaudirektion ist denkmalgeschützt und misst rund 2500 Quadratmeter. Sie blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück – im Dritten Reich war sie etwa der Sitz der Gestapo.

Aber zurück zum Hilton-Gebäude und seinen möglichen künftigen Bewohnern. Dem Vernehmen nach soll sich bei so manchen Beschäftigten der betroffenen Landesorganisationen die Begeisterung für einen Umzug in den 70er-Jahre-Turm in Grenzen halten.

Tirol-Werbung-Chef Josef Margreiter kommentierte die Pläne gestern zurückhaltend. Man verfolge schon länger das Ziel, ins Eigentum zu kommen, „daher freut es uns, wenn Landeshauptmann Platter das Projekt Tirol Haus vorantreibt“, meinte Margreiter. Die „Option Hilton“ könne er nicht beurteilen, da er noch keine konkreten Pläne kenne. Die Tirol Werbung ist in ihrer aktuellen Heimat in der Maria-Theresien-Straße eingemietet, der Vertrag wurde kürzlich bis 2018 verlängert. Standortagentur-Chef Harald Gohm sagte, dass er „alles begrüße, was in Richtung gemeinsame Strukturen geht“. Hier sei das Hilton eine Möglichkeit von mehreren. Wie berichtet, sollen Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing unter ein Dach schlüpfen. Im Februar beginnt ein Strategieprozess.

Bleibt die Frage, was die US-Hotelkette Hilton tut, wenn der Deal zustande kommt. Hilton-Österreich-Chef Norbert Lessing wollte die Verhandlungen nicht kommentieren. Man sei in dem Gebäude eingemietet, die Causa ein Thema des Eigentümers. „Ich weiß nur, dass wir gerne in Innsbruck sind“, sagte Lessing. 80 Mitarbeiter sind aktuell in dem 14 Stock hohen Vier-Sterne-Hotel beschäftigt. Das 352-Betten-Haus hat ebenfalls eine ereignisreiche Geschichte – in den vergangenen vier Jahrzehnten war es zunächst ein Holiday Inn, dann ein Sheraton, später ein Scandic Crown, um dann wieder zu einem Holiday Inn zu werden und ab 2002 unter der Marke Hilton aufzutreten.